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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
für Kiuderforschung" sprach Dr. Manuel aus Halle a. d. S. über „die Gliederung
der Schuljugend nach ihrer seelischen Veranlagung und das Mannheimer Schulsystem."
Dieser Gegenstand beschäftigt immer weitere Kreise der Lehrerschaft, wir geben deshalb
das Wichtigste über diese Verhandlung nach einem Bericht der „deutschen Blätter."
Nachdem der Redner die mannigfachen Versuche, durch die man eine Anpassung an
die wirkliche Leistungsfähigkeit der Schüler hat ermöglichen wollen, besprochen, zeigt er,
daß die Mannheimer Sonderklassen nur eine konsequente Fortbildung der früherm
Versuche sind. „Wenn Hilfsschulen möglich sind und auch behördliche Anerkennung
gefunden haben, so müssen auch Nachhilfeklassen oder Sonderklassen möglich sein, die
der preußische Minister v. Bosse verbot, da sie als Armenschulen gelten könnten. Der
Einwand, daß sich die Lehrer der Unterklassen der schwachen Elemente bei einer der
artigen Einrichtung leichter Hand entledigten, ist nicht stichhaltig, da dies, wenn Er
hebungsbogen geführt werden und ein Schularzt zur Seite steht, ganz unmöglich ist.
Nachdem Redner noch des Organisationsvorschlages des Schuldirektors Seyfert-Leipzig
vom Jahre 1891 gedacht, schildert er die Gliederung des Mannheimer Volksschulkörpers,
dabei besonders der Sonderklassen, nämlich der Hilfsklassen (für geistig zurückgebliebene
Kinder), der Wiederholungsklassen (für Remanenten^, der Abschlußklassen und der Vor
bereitungsklassen für Knaben, welche auf höhere Schulen übergehen wollen, gedenkend.
Nachdem Redner noch gezeigt, wie sich der Betrieb in den Mannheimer Volksschulen
gestaltet, spricht er sich entschieden für die hygienisch so wichtige Schulorganisation aus,
durch welche das Schulunglück überwunden oder zum mindesten ausgeglichen wird.
Auch die Vorhersage, daß ein gewisser Selektanergeist sich breit machen würde, daß
Treibhauspflanzen gezüchtet würden, ist nicht eingetroffen. In den Schulen herrscht
reger Wetteifer, auch in den Wiederholungsklassen, die Eltern lassen ihre Kinder gern
in den Wiederholungsklassen, selbst wenn sie deshalb weitere Schulwege zurücklegen
müssen und betrachten es nicht als einen Makel, der ihren Kindern anhaftet. Gerade
dadurch ist die erwünschte Verbindung zwischen Haus und Schule geschaffen worden. Auch
der Großherzogliche Kreisschulrat spricht sich anerkennend über die Sonderklassen aus,
wenn er in seinem Jnspektionsbericht schreibt: „Durch die unter den Händen des Rektors
entstandene Organisation der Schule, sowie durch die Herstellung, Einrichtung und
Ausstattung der musterhaften Schulhäuser, von denen wir in diesem Jahre wieder drei
ganz neu erbaute kennen gelernt haben, ist die Volksschule auch über das Großherzogtum
Baden hinaus vorbildlich geworden."
In der Besprechung zeigte sich, daß die Schulmänner der Sache zum Teil noch
recht ablehnend gegenüberstehen. Neben einigen Äußerungen des Beifalls traten lebhafte
Bedenken zu Tage. Das Elternhaus werde der Schule noch mehr entfremdet, wenn
mehrere Kinder derselben Familie infolge der verschiedenen Beanlagung auseinander
gerissen würden. Wir seien in der Kinderpsychologie noch nicht so weit, um so ein
gehend individuell sondern zu können. Wenn in Mannheim 2 is aller Schüler nicht nach
der obersten Klasse gekommen seien, so sei das kein Grund für eine Reform der Schul
organisation, sondern ein Beweis für total unpsychologische Lehrpläne, die zunächst
hätten revidiert werden müssen. Zunächst sei zu untersuchen, ob Begabungsmischung
nicht mehr Erfolg habe. — Der Referent schloß mit Herbarts Wort: „Die Verschieden
heit der Köpfe ist das große Hindernis aller Schulbildung. Darauf nicht zu achten ist
der Grundfehler aller Schulgesetze, die den Despotismus der Schulmänner begünstigen
und alles nach einer Schnur zu hobeln veranlassen. Der Schein des Vielleistens, wo
nicht „viel geleistet werden kann, muß fort."
Über den Alkoholgenuß der Schuljugend bringt die „Gartenlaube" vom Nerven
ärzte Di-. H. Hoppe einen Aufsatz, aus dem wir eine kleine Zusammenstellung wieder
geben, die der Verf. als Beispiel für die Folgen des Alkoholgenuffes bei Schulkindern
seinen interessanten und lesenswerten Ausführungen eingefügt hat. Diese Übersicht gibt
eine sehr genaue Untersuchung des Schuldirektors Dr. Bayer in Wien wieder, der in
einer dortigen Volksschule mit 591 Schulkindern (Knaben und Mädchen) folgende Fest
stellungen machte:
die nie alkoholische Getränke genossen
die nur gelegentlich tranken
die täglich einmal Bier usw. bekamen
die täglich zweimal Bier usw. bekamen
die täglich dreimal Bier usw. bekamen
v. H.
v. H.
v. H.
41,8
49,2
9
34,1
56,6
9,5
37,8
58,4
13,7
24.9
57,7
18,3

33,3
66,6.

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