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I. Abteilung. Abhandlungen.
Bestes und Heiligstes hineinspielen. Ist es nicht eine ernste Mahnung, daß
die guten Katholiken und Protestanten, die besten Glieder der verschiedenen
Sekten sich zu allen Zeiten gut verstanden, daß z. B. ein Goßner als katholischer
Pfarrer auf seiner Rheinreise heute in einer katholischen, morgen in einer
evangelischen Kirche predigte, daß der Münstersche Kreis am Anfang des vorigen
Jahrhunderts Katholiken und Protestanten mit gleicher Liebe umfaßte, daß
daneben die kampflustigen Glieder der verschiedenen Denominationen durchweg,
wie schon die angewandten Kampfmittel zeigen, ethisch und religiös von recht
bedenklichem Werte erscheinen?
Es ist ein eigen Ding um die menschliche Gesellschaft, wie sie sich in
größeren und kleineren Gemeinden und Gemeinschaften darstellt. Als Luther
seine 95 Thesen an die Schloßkirche zu Wittenberg angeschlagen hatte, war es,
als wären die Engel Botenläufer gewesen, sie durch Deutschland und über besten
Grenzen hinaus zu verbreiten. Man rechnete wohl, 9/10 des deutschen
Kirche an Haupt und Gliedern sich gesehnt; Männer wie Tauler, Wicleff, Huß.
hatten den Weg des Heils richtig gesehen und betreten, die Brüder des ge
meinsamen Lebens, Begharden und Beguinen, lateinische und deutsche Mystiker
ihn zu wandeln gesucht und damit dem Lebenswerk Luthers vorgearbeitet. Nichts
wesentlich Neues brachte die Lehre Luthers; es wird aber wohl wahr bleiben,
daß keiner seiner Wegbereiter mit solch tiefer, auf eigener Erfahrung gegründeter
Erkenntnis des Heils, mit einer solchen hingebenden Liebe zu seinem Volk auf
den Plan trat wie er. So zündete sein Wort. Wie war's aber mit dem
neuen Leben? Wohl konnte sich Luther Melanchthons, Ebers, Jonas, Bugen-
hagens und mancher anderer Stützen und Träger seines Werkes, mancher der
Wahrheit treu ergebenen Familien in Stadt und Land freuen; aber auch
Karlstadl, die Wiedertäufer und aufständische Bauern holten ihr Feuer von
seinem Altar.
Als an der Tafel Friedrichs des Großen ein Gast die edle Natur des
Menschen rühmte, fuhr ihn der König mit den Worten an: Er kennt sie nicht,
die verfluchte Rasse. Der berühmte Gräfrather Schulmann, Dr. Mager,
sagte wohl: Die Menschheit ist eine dumme Substanz. Und Herbart lehrt:
Der Dumme kann nicht tugendhaft sein. Ein berühmter Grieche erschrak, als
ihm die Menge jubelnd zustimmte, und seine weisen Volksgenossen haben ebenso
wie Shakespeare die Menge ähnlich wie Mager laxiert. Wenn wir uns nun
auch im Blick auf diese Dinge lieber an das Wort Johannis erinnern, wenn
er von Jesu sagt: „Ihn jammerte des Volks," so bleibt doch so viel wahr,
daß man sich wohl orientieren und besinnen muß, wenn man von Gesinnung.
Stimmung, Bekenntnis einer Gemeinde sprechen will. Als Pastor Löhe vor
50 Jahren auf der Höhe seines Wirkens in Neuendettelsau stand, hörte man

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