Die religiöse Unterweisung in der Volksschule. 497
in Satz 3 behaupteten Tage zu 24 Stunden in dem biblischen Bericht über die
4 ersten Tagewerke kommen, wenn von der Sonne erst am 4. berichtet wird?
Wie lehrreich diese Stellungnahme zu Bibel und Wissenschaft, so ernst
mahnend ist doch die Tatsache, daß nach den Berichten eine gewisse Art der
Schriftbetrachtung Anlaß zu dieser traurigen Polemik gegeben hat. Noch vor
wenigen Tagen sagte mir ein namhafter, schriftkundiger Pfarrer, da die Bibel
nur Religionsbuch sei. müsse man sich hüten, irgendwelche politische, soziale,
naturwissenschaftliche Theorien aus ihr holen zu wollen. Jede naturwissenschaft
liche Hypothese, die auf ihre Grenzen sich bescheide, vertrage sich mit ihr. Dem
württembergischen Bezirksschulinspektor muß erne Schrifterklärung entgegengetreten
sein, die aus dem religiösen Bericht in Genesis 1 eine naturwissenschaftliche Be
lehrung geinacht hat. Solches Tun kann ich nur als unnötig Anstoß und
Ärgernis erregend ansehen.
Wissenschaftlich ist längst festgestellt, daß Religion und Ethik nicht An
gelegenheiten des Intellekts sind. Mögen darum die fortgehenden Forschungen
die Bedeutung der Entwicklungslehre einmal in einem Umfange beweisen, den
wir jetzt nicht ahnen können, so wird sie doch nie an unsere Religion und Ethik
rühren. Liegt uns die Pflege dieser beiden besonders am Herzen, so müssen
auch wir uns immer dieser Grenzen bewußt bleiben und uns freuen lernen der
Erfolge, die der strebende Menschengeist auf andern Gebieten hat. Zuletzt wird
es sich doch zeigen. daß auch sie der Förderung des Heiligsten und Höchsten zu
gute kommen.
Religiöses Leben ist zu allen Zeiten durch persönliche Einflüsse, durch
Zeugen in Wort und Tat geweckt und gepflegt worden. So sollte 4. auch die
gut konfessionelle Schule den anschaulichen Beweis liefern, daß auch an ihr das
Wort zur Wahrheit werde, daß die Gottseligkeit zu allen Dingen nütze ist und
Verheißungen nicht nur für das zukünftige, sondern auch für dieses Leben hat.
Wenn ich mir die Wirksamkeit meines alten Freundes Klingenburg und der
Jcktener Schule in die Erinnerung zurückrufe, so erscheint es mir unmöglich,
daß dort Wünsche und Strebungen nach anderer Schulgestaltung speziell auch
in religiöser Beziehung hätten aufkommen können, und wären sie von außen
hereingetragen worden, so würden sie schwerlich Boden gefunden haben.
Wir sprechen viel von Erhaltung der evangelischen Volksschule, wagen aber
nicht daran zu denken, daß wir sie in Wahrheit nicht haben und nach Lage der
Dinge nicht haben können. Eine recht konfessionelle Schule ist eine Schule,
deren Jnteressentschaft so gebildet ist, daß sämtliche an der Erziehung der Jugend
beteiligte Faktoren in allen wesentlichen Fragen übereinstimmend ihre Arbeit tun
können und tun. Es gehört also zu ihr eine im Bekenntnis einige Schul- und
Kirchengemeinde, es gehören dazu Pfarrer und Lehrer, die in demselben Be
kenntnis stehen, eine Gemeinde- und Schulorganisation, die die in der Gemeinde
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