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I. Abteilung. Abhandlungen.
feien; mit den Nummer-Eins-Leuten hätten sie üble Erfahrungen
gemacht. Nach Eylerts Bericht hat die uralte Frage auch Friedrich
Wilhelm III. nach 1807 schwer beschäftigt.
Aus den fünfziger Jahren erinnere ich mich deutlich der lebhaften
Verhandlungen, die sie auch in Lehrerkreisen hervorrief. In ver
tranten Kreisen ließ man die hervortretenden Kollegen Revue passieren.
Man fand an Wissen und Einsicht bedeutende Männer, die erbärmliche
Lehrer waren, und erinnerte an Landfermann, der von einem
bedeutenden Botaniker erzählt hatte, daß der Herr sich nicht schäme,
seinen Schülerinnen Pflanzen-Monographien vorzulesen, statt ihnen
die Pflanzen zu zeigen und mit ihnen zu besprechen. Dagegen fand
man bei andern, daß sie ihre reichen Kenntnisse trefflich zu verwerten
wußten. So ergab die Erfahrung, daß das wissenschaftliche Interesse
der Berufserfüllung ebensowohl schaden als nützen kann, und es
entstand die weitere Frage: Wann wird es dieses, wann jenes tun?
Zahn war dies keine Frage. Wie Professor Hülsmann gern
betonte: Die sittlichen Wahrheiten sind die gewissesten und darum die
regulativen, so wußte Zahn, daß der rechte Lehrersinn auch antreiben
wird, die rechte Einsicht und das rechte Geschick zur Berufserfüllung
zu gewinnen, und darum war ihm die Pflege und Förderung des
rechten Sinnes das erste und Hauptanliegen. Wenn er auch nie ver
kannte, daß die rechte Lehrerpersönlichkeit nicht durch Wollen und
Laufen, sondern durch Gottes Erbarmen wird, so war ihm doch die
sorgfältige Gewöhnung zu einer dem Stande bis ins kleinste würdigen
Lebenshaltung ein sehr ernstes Anliegen. Als in den sechziger Jahren
der verdiente Lehrer Kötter gestorben war und auf der nächsten
Generalversammlung des Vereins evangelischer Lehrer und Schul
freunde sein Nekrolog verlesen wurde, sprach auch Zahn einige
bewegte Worte über den Heimgegangenen. Gern sei er mit der
ersten Klasse seiner Seminaristen hinausgewandert nach Ruhrort, um
sie einen Blick tun zu lassen in das Wirken eines rechten Lehrers.
So oft er zu Kötter gekommen sei, habe er stets gefunden, daß der
Mann wußte, was er wollte, und daß er klar war über den Weg,
der ihn zu seinem Ziele führen sollte. Nicht minder habe es ihn
gefreut, daß Kötter auch in Kleidung und Haltung stets die rechte
Lehrerwürde zu wahren gewußt habe. Es war ganz in Zahns Sinn,
wenn Dörpfeld sagte, daß er nur solche Bücher lese, von denen er
Förderung für seinen Beruf erwarten dürfe. Aber auch das ist in
Zahns Sinn, wenn Hollenberg-Rheydt gern sagt: „Es ist den Lehrern
sehr nützlich, wenn sie einmal über den Zaun sehen können. Wie

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