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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
Es ist tatsächlich außerordentlich schwierig, die rechte Mitte
zu halten zwischen zu großer Ängstlichkeit und zu großer Sorg-
losigkeit künstlerischen Erzeugnissen gegenüber. Es gilt ja auch
hier das Wort: Wer nicht wider uns ist, der ist für uns. Unsere Christenleute
müssen immer mehr lernen, Herz und Sinn zu öffnen für alles Schöne.
Sollen wir uns der Lilien auf dem Felde freuen, dann gewiß doch auch des
Schönen, das von Menschen hervorgebracht wird, auch wenn es sich dabei nicht
um christliche Dinge handelt. Das heißt: rechte evangelische Freiheit üben. Eine
schwere Aufgabe, die man um so sicherer und ruhiger löst. je fester man zu den
göttlichen Dingen steht. Solche Freiheit ist nicht jedermanns Sache, sie zeigt
eine Höhe, Reinheit und Einfalt des Geistes an, die nur von wenigen ganz zu
erreichen ist.
Vergeblich würde also jemand hier ein Rezept erwarten, eine zunftfeste
Handwerksregel, die auch der Beschränkte leicht anwenden könnte. So einfach ist
das Leben nicht, es stellt uns auf Schritt und Tritt vor neue Probleme. Hier
würde es nichts nutzen, sich einige leicht behaltbare und anwendbare Grundsätze
einzuprägen, noch auch würde es ausreichen, sich mit einer tüchtigen christlichen
Gesinnung zu waffnen, hier gilt es, das Urteil schärfen und das Herz zur rechten
Liebe aller Geschöpfe und Werke Gottes — und dahin gehören auch die „un
sympathischen" — zu erwärmen. — Am feinsten bezeichnet Herbart die Sache;
er fordert von dem rechten Erzähler für Kinder den „leisen, selbst noch halb
schlummernden Takt". Nichts Besseres kann man auch dem wünschen, der für
Kinder Lesestoff auszuwählen und zu beschaffen hat. Nichts Besseres, aber auch
nichts Schwereres. Denn Takt läßt sich nicht erwerben, den muß man haben;
allerdings muß man ihn ausbilden. Der Taktvolle erschrickt nicht vor sogenannten
Nuditäten, er prüft sie auf ihre Ehrlichkeit, er fühlt aber das Lüsterne durch
tausenderlei Verkleidungen durch.
Fassen wir die Gründe, die uns zur Pflege des literarisch Schönen ver
anlassen, zusammen, so ergibt sich,
1. daß die Beschäftigung mit guten Büchern allerlei Torheiten und Unrecht
tun verhütet (das ist die negative Seite — Prophylaxis);
2. daß gute Bücher mit christlicher Tendenz ein geeignetes Erziehungs
mittel sind, indem sie Christenlehre und -leben zu lebendiger An
schauung bringen;
3. daß die Beschäftigung mit dem Schönen eine sittlich erziehende Wirkung
hat, indem dadurch die Herrschaft über die sinnlichen Begierden befördert
und so der sittlichen Freiheit Raum geschaffen, indem Interesse und
Streben auf höhere Ziele gelenkt wird.
Fragen wir nun nach der Pflege des literarischen Interesses,
so ist das Wichtigste darüber schon gesagt. Hier nur einige Bemerkungen, die
sich auf die besondere Lage der Innern Mission beziehen. Es sind ihr nämlich
mannigfache Schranken gesetzt. Zumeist hat sie es mit Leuten von geringer
Bildung zu tun, mit Leuten der verschiedensten Lebensstellungen, mit Heran
wachsenden und Erwachsenen. Sie muß solchen dienen, die sich eben erst erheben
aus dem Zustande geistiger und sittlicher Verkommenheit, und solchen, die in
christlichem Wesen gefördert und gefestigt sind. Da ist also eine große Mannig
faltigkeit der Bedürfnisse vorhanden. Es soll, wie schon hervorgehoben
wurde, nach Möglichkeit nur literarisch Wertvolles geboten werden. Diese Haupt-

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