460 n. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
arbeitung eines Lehrplanes einen Tadel von Königl. Regierung im Gefolge hatte,
da das „Überschreitung der Befugnisse" sei. Mit der Gemeinde lebte die
Familie Schneider im besten Einvernehmen, während zu dem älteren Pastor kein
rechtes Verhältnis zu gewinnen war. Gerne folgte darum Schneider im Jahre
1854 einem Ruse als Religionslehrer an das Gymnasium nach Krotoschin, ob
gleich es eine finanzielle Verschlechterung für ihn bedeutete. Hier verlobte er sich
mit der Pflegetochter des Majors und Bataillonskommandeurs Hoffmann, die
ihm mehr als 40 Jahre eine treue Lebensgefährtin sein sollte. Die Überfülle
der Arbeit war Veranlassung, schon 1857 nach dem Städtchen Schroda überzu
siedeln, wo er allerdings nicht weniger Arbeit fand, da eine Diasporagemeinde
von 700—800 Seelen in 84 Ortschaften zu bedienen war. Über seine innere
religiöse Stellung hören wir ihn selbst: „Das gründliche Studium, welches mir
meine amtliche Stellung in Krotoschin zur Pflicht machte, und welches ich in
Schroda gewissenhaft fortsetzte, hatte meine theologische und kirchliche Stellung
zur Klarheit gebracht. Ich fand mich in voller Übereinstimmung mit der Kirchen
lehre, aber meines eigenen inneren Lebens sicher, hielt ich mich von jeder Un
duldsamkeit fern und erkannte auch anderen Richtungen innerhalb unserer Kirche
ihr Recht zu; nicht Rechtgläubigkeit, sondern rechte Gläubigkeit war mein Ziel."
Am 8. Febr. 1860 ging die treue Mutter nach kurzem Leiden heim; von ihr
tonnte der Sohn mit M. Claudius rühmen: Sie träufle uns von Segen, wie
ein Stern aus besseren Welten, und wir können's nicht vergelten, was sie uns
getan. In demselben Jahre erwarb sich der junge Pastor durch eine wissen
schaftliche Arbeit den Dr. ph.il., dem dann später auch noch der tllsol. Dr.
hon. c. gefolgt ist.
In dieser Zeit kam auch eine Aufforderung des Studienrats Dr. K. A.
Schmid zur Mitarbeit an seiner Encyklopädie, der Dr. Schneider mit Freuden
folgte; ebenso veröffentlichte er von Schroda aus in den „Grenzboten" eine
Reihe von „Deutschen Briefen aus der preußischen Provinz Posen", die Aufsehen
«rregten und sogar den Beifall Bismarcks fanden. Für seine 6*/s jährige Tätig
keit an der Schule durch Vertretung des Kreisschulinspektors, Verwaltung des
Ortsschulinspektorats erhielt Dr. Schneider in Schroda auch einmal eine Remu
neration von — 1 20 Talern.
Am 10. Aug. 1863 erfolgte die Ernennung zum Seminardirektor in
Bromberg. Vorher mußte er die beiden berühmten Regulativ-Seminare in
Bunzlau und Münsterberg besuchen. In ersterem wirkte der vielgenannte
Ed. Bock, bei dem alles wie am Schnürchen ging, so daß dem jungen Seminar
direktor Napoleons Wort an Pestalozzi nicht aus dem Sinn wollte: Vous voulez
mecaniser l’instruction. Offen sprach auch B. das aus; mit Genugtuung
erzählte er, daß in seiner Anstalt in den betreffenden Klassen in
jedem Ja.hre in der gleichen Stunde der gleiche Stoff zur gleich
mäßigen Behandlung käme. Da er für die Volksschulen des
Bezirks Lehrpläne ausgearbeitet, so wisse er, daß z. B. an
diesem Morgen gerade zwischen 11—12 in mindestens tausend
Schulen die Missionsarbeit des Bonifatius zur Behandlung
käme! — Als Dr. Schneider nach Berlin kam, empfing ihn der gefürchtete
Stiehl mit den Worten: „Sie gehen an das schlechteste Seminar der Monarchie!"
„Da kannst du wenigstens nichts verderben," dachte ich bei mir, fügt Dr. Schn,
diesem Worte hinzu. Stiehl schilderte ihm eingehend die Bromberger Verhältnisse

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