458 II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
nicht so sehr drückend empfanden; in der Erziehung handelte sie nach der Regel
des alten Amos Comenius: Viel Sonne, selten Regen, Donner und Blitz.
Mit nie ermüdendem Eifer suchte sie ihren Kindern Liebe zu erweisen, Freude
zu bereiten, und wenn sie einmal strafen mußte, so war es ihr Bestreben, ihre
Kinder zu der Einsicht zu bringen, daß sie die Strafe verdient, nach Empfang
aber auch das Gefühl der Versöhnung aufkommen konnte. Daß die Mutter mit
ihren geringen Mitteln überhaupt auskommen konnte, war nur möglich, weil die
Lebensmittel damals außerordentlich billig waren (1 Pfd. Kalbfleisch kostete
10 Pfg., eine fette Henne 50 Pfg., 1 Paar Tauben 25 Pfg.!), dazu gewann
sich die wackere Frau unbegrenztes Vertrauen bei allen Geschäftsleuten, und die
Kinder erleichterten ihr durch ihre Genügsamkeit selber in jeder Weise die not
wendigen Einschränkungen. Rührend ist das Geständnis des Geh. Ober
regierungsrats, daß er in Quarta und Tertia Hötzingers deutsche Grammatik,
die 2,40 M. kostete, drei Jahre hindurch bei andern benutzte, um die arme
Mutter nicht mit der Anschaffung zu behelligen. Bitterer war schon die Ver
höhnung in der Klasse, als ein anderer Junge sein Butterbrot auseinanderriß,
um den Mitschülern zu zeigen, wie dünn es gestrichen sei!
Nach dem Besuche der Volksschule in Liegnitz und Schweidnitz, wohin sich
die Mutter von Neusalz gewandt, erfolgte von 1834 ab der Besuch des
Gymnasiums in Schweidnitz, wo er durch einige Lehrer gute Anregung empfing.
Die Lage der Mutter verbesserte sich allmählich etwas durch Aufnahme von
Pensionären, und als Primaner war ihr Sohn Karl stolz, auch etwas durch
„Stunden" zu verdienen, für die er 25 Pfg. erhielt. Im Jahre 1844 bestand
er das Abiturientenexamen, und er beschloß aus innerster Herzensneigung Theo
logie zu studieren. Durch Stipendien und die Verwandten mütterlicherseits wurde
der Aufenthalt in Breslau ermöglicht. Trotz mannigfacher Vorzüge einzelner
Dozenten fehlte es in Br. doch an Männern, die für die theologische Wissen
schaft und den späteren Beruf zu begeistern verstanden, da die ganze Zeit
strömung radikalen Charakter trug. In diese Zeit siel die erste Bekanntschaft
mit dem späteren Kultusminister Adalb. Falk, die auf eine eigene Weise zustande
kam. K. Schneider unterhielt sich mit einem andern Studenten im Kolleg über
das Gehalt seines Onkels Michaelis und äußerte dabei, daß dessen Einkommen
noch gar nichts sei gegen das des Konsistorialrats Falk. Da wandte sich ein
vor ihm sitzender Student um und fragte: Fuchs, woher weißt du das? Er
mußte gestehen, daß er sich selbst die Summe konstruiert habe, worauf jener er
widerte: „Falk hat als Konsistorialrat jährl. 300 Tlr.; ich kann das wissen,
denn er ist mein Vater." Beide würden bald näher bekannt und schlossen
Freundschaft, die bis an ihr Lebensende dauerte.
Schn, wollte schon das theol. Studium aufgeben, da gewann ihn eine Vor
lesung von Prof. Middeldorpff über Jes. 6 derart, daß er sich wieder mit neuem
Eifer an die Arbeit machte und besonders an den seminarischen Übungen
über das Alte Testament teilnahm. Ein reger Verkehr mit strebsamen jüngeren
und älteren Männern bot viel Anregung, wenn auch durch das lebhafte politische
Treiben manche Störung in das regelmäßige Studium kam. Die allgemeine
Stimmung war fast durchweg gegen die Regierung und sehr begeistert für
Opposition, obgleich man sich meist wenig klar war über die einzuschlagenden
Wege, um eine Besserung herbeizuführen. Der Wunsch, die akademische Lauf
bahn zu verfolgen, scheiterte an der Armut; die Bemühungen um eine Haus-

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