Aus Zahns Leben.
425
wir allen Anlaß haben, unsre ganze Kraft daran zu setzen, immer
mehr rechte Lehrer zu werden, so ist auch das Sehen über den Zaun
dazu sehr förderlich, da es nicht nur lehrreich ist, sondern auch
bescheiden macht und damit eine höchst wichtige Eigenschaft fördert."
Zahn berichtete vor 50 Jahren auf den monatlichen Lehrerkonferenzen
in Mörs, die er bis in seine letzte Lebensjahre regelmäßig besuchte,
gern von den Ergebnissen der Ausgrabungen in Ninive und ähn
lichen bedeutsamen Errungenschaften und deren Bedeutung für die
Pädagogik?)
Mit Freuden erinnere ich mich der ersten Eindrücke, die ich als
junger Hülfslehrer am Anfang der fünfziger Jahre von diesem
Konferenzleben empfangen habe. Mein Hauptlehrer, der damals schon
alte Herr Kühler in Repelen, war ein treues Glied der Mörser
Konferenz und ein ebenso warmer Verehrer Zahns. Das schlechteste
Wetter vermochte Herrn Kühler nicht von der Konferenz zurück
zuhalten. Nie kam er heim ohne einen doppelten Gewinn; wie an
Berufsfreudigkeit, so hatte er auch stets für die Behandlung seiner
Schularbeit etwas gewonnen. In gehobener Stimmung erzählte er
von der schönen Ansprache des Herrn Direktors, und dann legte er
mir nahe, da er meine Lust am Experimentieren kannte, einmal diesen
oder jenen unterrichtlichen Versuch zu machen, zu dem die Konferenz
Anregung gegeben hatte.
Nicht ohne Beschämung kann ich an diese Zeit zurückdenken, in
der ich so manchen älteren Kollegen kennen lernte, der trotz der
kümmerlichen Gehaltsverhältnisse ein begeisterter Schulmeister war,
der nie fertig wurde, der es nicht für zu gering achtete, an die
kleinste Verbesserung seines Unterrichts fteudig seine ganze Kraft
zu setzen.
Ich habe Zahn öfter auf den Konferenzen gesehen. Dabei ist
mir namentlich ein Dreifaches bedeutsam geworden: daß er auch den
0 Hollenberg-Rheydt hat sich in Zahns Sinn ein großes Verdienst damit er
worben, daß er seit Jahren unverdrossen auf die Bedeutung der etymologischen
Studien, als das Hauptstück der Grammatik, hingewiesen hat. Wie es gewiß recht
und gut ist, daß der Bolksschullehrer die verschiedenen Vorschläge für eine zweck
mäßige Erteilung des Deutschunterrichts sorgfältig prüft und vergleicht, um danach
seine Wege zu wählen, so sollte er doch auch wissen, daß das Resultat dieser Arbeit
ein ganz anderes wird, wenn er sie unter Vergleichung unsrer Muttersprache mit
einer oder mehreren andern Sprachen ausführt. Daß sich das Mittelhochdeutsch
unter Berücksichtigung der Etymologie und des Wechsels in der Anwendung und
Bedeutung der Wörter und Phrasen zu dieser Vergleichung ganz besonders empfiehlt,
ist wohl nicht ftaglich. Man sehe Hollenbergs „Sprachliche Untersuchungen".
31

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.