Rundschau.
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gelindes Blasen ist hinreichend, den Ring rollend voranzutreiben. Wir sehen
also, daß bei diesen gleichschweren Gegenständen in dem Falle die geringste
Kraft erforderlich ist, wenn die Bewegung nicht eine gleitende, sondern eine
rollende ist.
Aber es läßt sich einwenden, daß man über die Stärke oder über die
Richtung des Blasens sich doch leicht irre und täusche. Nun, dann wollen wir
das Blasen ganz ausschalten und die Versuche mit einer kleinen Abänderung
wiederholen.
Statt des wagerecht liegenden Pultes benutzen wir eine wagerecht gehaltene
Tafel. Legt man auf sie den flachen Streifen und bringt dann nach und nach
die Tafel in eine schiefe Lage, so muß die Neigung schon ziemlich stark sein,
wenn das Blättchen die Reibung überwinden, sich in Bewegung setzen und von
der Tafel gleiten soll. Bringen wir den Ring mit seiner nach unten liegenden
Kreisstäche auf die wagerechte Tafel, so wird die Neigung nicht viel geringer sein
dürfen, wenn sich der Ring in Bewegung setzen und abwärts gleiten soll.
Gehen wir zum dritten Falle über, bei dem wir den Ring mit der gekrümmten
Fläche auf die wagerechte Tafel stellen, so rollt er schon bei der geringsten
Neigung von der Tafel abwärts. Also: die rollende Bewegung geschieht leichter
als die gleitende. Darum liebt man Räder an Fuhrwerken und Rollen an der
Nähmaschine, an Sesseln usw.
Nicht ohne Absicht ist vorhin auf die ungleiche Zahl von Berührungs
punkten hingewiesen worden. Eine Kugel berührt eine Ebene nur in einem
Punkte. Es ist darum leicht verständlich, daß sie sich so leicht auf der wagerechten
Ebene in Bewegung setzen und verschieben läßt. Auch zwischen Kugel und
Kugel, zwischen Kugel und gekrümmter Oberfläche einer Walze gibt es nur
einen Berührungspunkt. Ein älterer Schüler wird sich nicht verwundern, wenn
er beim Offnen der Nabe eines Fahrrades sieht, daß dessen Achse auf Kugeln
ruht. Er wird vielmehr sofort sagen können, daß der leichte Gang des Fahr
rades gerade dem Kugellager der Achse zu verdanken ist.
Rh. Hollenberg.
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Zum Kampf um den Religionsunterricht. Dem Vorgehen der Bremer Lehrer
schaft, die die Abschaffung des Religionsunterrichts in der Volksschule forderte hatte
sich der Lehrerverein in Bremerhaven angeschlossen. Die konfessionelle Unterweisung
sollte lediglich durch die konfessionellen Gemeinschaften erfolgen. Diese Angelegenheit
hat für Bremen dadurch — vorläufig wenigstens — ihren Abschluß gefunden, daß der
Senat die Forderung der Lehrer abgelehnt hat. Man wird aber wohl damit zu
rechnen haben, daß diese Vorstöße gegen den Religionsunterricht sich erneuern,
daß sie kraftvoller und zielbewußter werden. Und man möchte wohl, im Interesse der
christlichen Schule, wünschen, daß dies geschehe, damit die durch jenes Vorkommnis
aufgerüttelten kirchentreuen Kreise nicht wieder einschlafen. Die Lage der christlichen
Schule ist durch die Forderung der Bremer Lehrerschaft grell beleuchtet; da hilft kein
Vertuschen mehr, die Freunde des Religionsunterrichts waren in einer wahrhaft be
schämenden Minderheit.
Die Forderung der Simultanschule hatte schon seit langem Besorgnisse erregt.
Einzelne Stimmen wiesen darauf hin, daß für einen großen Teil der Lehrerschaft die
Simultanschule nur einen Übergang zur religionslosen Schule bedeute. Dieser Gedanke

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