464 II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
freunden mit Jubel begrüßt, da sie einem frischen, allseitigen Arbeiten in der
kleinsten Volksschule wie im besteingerichteten Seminar freie Bahn schufen und
durch die Ausgestaltung der Mittelschul- und Rektorprüsung den strebsamen Glie
dern des Lehrerstandes ein weiteres Ziel steckten.
Obgleich der Verf. der „Allgemeinen Bestimmungen" bereits seit dem 14. Okt.
1872 als Hilfsarbeiter dem Ministerium angehörte, blieb er daneben auch noch
Seminardirektor, so daß er eine immense Arbeit zu bewältigen hatte und, wie
er selber mitteilt, keinen Abend vor 12 Uhr die Feder niederlegen konnte. Ende
März 1873 erfolgte die Ernennung zum Ministerialrat und damit der Austritt
aus der Seminararbeit, da ihm nun die Ausführung der getroffenen Be
stimmungen im ganzen Lande oblag. Eine Niesenarbeit war zu leisten, aber
das Vorbild des Chefs begeisterte alle Mitglieder des Ministeriums Falk derart,
daß sie mit Freuden an die Arbeit gingen. Die definitive Anstellung der Lehrer
wurde geregelt, die Präparandenanstalten erhielten eine bessere Ausstattung, die
Prüfung der Lehramtsbewerber in Schleswig-Holstein wurde geändert, in den
Seminaren neue Hausordnungen eingeführt, die Lehrkräfte an den Seminaren
vermehrt, neue Volksschulen eingerichtet, veraltete Lesebücher abgeschafft usw., usw,
Bezüglich der Einrichtung paritätischer Schulen betont Dr. Schneider ausdrücklich,
daß man solche nur eingerichtet, wo es im Interesse des Unterrichts und der
kürzeren Schulwege lag. „Mit keinem Worte und in keiner Weise hat der Minister
jemals zu erkennen gegeben, daß er die paritätischen Schulen an sich als die
vollkommnere Unterrichtsform ansehe." Er widerstand sogar fest, wenn politische
Rücksichten oder der Wunsch, die Unterhaltungskosten zu vermindern, einzelne
Gemeinden zur Vereinigung bestimmten, so in Cöln, Düffeldorf, Hirschberg u. a. O.
Seinem Chef stellt Dr. Schneider das schöne Zeugnis aus: „Es war Dr. Falk
Herzenssache, daß in den Schulen das Wort Gottes lauter und rein gelehrt werde;
es handelte sich ihm darum, daß den Kindern ein positiver Wissensschatz an schönen
Sprüchen und Liederstrophen mitgegeben werde, aber nicht äußerlich, nicht
mechanisch und nicht im Übermaß. Nirgends ist der Satz „viel hilft viel"
falscher und strenge Keuschheit ernstere Pflicht, als auf diesem heiligen Boden."
Als Falk im Juli 1879 von seinem Amte zurücktrat, erwartete man
allgemein auch Schneiders Rücktritt, ja man hat es ihm vielfach verübelt, daß
er nach dem liberalen Regiment auch dem strengkonservativen gedient und mit
den verschiedensten Vertretern desselben fertig geworden ist. Er sagt selbst in
seinen „Lebenserinnerungen": „Ich fühlte mich weder durch die Zahl meiner
Lebensjahre, noch durch meinen Gesundheitszustand veranlaßt, meine Pensionierung
zu beantragen, wäre es zu einer ernsten Differenz gekommen, so würde ich den
Minister um einen wissenschaftlichen Auftrag gebeten haben." Bei der ersten
Vorstellung sagte v. Puttkamer aber sofort zu ihm: „Eins will ich Ihnen gleich
sagen, an Ihren Allgemeinen Bestimmungen werde ich keine Silbe ändern, die
sind gut." Auch in einer andern Sache, die Schneider sehr am Herzen lag,
stellte er sich auf seine Seite. Die Bürger in Kempen baten um Aufhebung
der Übungsschule am Seminar, da sie nach ihrer Meinung ganz überflüssig sei.
Das Urteil Puttkamers lautete: „Ein Seminar ohne Übungsschule ist ein Un
ding." Da Dr. Schneider die vom Minister beliebte kurze und präzise Vortrags
form wohl beherrschte, so kam er schließlich ganz gut mit ihm aus und erhielt
von ihm den ehrenden Auftrag, mit einigen andern Herrn die durch Lauson-Caas
vertretenen Handfertigkeitsschulen in Schweden und Dänemark zu studieren. Auch

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