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I. Abteilung. Abhandlungen.
das Verständnis für die Bedeutung des Zahnschen Ideals aufgehen,
und wir werden sehen, daß es all unser Tun heilsam zu modifizieren
vermag, auch wo wir der Erreichung noch so fern sind.
Dörpfeld sagt von ihm: „Sobald man eingesehen haben wird,
daß beim Religionsunterricht die erbauliche Einwirkung auf das
Gemüt in erster, das Einlernen des Stoffes dagegen erst in zweiter
Linie steht, dann wird auch für einen Vorschlag Zahns, der bis jetzt
wenig diskutiert worden ist, die Zeit der rechten Beachtung gekommen
sein, für den weitreichenden Vorschlag nämlich, daß die Haus-
andacht, der biblische Schulunterricht und die kirchliche
Predigt von Woche zu Woche Schritt halten, d. h. innerhalb
desselben Gesichtskreises sich bewegen müssen. Erst
dann, wenn diese Forderung erfüllt ist, dürfen wir mit
Grund hoffen, daß die biblische Geschichte in das christ
liche Volk und das christliche Volk in die biblische Ge
schichte sich einleben wird, und zwar ohne daß diese zur
Erbauung gegebene Geistesnahrung in den Jugendjahren zu einer
Marterung des Gedächtnisses gemacht zu werden braucht. Solange
dieser wahrhaft großartige Gedanke, dem insonderheit auch der Zahnsche
Bibelkalender gewidmet ist, nur wie ein verhallendes Echo durch den
deutschen Kirchen- und Schulwald zieht, so lange muß das Reden
über ein Zusammenwirken von Haus, Schule und Kirche zur Hälfte
ein Gerede bleiben und dem vereinzelten Bauen aus jedem dieser
Gebiete der beste Teil des Segens verloren gehen: es fehlt das
Fundament des Zusammenschlusses. Leider will es den Anschein
gewinnen, als ob in dem Maße, wie die große Zeit der kirchlichen
und pädagogischen Belebung in den Hintergrund tritt, auch in dem
selben Maße in Schulen und Seminarien das Interesse an großen
Fragen und Zielen am Abnehmen sei. Was Wunder also, wenn
dem nachgebornen Geschlecht für das, was Männer wie Harnisch,
Stern, Zahn u. a. gewirkt und gewollt haben, der Maßstab ver
loren geht."
Das Seminar zu Mörs war zu Zahns Zeit das Seminar des
Regierungsbezirks Düsseldorf. Zu den Pflichten des Direktors gehörte
auch die Revision der Volksschulen des Bezirks. Zahn war sich der
hohen Bedeutung, aber auch der besondern Schwierigkeiten dieser
Pflicht bewußt. Waren doch diese Revisionen ein treffliches Mittel,
mit seinen Schülern in lebendiger Verbindung zu bleiben und zwischen
Seminar und Volksschule die rechte Beziehung lebendig zu erhalten.
Es lag aber auch die Gefahr nahe, als Richter und Kritiker ein vor-

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