496
I. Abteilung. Abhandlungen.
Recht: „In der geschichtlichen Forschung liegt die Kraft und Gabe dieser (der
liberalen) Theologie, und in dem rücksichtslosen Drang nach Wahrheit, welcher
sie unbekümmert um irgend welche geltende Lehre nachstrebt, ihre innere Be
rechtigung." (Grundriß S. 198.)
Mit großer Majorität hat die diesjährige Rheinische Provinzial-Synode
auch den Satz angenommen: „In Übereinstimmung mit dem Bekenntnis der
Kirche bekennt sich die Provinzial-Synode zur Heiligen Schrift als der letzten
Quelle und höchsten Norm reiner Lehre und zu dem eingeborenen Sohne Gottes,
dem gekreuzigten und auferstandenen Heiland Jesus Christus als dem einigen
Mittler und Haupt der Gemeinde."
Wir können uns dieses Beschlußes freuen. So wenig aber die Einheit
des kirchlichen Bekenntnisses damit wird gewahrt werden, so wenig ist uns für
das Bekenntnis der Schule damit geholfen. Es werden immer neue Bekenntnisse
kommen und nach Anerkennung ringen. Die Bremer Kollegen, die auf Ent
fernung des hergebrachten Religions-Unterrichts aus der Schule antrugen, wür
den es sich sicher ernstlich verbitten, wollte man sie als Religionsseinde ansehen.
Sie kämpfen für ihre Konfession. Wer weiß, wieviel Nachfolge sie finden
würden, wenn unsere preußischen Kollegen sich offen für oder gegen Bremen
aussprechen wollten. Die hergebrachte Konfession ist eben zu einer Unwahrheit
geworden.
Bor kurzem ging ein Bericht über eine Lehrprobe eines Württembergischen
Bezirksschulinspektors durch die Zeitungen, der für den gegenwärtigen Stand der
Dinge nach zwei Seiten charakteristisch ist. In der Lehrprobe, in der die
Schöpfungsgeschichte behandelt wurde, kam der Herr zu 5 Sätzen, von denen ich
nur den l., 3. und 5. kurz in die Erinnerung bringen will: 1. Nach der
Bibel schuf Gott zuerst die Erde, später die Sonne. Die Wisienschaft lehrt:
Zuerst war die Sonne da; die Erde ist von ihr später abgesplittert. 3. Nach
der Bibel ist die Erde in 6 Tagen zu 24 Stunden geschaffen, nach der Wissen
schaft in Jahrmillionen entstanden. 5. Die Bibel sagt: Gott schuf den Menschen
aus einem Erdenkloße; die Wissenschaft lehrt, daß der Mensch sich aus niederer
Form entwickelt hat. Nach den Berichten hat die Lektion fast allgemeine An
erkennung gefunden.
Da ist zunächst lehrreich, mit welcher Leichtherzigkeit die Kant-Laplace'sche
Hypothese von der Entstehung unsers Sonnensystems und die Darwinsche von
der Herkunft des Menschen Wiffenschaft werden und Anerkennung finden, als
wenn es nichts gegen sie zu bedenken gäbe. Genesis 1 wird behandelt, als ob
«s nicht ein Kapitel aus einem Religionsbuche, sondern aus einem Handbuch der
Naturwiffenschaft wäre. Welche köstlichen Offenbarungen es enthält, was Herder
u. a. von seinem religiösen und poetischen Wert gesagt haben, das gilt alles
nichts. Nicht einmal dem Wortlaut wird man gerecht. Denn woher sollen die

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.