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n. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
ästhetisierenden Bestrebung in einen gleichen Gegensatz, wie ehedem zur Natur
wissenschaft. Wahren wir uns den Geist evangelischer Freiheit, der alles Prüft,
nicht nach dem Buchstaben, nach zufälligen Äußerlichkeiten, sondern nach dem
Sinn, der sich nicht bindet an bloße Namen, sondern der, weil er sich seines
Grundes gewiß weiß, das Schöne und Gute ninnnt, wo er es findet, der in
jeder Persönlichkeit das Recht des Eigenlebens anerkennt und mit jedem ehrlichen
Wahrheitssucher zusammengeht, soweit der gemeinsame Weg reicht.
Zu der gleichen Freiheit kann man andere, zumal die Jugend, nicht besser
erziehen, als dadurch, daß man sie in die Weite führt, damit sie früh das
Fremde achten lernt, auch wenn sie es nicht annehmen darf. So wird sie
gefestigt gegen den Wind fremder Lehre, der doch schließlich an einen jeden kommt.
Dann ist die Möglichkeit gegeben, daß sie den Kampf um die eigene Welt
anschauung führen lernt, solange ihr noch Führer und Berater zur Seite stehen.
Auch ist jede Erweiterung des Gesichtskreises ein Schritt zur Gewöhnung an
Duldsamkeit.
Für die rechte Stellung zur Mitwelt ist die Achtung vor der fremden
Persönlichkeit außerordentlich wichtig. Unser erstes Gefühl dem Fremden, anders
Gearteten gegenüber ist das der Ablehnung; das ist der Feind wirklichen Ver
ständnisses und eines rechten, gottgewollten Verhältnisses zum Nächsten. Besonders
bei Frauen hört man wohl die leidige Redeweise: der ist mir nicht sympathisch.
Fragt man nach dem Grunde, so heißt es: das ist ja ein abscheulicher Mensch!
Also keine Begründung, sondern nur eine Verschärfung des Urteils, die über die
anfängliche Stimmung des bloß „Unsympathischen" bedenklich hinausgeht. Im
besten Falle beruft man sich auf einige Äußerlichkeiten. Wird aber jenes Wider
streben überwunden, tritt man dem Fremden näher, gelingt es dann, Züge zu
entdecken, die in der einen oder anderen Beziehung unsere Teilnahme, unsere
Achtung wecken, so ist damit die Grundlage für ein rechtes Verhältnis zur
fremden Persönlichkeit und zu einem fruchtbringenden Zusammenwirken mit ihr
gegeben. Dieser Fall liegt vor, wenn wir bei einem Schriftsteller eine Welt
anschauung finden, die wir nicht anerkennen können. Der Fanatiker bleibt bei
dieser Dissonanz stehen; er versteift sich in seinem Unrechttun und schadet am
meisten sich selbst, indem er sich hochmütig isoliert. Er beschränkt sich und wird
„beschränkt". Der Verständige wird mit seinem Urteil zurückhalten; er wird
sorgsam prüfen und wohl bemerken, daß die fremde, mit der eigenen so gar nicht
zusammenstimmende Weise von dem Boden eben dieser Persönlichkeit, dieser Lebens
erfahrungen und Schicksale aus doch begreiflich und berechtigt ist. Das Tüchtige
der fremden Persönlichkeit wird uns selbst bereichern; mit diesem Geschenk, das
der Duldsame von dem andern empfängt, belohnt er sich selbst.
Soll nun aber die Lektüre eine schrankenlose sein dürfen,
soll die Frage nach dem Inhalt ganz gleichgültig sein und der Kunstwert allein
den Maßstab für die Auswahl abgeben? Sollen wir etwa Dichtungen zulassen,
deren Inhalt sittlich bedenklich ist? Das kann natürlich nicht sein. Man sucht
dieser Schwierigkeit wohl dadurch aus dem Wege zu gehen, daß man sagt: Ein
sittlich bedenkliches Buch ist überhaupt kein Kunstwerk. Dann wäre es schon
aus diesem Grunde abzulehnen. Aber was ein Kunstwerk ist, hat die Fachkritik
zu bestimmen, nicht wir, wenn wir uns natürlich auch unsere Ansicht in jedem
Falle vorbehalten werden. Andererseits hört man aus Kunstkreisen die Meinung:
Der Künstler ist der volle, der vollendete Mensch, in ihm spiegelt sich alles

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