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I. Abteilung. Abhandlungen.
großen Geistesströmung, zu den Ideen einnehmen, deren Geschichte die Ge
schichte unsers Jahrhunderts sein wird."
Welches ist diese Idee?
Die Entdeckung des 19. Jahrhunderts ist die Materie. Die Materie ist
Gott; sie ist die Schöpferin des wunderbaren Himmels mit seinen Sternen-
welten wie des Menschen mit seinen unergründlichen Kräften und Geheimnissen.
Sie ist die Führerin unsers Gebens; die absolut dumme, erbarmungslose, in das
eiserne Gesetz der Notwendigkeit geschmiedete Materie bestimmt über Glück und
Elend, Leben und Tod. Das Leben ist nur ein Spiel der Atome, was wir
Geist nennen ein Phosphoreszieren des Stoffes.
Die Moral dieser Weltanschauung lautet: „Der Kampf um das Dasein
ist das Weltgesetz und zugleich das Entwicklungsgesetz." Nur der Starke hat
Existenzberechtigung; nicht deinem Nächsten zu dienen, bist du da, sondern ihn
zu erdrücken. Macht ist Recht, darum strebe nach ihr. Gott, Geist und
ewiges Leben gibt es nicht, und darum auch keine Religion, keine Sittlichkeit,
kein Recht. „Wie kann die Materie sittlich sein? Wie können den Atomen
verbindliche Rechtsgesetze gegeben werden? Der Egoismus, welcher in dem
Kampf um das Dasein jedem Einzelnen die Kraft gibt, ist das allein berechtigte
Prinzip und die irdische Glückseligkeit das einzige Ziel des Menschen."
Solche Lehre kann wohl populär werden. packt sie doch mächtige Instinkte
der Volksmassen; und so ist es nicht zu verwundern, daß es im Refrain der
Arbeitermarseillaise heißt: „Wir wollen aus Erden glücklich sein und wollen
nicht mehr darben."
Wie die rationalistischen Ideen des 18. Jahrhunderts, so sind auch die
materialistischen des 19. von oben her nach unten durchgesickert, und so liefert
auch jetzt wieder die Gesellschaft die Waffen, mit denen sie bekämpft wird. Wie
in der rationalistischen, so sind auch in der materialistschen Idee Wahrheits-
niomente, die es begreiflich machen, daß z. B. die Entwicklungslehre nicht auf
die Betrachtung der Natur beschränkt blieb, sondern auch in andern Wissen
schaften, so in Geschichte und Theologie Anwendung fand.
Sohm fragt: Sind mir noch Christen? Daß diese Frage eine berechtigte
ist, kann niemand fraglich sein, der offnen Auges das Leben betrachtet. Vom
biblischen Christentum an bis zum ödesten Materialismus hin sind alle Zwischen
stufen vertreten. Leistet in manchen Gemeinden die Menge den christlich
Gesinnten noch willig Heeresfolge, so folgt sie in noch zahlreicheren andern der
modischen, mit der hergebrachten Konfession zerfallenen Weltanschauung. In
offener Fehde wirbt diese um Mehrung ihrer Anhänger, und kein Kreis unsers
Volkes bleibt unberührt von der großen Bewegung. Wie die Pfarrer, so sind
auch unsere Kollegen in sie hineingezogen. Die Worte Bildung, Wissenschaft.

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