466 II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
Teurer Freund! Mit herzlicher Freude lese ich, daß zum Tage des
25jährigen Bestehens der „Allgemeinen Bestimmungen" überall in verdienter
Weise Deiner gedacht wird. Ich gedenke jenes Oktoberabends vor 25 Jahren
oben in meiner Wohnung im alten Ministerialgebäude, solange ich überhaupt
denken kann. Es wird Dir nicht anders gehen.
Und wenn es so ist, dann wird es Dir morgen auch nicht zweifelhaft sein,
daß ich zu denen gehöre, welche Dir dieses Tages besonders denken und danken
müssen. Dein Falk.
Beim Abschiede aus dem Amte durfte Geheimrat Dr. Schneider aufs neue
erfahren, daß seine Arbeit nicht vergeblich gewesen; die Mitarbeiter im engeren
wie im weiteren Kreise wetteiferten, ihn durch ein Zeichen der Liebe und des
Dankes zu erfreuen; und als bald darauf die treue Lebensgefährtin von seiner
Seite gerissen wurde, da zeigte sich's wiederum, daß viele Freunde dem Hause
verbunden geblieben, nachdem der Glanz des hohen Amtes geschwunden war.
In den wenigen Jahren, die dem Greis noch beschieden waren, half er nach
Kräften in den Erziehungsvereinen und dem kirchlichen Gemeindeleben in
St. Nikolai mit, bis ihn der Tod am 2. Mai d. I. aus einem an Arbeit
und Erfolgen so überaus reichen Leben abrief. Sein Name aber wird eng
verbunden bleiben mit der bedeutsamsten Periode in der Geschichte des preußischen
Volksschulwesens des vorigen Jahrhunderts!
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Erziehungsarbeit an jugendlichen Gefangenen.
Auf dem Kongreß des Vereins der deutschen Strafanstaltsbeamten in
Dresden zu Pfingsten d. I. kam unter anderen eine pädagogische Frage
zur Sprache. Als Thema war aufgestellt: Wie ist die Beschäftigung der
jugendlichen Gefangenen zu gestalten, wenn aus derselben für
diese ein dauernder Nutzen nach der Entlassung entspringen
soll?
Unter „jugendlichen Gefangenen" versteht das Strafgesetz den
Strafvollzug der zur Freiheitstrafe Verurteilten und nicht bedingt Begnadigten
vom 12.—18. Lebensjahre. Der Strafvollzug hat an dieser Gefangenengruppe
die schwierige Doppelaufgabe, den Nechtsbruch zu sühnen und zugleich den jungen
Übeltäter zu erziehen. Er soll ja womöglich auf alle Gefangenen erziehliche
Wirkungen ausüben und kann dies auch in einem gewissen Maße; aber in einem
Alter, wo die ganze Leitung unter rein erziehlichen Gesichtspunkten stehen sollte,
ist es doch mit der erziehlichen Einwirkung des Gefängnisses ein eigen Ding.
Der Strafvollzug muß sich bei den einmal bestehenden Gesetzesvorschriften mit
dieser mißlichen Zwitteraufgabe so gut abfinden wie es eben geht; das Ge
fängnis kann ja seiner Natur nach nicht in eine eigentliche Erziehungsanstalt
verwandelt werden. Die Träger des Strafvollzuges trösten sich damit, daß
viele Jugendliche tatsächlich in den Isolierzellen des Gefängnisses unter sorg
fältiger Aufsicht, Unterweisung und Beschäftigung wohl weit bester aufgehoben
sind als in den Zwangserziehungsanstalten, die in Verbindung mit den Korrektions
häusern für die schwierigsten Elemente der Zwangs- und Fürsorgezöglinge ein
gerichtet sind.

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