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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
Mehrzahl der deutschen Kultusministerien hat das Unternehmen gebilligt und
seine Unterstützung zugesichert.
Um nun den Verhandlungen über die zu wählenden Bezeichnungen eine feste
Grundlage zu geben, sind Leitsätze aufgestellt worden, für welche die schon von
mehreren Seiten gemachten Vorschläge Verwendung gefunden haben. Es sind
folgende:
„I. Im allgemeinen wäre vorzuschlagen:
1. Es ist Einheitlichkeit in der Anwendung der deutschen Pflanzen-
benennungen zu erstreben. Dieselbe Pflanze soll den Schülern nicht einmal als
Butterblume, ein andermal als Löwenzahn oder als Kuhblume vorgestellt werden.
Doch können volkstümliche, örtlich eingebürgerte Pflanzennamen, wenn sie nicht
zu Hauptnamen geeignet erscheinen, neben den Hauptnamen beibehalten, in den
Lehrbüchern vielleicht durch Verschiedenheit des Drucks gekennzeichnet werden.
Solche Pflanzen, welche in der Forst- und Landwirtschaft, der Kochkunst und
Gärtnerei, dem Drogenhandel, der Gesetzgebung, der klassischen Literatur u. dgl.
feste und allgemein bekannte Bezeichnungen haben, sollen nicht neuartig benannt
werden.
2. Soweit es nach der obigen Einschränkung durchführbar ist, muß
die deutsche Benennung versuchen, auch die verwandtschaftliche Stellung
der Pflanze zum Ausdruck zu bringen, d. h. möglichst zwischen Gattung und
Art zu unterscheiden. Jedenfalls darf nicht ohne anderweitig zwingende Gründe
(siehe I, 1!) die eine Art der Gattung mit ganz anderem Namen benannt
werden als die andere: etwa die eine Art Bienensaug (bezw. Kichertraganth),
die andere Taubnessel (bezw. Bärenschote). Daß eine volkstümlich gebräuchliche
Bezeichnung neben der Gattung und Art unterscheidenden beibehalten werden
kann oder muß, ergibt sich aus I, 1. Also z. B. Feld-Ahorn, Maßholder.
3. In welchem Umfange die Benennungen der botanischen Wissen
schaft außer den deutschen Pflanzennamen im Jugendunterricht anzuwenden sind,
ist rein nach didaktischen Gründen zu erwägen und soll bei dieser Besprechung
unberücksichtigt bleiben.
II. Im einzelnen ist zu erwähnen:
1. Seltepe Pflanzen, die meisten der mikroskopisch-kleinen Gewächse und alle
diejenigen, mit denen sich nur die forschende Wissenschaft befaßt, kommen hierbei
nicht in Betracht.
2. Wenn der Pflanzenname Gattung und Art unterscheidet, so wird, dem
Geiste der deutschen Sprache entsprechend, vorzugsweise der Artname als
Hauptwort (Acker-Schachtelhalm), seltener als Eigenschaftswort (Scharfer Hahnen
fuß) dem Gattungsnamen vorgesetzt.
3. Bei Pflanzen jedoch mit einfacher, eingebürgerter und allgemein
gebräuchlicher Benennung wird diese beibehalten, die Gattungszugehörigkeit
durch Zusetzung einer deutschen Gattungsbezeichnung (Himbeere aus der Gattung
der Brombeeren, Kirsche, Pflaume, Aprikose usw. aus der Gattung Steinobst),
wo das aber nicht ungezwungen angeht, durch Zusetzung der wissenschaftlichen
Gattungsbezeichnungen angegeben.
4. Für die Bezeichnung der Gattung werden, wenn irgend angängig,
die herkömmlichen, vom Volke benutzten Namen gewahrt; einfache Übersetzung
des wissenschaftlichen Namens ist möglichst zu vermeiden. Auch die künstliche
Bildung neuer Namen, so auch zusammengesetzter Eigenschaftswörter zur Art

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