Aus dem Leben Dr. K. Schneiders.
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und empfahl ihm schließlich, zunächst genau zu sehen und zu prüfen, um dann
Anträge stellen zu können, nach Kräften solle geholfen werden. Das Seminar
gebäude war ein altes Bernhardinerkloster, die Räume waren unzureichend, ob
gleich nur zwei Klaffen mit etwa 35 Seminaristen vorhanden waren, von denen
noch 10 in der Stadt wohnten. Um den Schülern morgens und abends ein
ordentliches Essen zu verschaffen, übernahm die junge Frau Seminardirektor selbst
die Sorge dafür. Sie stand um ö 1 ^ Uhr im Sommer wie im Winter auf
und brachte es fertig, für V/s Sikoergroschen pro Tag und Kopf morgens Milch
und Semmel, abends Suppe und Brot zu liefern. Sie erhielt dafür den be
sonderen Dank des Ministers, und der glückliche Gatte fügt hinzu: „Keine der
mir zuteil gewordenen Auszeichnungen hat mich mit solchem Stolze erfüllt. Ich
habe mir später die bezügliche Verfügung in den Akten des Ministeriums auf
gesucht und sie oft gelesen." Auf Betreiben des Direktors wurde die Schule
aus einer einklassigen in eine vierklassige umgewandelt, da die übrigen Stadt
schulen alle vierklassig waren, der Seminarkursus wurde dreijährig und die nötigen
Räume durch kleine Umbauten gewonnen. Um das Jntereffe der Seminaristen
zu gewinnen, las er mit ihnen pädagogische Quellenschriften und setzte wöchentlich
eine Stunde an, wo die Fragen beantwortet wurden, welche die Seminaristen
aus den verschiedensten Wissensgebieten und dem praktischen Leben stellen durften.
Die neueingerichteten Seminarkonferenzen wurden Veranlassung zur Abfassung,
eines Lehrplans für die Volksschule, der Dr. Schn, nachher in Berlin noch gute
Dienste leisten sollte. Von den Schülern des Bromberger Seminars ist Prof.
Fechner wohl der bekannteste geworden.
Im Jahre 1867 wurde Dr. Schneider nach Bunzlau berufen, um die
dortigen Waisen- und Schulanstalten, die mit einem Seminar verbunden sind,
als Nachfolger Bocks und Wätzoldts zu leiten. Die in der Organisation und
Behandlung der Zöglinge nötigen Reformen führte er mit Vorsicht und unter
möglichster Schonung der beteiligten Personen durch, was ihm auch über Er
warten gelang, so daß bald ein frischer Zug in die Anstalten kam und die
Lehrer gerne mit ihrem neuen Direktor zusammen arbeiteten. Von Bunzlau aus
hielt Dr. Schneider zwei Vorträge über Themen, die gerade in unseren Tagen
wieder aktuell geworden sind. Der erste, in Liegnitz während der theologischen
Pfingstkonferenz gehalten, behandelte die Frage:
Das Verlangen nach einer Trennung von Kirche und Schule,
eine Bußpredigt für die Geistlichen. Ref. vertrat die Ansicht, daß
die Schule eine Stiftung der Kirche sei, und daß sie in der Verbindung mit
ihr ihre Kraft habe, aber nur unter der Voraussetzung, daß die Geistlichen ihre
Pflicht gegen die Schule voll erfüllten, daß sie dem Lehrer nicht nur als Vor
gesetzte begegneten, sondern ihm als Helfer und Freunde zur Seite träten, ihm
Handreichung täten und der Schule und dem Lehrer den Eltern gegenüber Schutz
gewährten. Auf dem Kirchentag in Stuttgart hielt Dr. Schneider das Korreferat
über das Thema: Kann die Schule als solche des Religionsunter
richts und der religiösen Erziehung der Kinder entbehren? Er
verneinte ganz entschieden die Frage und betonte, daß der Religionsunterricht
bleiben müsse und zwar in konfessioneller Form, da die Religion in jedem
Menschen ein bestimmtes Gepräge habe und ein allgemeiner Religionsunterricht
ein Unding sei.
Trotz seines lebhaften Wunsches, in der reichgesegneten Bunzlauer Arbeit

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