Aus Zahns Leben.
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handenes gutes Verhältnis zu trüben oder gar zu zerstören. In der
Schul-Chronik ist in manchen Artikeln von der Schulinspektion die
Rede; sind doch die rechten Hände zur Leitung und Pflege des Schul
wesens wie der einzelnen Schule unerläßliche Vorbedingung für das
Gedeihen derselben.
Das Haupterfordernis für die rechte Schulleitung sah Zahn mit
Roth (vgl. S. 51) darin, daß ihre Beamten die Schularbeit aus
eigener Erfahrung kennen, daß sie die Schule lieben gelernt haben,
wie die Wärterin die Kinder, die ihr durch Arbeit und Pflege für sie
ans Herz gewachsen sind.
Dann forderte er für den ernstgesinnten Lehrer möglichst weit
gehende und gesicherte Freiheit des Wirkens. Je geistiger die Wirk
samkeit ist, die man von uns erwartet, desto mehr bedürfen wir des
Gefühls der Selbständigkeit, oder umgewandt: „Je mehr ein Mensch
sich abhängig fühlt, desto weniger ist er dazu gemacht, mit seinem
Geiste auf andere Geister zu wirken." Zum geistigen Wirken gehört
das Gefühl der Selbständigkeit, und zur Empflndung der Selbständig
keit die Gewißheit des Rechts.
Endlich fordert er, daß die Aufsichtsbeamten imstande und willig
sind, sich in die Lage und Verhältnisse des einzelnen Lehrers hinein
zuversetzen und aus ihnen heraus zu urteilen und zu raten. „Wer
über den Volksschullehrerstand seine Stimme abgeben will, suche sich
vor allen Dingen auch erst einmal recht in den Stand, in die ganze
Lage des Lehrers zu versetzen. Es ist noch lange nicht genug, sich
bloß in die Schule und den Unterricht in derselben, und sei's noch so
tief und gründlich, zu versetzen. Wir sagen: der Richter, der Rat
geber, der Bußprediger (es gibt nirgends ergiebigeren Stoff zu Buß
predigten), die Verwaltungsbeamten, jeder versetze sich vor allen
Dingen ganz in die Lage des Lehrers, seinem Bildungsgänge nach,
seinen Leiden und Freuden nach in seinem ganz eigentümlich be
schränkten und schwierigen Wirkungskreise; man lerne, wie ein Lehrer
lebt, denkt, fühlt." Als 1850 auf dem Kirchentage zu Stuttgart der
Professor Julius Müller seinen Freund Zahn ftagte, was er denn bei
den geistlichen Richtern in der Schulfrage vermisse, er möge doch mit
der Sprache herausrücken, da antwortete dieser: „Das Sensorium."
Zahn und Dörpfeld erzählen, daß die bündige Antwort der Ver
sammlung ebenso rätselhaft wie derb vorkam.
Nichts achtetete Zahn die Revisionen, bei denen nur festzustellen
versucht wird, wie weit die äußere Gerechtigkeit erfüllt, das vor-

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