III. Abteilung. Literarischer Wegweiser.
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schaft aufweisen. Dazu treten noch die verschiedenartigen sonderbaren Abweichungen der
Mundart von der Schriftsprache. Geht der Unterricht an diesen Erscheinungen achtlos
vorüber, so bleiben sie dem Kinde meist fremde Gestalten, die ihm unfaßbar sind und
daher nie innerlich vertraut werden. Um eine gesunde Sprachbildung zu erzielen,
müssen wir ihnen daher Beachtung schenken. Dazu will das Schristchen anregen, indem
es in anziehender Weise innerhalb seiner engen Grenzen die Ursachen bespricht, durch
die im Laufe der Jahrhunderte der Lautwandel in unserer Sprache bewirkt worden ist.
Es wird gewiß bei dem einen und andern Leser die Lust wecken, sich mehr mit diesem
interessanten Gegenstände zu beschäftigen. Rg.
Staude, P.: Lehrbeispiele für den Deutschunterricht. Langensalza, H. Beyer u. Söhne
Preis 25 Pf.
Das Schristchen zeigt zuerst an fünf geschickt ausgeführten Beispielen die formelle
Behandlung der Normalwörter nach Sprechen, Schreiben und Lesen. Der Verfasser ist
mit aller Sorgfalt darauf bedacht, sowohl bei der Auffassung als auch bei der Wieder
gabe der Laute und Buchstaben ihre Eigenart recht scharf hervortreten zu lassen. (Eine
Eigentümlichkeit des Verfassers ist die Vornahme besonderer Zungenübungen. Der
pädagogische Wert der dafür verwandten oft sinnlosen oder läppischen Sätzchen erscheint
uns indes ziemlich fraglich.) Auch bei der Einführung der geschriebenen Großbuchstaben
und der Druckschrift tritt uns das Bemühen des Verfassers um eine klare Auffassung
erfreulich entgegen. Weniger aber will uns die Behandlung der Lesestücke nach der
gewöhnlichen Zillerschen Weise gefallen, nach der das Buch die Darbietung vermittelt;
die darstellende oder genetisch-entwickelnde deucht uns, besonders auf der Unterstulp mehr
an: Platze zu sein.
Volksabende.
Der außerordentliche Anklang, den in den letzten Monaten die in Stadt und Land
veranstalteten Schillerfeiern in allen Kreisen gefunden haben, beweist, daß doch noch viele
ein lebhaftes Interesse haben für hervorragende Persönlichkeiten aus der Vergangenheit unseres
Volles. Man sollte diesem nun wieder neubelebten Interesse auch weiterhin Nahrung
geben, also wenigstens ein- oder zweimal im Jahre während der Wintermonate einen
„Dichter- oder Heldenabend" veranstalten. Wird ein solcher Abend gut vorbereitet,
und sucht man die verschiedenen vorhandenen Kräfte zur Mitwirkung zu veranlassen, so
werden die Veranstaltungen gewiß nicht ohne Nutzen sein. Als ein sehr geeignetes Hilfs
mittel bieten sich die von Pfarrer H. Kaiser herausgegebenen Volksabende aus dem
Verlagsbureau Gotha an, von denen mir folgende 3 zur Besprechung vorliegen:
1. Heft. Hans Sachs von Rich. Bürkner; Preis 1 M.
2. Heft. Wilhelm Hauff von Dr. Herrn. Mosapp; Preis 75 Pf.
3. Heft. Königin Luise von Herm. Müller-Bohn; Preis 75 Pfg.
Die Hefte bieten einen äußerst reichhaltigen Stoff in schöner Form und praktischer
Anordnung, so daß die Zusammenstellung des Programms gar keine Schwierigkeit macht.
Das Lebensbild Hauffs ist nur in 2 Teile gegliedert, das der Königin Luise und von
Hans Sachs in eine ganze Reihe; dazwischen kommen Deklamationen, Solo- oder
Chorgesänge, die genau angegeben und teilweise abgedruckt sind.
Herausgeber und Verlag haben mit diesen drei ersten „Volksabenden" einen guten
Anfang gemacht, und möchten wir dieselben recht warm empfehlen.
Ebenfalls weiteren Kreisen dienen will ein anderes Unternehmen, das H. Hillgers
Verlag (Berlin und Leipzig) in seinen „illustrierten Volksbüchern" zu außerordentlich
billigem Preise in handlichen Heftchen ins Leben gerufen hat.
In Heft 18 gibt Dr. Herm. Jantzen auf 100 S. eine Deutsche Literaturgeschichte
in den Grundzügen ihrer Entwickelung, die mit 20 Illustrationen geschmückt ist und 30
Pfg. kostet.
Verfasser hat es verstanden, den gewaltigen Stoff übersichtlich und anziehend zu
behandeln, so daß das Büchlein denen bestens empfohlen werden kann, die sich für
wenig Geld einen Einblick in den Reichtum unserer vaterländischen Literatur an der
Hand eines guten Führers verschaffen wollen. Mit Recht ist Wert darauf gelegt, die
wichtigsten Erscheinungen in den Vordergrund zu stellen, den Zusammenhang zwischen
ihnen zu zeigen und ihre Stellung zu der Gesamtkultur und zu den politischen Ver
hältnissen ihrer Zeit zu kennzeichnen.

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