Die religiöse Unterweisung in der Volksschule.
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mit oller Kraft sich bemühte, den Forderungen seiner sittlichen Einsicht gerecht
zu werden, »je er sein Ziel nicht erreichte und voll Vertrauen Schiller sich
hingab und durch das Morgentor des Schönen Eingang suchte in das Gebiet
des Guten, wie er aber auch hier nicht fand, was er suchte, und Erkenntnis
feines selbstischen Wesens und Erlösung von demselben erst fand, als er sich von
dem treuherzigen „Wandsbecker Boten" in die Schule des vollkommenen Meisters
führen ließ. Wie Fr. Perthes nicht vergebens in der Schule Kants und Schillers
gewesen, so werden auch wir die Erziehung durch das Ethische und Ästhetische nicht
gering schätzen. Das Gesetz ist ein Zuchtmeister auf Christum, so sind's auch Kants
Imperative und Herbarts Ideen, und die Ästhetik ist nicht umsonst verwandt der
Ethik. Aber das Leben bis in seine Tiefen beleuchten, den Menschen zu wahrer
Selbsterkenntnis bringen und so die altgriechische Orakelforderung zur Erfüllung
bringen helfen, zugleich aber auch einen Weg anzeigen, auf dem Erlösung zu finden
ist von unserm unglücklichen, tief vergifteten, selbstischen Wesen, das kann nur
der in Christo uns gebotene Lebensweg. Bezeichnend ladet Jesus die Mühseligen
und Beladenen, sie zu erquicken. Wer ist mühselig und beladen? Es kann das
Kind sein, das da fühlt, daß es Eltern und Geschwister nicht so liebt, wie es
sollte und wollte, der Mann, der Jahrzehnte treu seinen Nächsten gedient hat,
und doch von keinem einzigen Tun weiß, das wirklich gut, von Eigenliebe un
befleckt war; es kann auch der Künstler sein, der sein Ideal unerreichbar vor
sich sieht, der es fühlt, daß das wirklich Schöne auch gut sein muß. — Auf
dem Druck der Uuendlichkeit beruht nach Max Müller das menschliche Bedürfnis
nach Religion. —
Die Sage erzählt, daß die Nazarener, wenn sie Jesum in seinen Jugend
fahren aufsuchen wollten, sagten: Laßt uns zur Freundlichkeit gehen! In seinem
zweiten Kapitel berichtet Johannes, daß die Jünger Jesu zuerst auf der Hochzeit
zu Kana die Herrlichkeit ihres Meisters erkannt und an ihn geglaubt hätten.
Sie sahen, wie freundlich er, der Hohe, dem der große Täufer sich nicht wert
hielt, ihm die Riemen seiner Schuhe aufzulösen, der Einladung der geringen
Leute folgte, wie er herzlich teilnahm an ihrem Glück, wie er es förderte und,
selbstlos vor drohender Trübung durch seine Wundermacht bewahrte, wie er auch
hier mit dem Vater eins war, auf seine Stunde wartete, wo er echt, ja ideal
menschlich unter geringen glücklichen Leuten verkehrte. Von den Reden Jesu
rühmte man später, er rede wie einer, der Gewalt hat, und nicht wie die
Schriftgelehrten, die am Buchstaben hingen; in Kana sahen die Jünger, wie un
vergleichlich hoch und herrlich er auch im Leben über den Pharisäern stand, den
Mustern israelitischer Heiligkeit. In Psalm 8 rühmt der Dichter, wie hoch der
große Gott, der Himmel und Erde in seiner Hand trägt, das arme Menschen
kind gestellt har. Es kam diese Hoheit den Theologen zu herrlich vor, und so
haben sie den Psalm unter die messianischen gestellt. Aber ist nicht Jesus der

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