Die religiöse Unterweisung in der Volksschule.
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dorben; seine Schuldbriefe müssen zerrissen werden, denn er kann sie nicht
bezahlen; er muß wieder anfangen, denn er ist unfähig fortzusetzen."
Der Philosoph kann selbstverständlich über Offenbarungsreligion nichts
sagen, ich finde es aber höchst bedeutsam, daß Herbart in einem Briefe an
Hendewerk es ausspricht, daß er sie sich könne gefallen lassen. „Ich muß die
bedeutsame Stelle ganz hersetzen; sie findet sich in den Herbartischen Reliquien"
herausgegeben von Ziller S. 214 in einem Briefe vom 20. Oktober 1830.
Herbart sagt: „Ich zähle mich zu den Supranaturalisten, nämlich in folgendem
Doppeltem Sinne. Erstlich: meine Untersuchung läßt nicht den Menschen aus
der Erde wachsen, als wäre er nur eine Ergänzung der Erde. Sondern
seine Existenz erfordert eine göttliche Tat, denn er ist durchaus ein Fremd
ling auf der Erde. Zweitens: Meine Philosophie erlaubt nicht, an eine
eigentliche Erkenntnis Gottes aus reiner Vernunft zu glauben. Sondern von
außen her muß das theoretische Element des Glaubens, welches die bloße Idee
von Gott übersteigt, gegeben werden. Daß es in christlicher Offenbarung
gegeben sei, kann ich mir gefallen lassen, doch hier habe ich keine Stimme; daß
es aber durch die Zweckmäßigkeit der Natur gegeben wird, dies behaupte ich,
wie Sie wisien, aufs Bestimmteste. Jedenfalls also ist die eigentliche rationalistische
Behauptung, die Vernunft sei die Erkenntniöquelle der Religion, mir fremd." *)
Wie der Philosoph Herbart, so weiß auch der Jurist und Sozialpolitiker
Sohm die Bedeutung der Religion zu schätzen. „Eins ist sicher, sagt er: Nicht
unsre Bildung wird uns retten, sondern allein das Evangelium. Das Christen
tum ist eine übermächtige geistige Gewalt, welche uns in ihren Schutz nimmt,
indem wir ihr Panier ergreifen." Ungewollt stimmten auch die Führer der
sozialdemokratischen Agitation der Schätzung der Religion zu, wenn sie für nichts
mehr eifern, als das religiöse Denken und Leben ihren Grenzen fern zu halten.
— Ferner ist zu sagen, daß in unserer Gesetzgebung wie in den Verordnungen
in betreff unsers Volksschulwesens, mögen sie von Friedrich dem Großen oder
Friedrich Wilh. IV. ausgegangen sein, stets die konfessionelle Schule als die
allein zu Recht bestehende ist anerkannt worden. Wären innerhalb der Ver
waltungsbehörden oder aus andern urteilsfähigen Kreisen gegründete Bedenken
dagegen erhoben, diese Schulart als die normale anzusehen, so würde sicherlich
die Gesetzgebung eine andere gewesen sein.
Scheint hiernach das Recht der bestehenden Konfessionsschule außer Frage,
so beweist schon die immer wieder sich erneuernde einschlägige Flugschriften-
9 Ich möchte nicht unterlassen, alle diejenigen, die Herbarts Werke nicht besitzen,
auf I>r. Schoels „.Herbarts philosophische Lehre von der Religion," Dresden, Bleyl und
Kämmerer, 1884 hinzuweisen. Die älteren Leser des Schulbl. kennen das Werk aus
der trefflichen Besprechung von Rohdens (Schulbl. 1886 S. 89—115'.

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