Aus Zahns Leben.
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wurden, und nach wenigen Jahren offenbarte sich den alten Freunden,
wie richtig der Direktor ihre Genossen geschätzt hatte.
Von dogmatischer Vollständigkeit dachte Zahn sehr gering, und
ich glaube nicht, daß er sie je wird in seinem Religionsunterricht
erstrebt haben. Auch beim Katechismus ging es ihm um die ent
scheidenden Grund- und Lebensfragen. Wenn er auf Höherliegendes
zu sprechen kam, so war es die Bearbeitung des Erfahrungskreises,
des dem jugendlichen Geiste Naheliegenden, wodurch er eine Ausschau
auf das Hohe, Ferne zu ermöglichen suchte.
So lag ihm auch die Sorge für eine ausgebildete Methodik fern.
Er hat treffliche Anleitung gegeben für das Verständnis und den
Gebrauch der Heiligen Schrift, die weitere Ausrüstung des Religions
lehrers, die einheitliche Gestaltung des Religionsunterrichts, also die
Stellung von Lied, Spruch und Katechismus zur biblischen Geschichte.
Wer aber seine schöne Abhandlung über den Religionsunterricht in
der Unterklasse liest und am Schluß derselben eine handliche An
weisung für die Unterrichtserteilung erwartet, der sieht sich enttäuscht.
Er hätte sie wohl geben können, wie er ja auch seinen Seminaristen
in Musterlektionen zeigte, wie der Unterricht zu erteilen war, aber er
wußte auch, daß hier die Persönlichkeit des Lehrers, die Eigenart der
Kinder, die augenblicklichen Verhältnisse (Vorkommnisse im Leben der
Kinder, Anregungen aus andern Unterrichtszweigen re.) einen Einfluß
ausüben, der die Behandlung bald so, bald anders gestalten wird,
daß Einförmigkeit der Behandlung sehr leicht den Tod bringt, daß es
gilt, durch die Verschiedenheit der Betrachtungsweise das Kind einen
Blick tun zu lassen in den ungeahnten Reichtum und die Vielseitigkeit
der religiösen Stoffe und auch hierdurch sein Interesse für denselben
zu erhöhen und zu beleben. So hoch er die methodisch sorgfältige
Arbeit des Oberlehrers Schürmann schätzte, so sicher er die Not
wendigkeit der Beachtung der drei ersten Formalstufen seinen Schülern
in Fleisch und Blut übergehen ließ, so zweifle ich doch, ob er die
Anwendung der Formalstufen auf den Religionsunterricht empfohlen
haben würde. Ich halte allerdings seine Furcht vor dem „niechaniser“
hier für zu weitgehend. Die Formalstufen sind sehr heilsame Weg
weiser und brauchen das Leben nicht zu hemmen, und wo sie es,
falsch verstanden, doch tun, wäre ohne sie sicher nicht mehr Leben,
wohl aber mehr Verwirrung da.
Schon in Dresden hat Zahn seine „Biblische Geschichte nebst
Denkwürdigkeiten aus der Geschichte der christlichen Kirche" geschrieben.
Sie fand so dankbare Aufnahme, daß sie 1835 schon von der

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