Erziehungsarbeit an jugendlichen Gefangenen.
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In diesem Sinne legte der Unterzeichnete in Dresden folgende Leitsätze vor:
1. Erziehungsfähige jugendliche Rechtsbrecher gehören nicht in die Gefäng
nisse, sondern in Erziehungsanstalten.
2. Solange aber an Jugendlichen die erkannte Rechtsstrafe noch vollstreckt
wird, ist ihre Beschäftigung in jeder Beziehung nach erziehlichen Ge
sichtspunkten zu regeln, ohne daß der Unterschied zwischen Strafanstalt
und Erziehungsanstalt verwischt werden darf.
3. Erste Voraussetzung für eine wirksame erziehliche Behandlung der
Jugendlichen ist deren Internierung in besonderen Anstalten, bezw.
völlige Scheidung von den Erwachsenen.
4. Abgesehen von dem zwölfstündigen Unterricht kommt als eigentliche Ge
fängnisarbeit Handwerks- und landwirtschaftlicher Betrieb in Betracht,
und zwar vorzugsweise solcher, für die das individuelle Interesse der
Jugendlichen vorausgesetzt oder in Anspruch genommen werden kann.
Für Kurzzeitige muß auch rein mechanische Arbeit statthaft sein, bei der
aber ebenfalls weniger auf den wirtschaftlichen Ertrag als auf die Er
ziehung zur Aufmerksamkeit, Geschicklichkeit und Fleiß gesehen werden darf.
5. Eine besonders wichtige Ausgabe für die erziehliche Beeinflussung ist den
häuslichen Verrichtungen, zumal den der Reinlichkeit, und der Pflege
des Ordnungssinnes dienenden, zuzuerkennen.
6. Die arbeitfreie Zeit soll durch militärisches Exerzieren, Gesang, Schreiben
und Zeichnen, genau beaufsichtigte Lektüre nützlich ausgefüllt werden.
Ob Haudfertigkeitsarbeiten sich empfehlen, mag dahingestellt bleiben.
Ein kurzer Bericht führte diese Leitgedanken folgendermaßen aus:
Nach dem Inkrafttreten des Fürsorge Erziehungsgesetzes bezw. der Zwangs
erziehungsgesetzgebung in den verschiedenen deutschen Staaten könnte die Er
örterung unserer Frage weniger wichtig erscheinen, da die erhoffte Wirkung der
genannten Gesetze, Entleerung der Gefängnisse von den Jugendlichen tatsächlich
in nicht geringem Grade eingetreten ist. Wir können ja als Strafanstaltsbeamte
immer wieder unsre Stimme nur dafür erheben, daß das Gefängnis nicht der
richtige Ort für die Sühnung der jugendlichen Übeltaten ist. daß auch der voll
kommenste Strafvollzug den schweren sittlichen Gefahren, denen das jugendliche
Gemüt durch die Einsperrung ins Gefängnis ausgesetzt ist, nicht ganz vorzu
beugen vermag. Erziehungsfähige Jugendliche sollten erzogen, nicht aber an die
Gefäugnisluft gewöhnt, und dadurch, statt abgeschreckt, in die Verbrecherlaufbahn
hineingetrieben werden. Wir können und dürfen aber unsre Gefängnisse nicht
einfach in Erziehungsanstalten verwandeln.
. Dies darf uns aber nicht hindern, den uns noch verbleibenden Jugendlichen
die größte Sorgfalt zuzuwenden, damit möglichst viel von dem Besserungs
zweck der Strafe an ihnen zur Verwirklichung kommt. Insbesondere muß ihre
Beschäftigung durchaus und in jeder Beziehung nach erziehlichen Gesichtspunkten
geregelt werden. Es ist nicht zu besorgen, daß durch diesen Grundsatz der
Unterschied zwischen Gefängnis und Erziehungsanstalt verwischt wird. Wenn
auch die gesamte Beschäftigung außer dem Unterricht, sowohl die eigentliche Ge
fängnisarbeit, wie die Anstellung zu den häuslichen Verrichtungen, wie die Be
schäftigung in der Freiheit dem Erziehuugszweck unterstellt wird, so soll und
kann doch der Charakter des Gefängnisses im scharfen Unterschied von der Er
ziehungsanstalt aufrecht erhalten werden.

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