Aus dem Leben Dr. K. Schneiders.
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Der Vortrag berichtete von dem, was von seiten der „vereinigten Prüfungs
ausschüsse der deutschen Schul- und Lehrervereine" geschehen ist. Hier möchte ich
hervorheben, was noch zu tun ist. Die Innere Mission will im Betrieb ihrer
Büchereien das ästhetische Moment mehr als bisher pflegen. Wer da weiß., wie
mannigfaltig ihre Veranstaltungen, wie weit verzweigt ihre Organisation, wie
ausgedehnt ihr Arbeitsgebiet ist, der wird sich sagen müssen, daß jener Beschluß
von ganz außerordentlicher Wirkung sein kann. Aus allen bisherigen Äußerungen
von jener Seite spricht die Erwartung, daß die durch den Verband gebildeten
Ausschüsse ihre Schuldigkeit tun. Ja man muß sagen, daß hier die Haupt
arbeit, nämlich die Beschaffung guter Bücherverzeichnisse für die verschiedensten
Bedürfniffe, geleistet werden muß. So anerkennenswert das bisher Erreichte
auch ist, so fehlt doch noch sehr viel. Der Mitarbeiter müßten mehr sein, die
Gewinnung eines sicheren Urteils, die Ausbildung des eigenen künstlerischen
Geschmacks muß jeder als eine fortgehende Arbeit sich angelegen sein lassen. Was
in dieser Richtung möglich ist, hat Lehrer Klingenburg in Ickten gezeigt. Berufene
Beurteiler sprechen mit der größten Anerkennung von dem, was dieser Mann
mit Bauersleuten geleistet. Sein Beispiel kann auch ängstliche Gemüter beruhigen,
wenn es sich um „weltliche" Dichtung handelt. Möchte sein Vorbild, auf das
die Schulblattleser schon so oft verwiesen worden sind, auch in dieser Sache uns
ein guter Leitstern sein.
Aus dem Leben Dr. 11. Schneiders.
Zugleich eine schulhiftorische Skizze, von (L Schwell.
Am 2. Mai d. I. schied Dr. K. Schneider, der bekannte Verfasser der
„Allgem. Bestimmungen vom 15. Okt. 1872," aus dem Leben, nachdem ihm
nur wenige Jahre des wohlverdienten Ruhestandes zuteil geworden waren.
Wenige Wochen später, am 10. Juni, wurde sein Name erneut der deutschen
Lehrerschaft ins Gedächtnis gerufen, da an diesem Tage das schöne Falkdenkmal
in Hamm eingeweiht und dort durch Anbringung eines Reliefbildnisses seines
treuesten Mitarbeiters auch dessen Gedächtnis für die Zukunft gesichert wurde.
Auf Wunsch vieler Kreise hat der Verstorbene vor mehreren Jahren ein aus
führliches Bild seines Lebens und Wirkens unter dem Titel „Ein halbes
Jahrhundert im Dienste von Kirche und Schule" (Stuttgart und
Berlin, Cottasche Buchhandlung, Pr. 6 M.) herausgegeben, das zugleich soviel
interessante Einblicke in die Entwickelung des preußischen Schulwesens bietet, daß
nachstehende Mitteilungen die Aufmerksamkeit erneut darauf lenken möchten.
Dr. Karl Schneider wurde am 25. April 1826 in dem Städtchen Neu
salz a. d. O. geboren; der Vater bekleidete die angesehene Stellung eines Kreis
justizrates und war ein wohlhabenver Mann, bis ihn der Bankerott des Bruders,
in dessen Gut er sein Vermögen stecken hatte, um alles brachte. Als auch das
Vermögen der Mutter noch verloren ging, brach der Vater völlig zusammen, so
daß die ganze Last der Erziehung und Versorgung von sechs unmündigen Kindern
auf der Mutter lag. Sie bewährte sich aber in den nun folgenden Jahren als
eine ganze Frau, die es möglich zu machen wußte, daß ihre Kinder die Armut
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