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I. Abteilung. Abhandlungen.
Weiler Tomrat es wohl vor, daß pädagogisch unfähige Lehrer in leitende
Stellungen gewählt werden nur ihrer gut religiösen Stellung wegen. Damit
schädigt man nicht nur Schule und Gemeinde, sondern stellt auch Wert und
Bedeutung der religiösen Gesinnung in ein recht bedenkliches Licht.
Für so manches andere, was hier noch zu sagen wäre, muß ich auf die
trefflichen Arbeiten Dörpfelds verweisen.
In betreff der beiden letzten Thesen möchte ich mich auf ein Paar kurze
Bemerkungen beschränken.
Es wird heutzutage manches als Religion geboten, was keine Religion,
wenigstens keine christliche Religion ist. Da es vielfach in anziehender bestricken
der Form geboten wird, von Gelehrsamkeit und ernst ethischer Gesinnung zeugt,
so kaun es wohl dankbare Abnehmer finden. Da gilt es Vorsicht. Es ist schon
Manche Lehre mit dem Anspruch aufgetreten, an die Stelle der altchristlichen un
verständigen Lehre die Wahrheit setzen zu können, und nickt lange währte es und
rhr Glanz verblich. Man sollte doch bedenken, daß das Wesentliche in unserer
Religion nicht Menschen-, sondern Gottes Werk ist und es uns nur ziemt,
demutsvoll der verborgenen Weisheit nachzuforschen. Wohl ist das Gotteswerk
menschlich gefaßt, und diese Fassung mag der Weiterführung, genauerer Dar
stellung fähig sein, und wie dankbar und gern wir von Luther, Bengel, Hamann
gelernt haben, so können wir auch von den heutigen Lehrern lernen, doch nur
von solchen, die das Erlösungswerk Christi anerkennen.
Eine schwierige Frage ist es, die richtige Stellung zu den Christum ver
leugnenden Kollegen zu finden. Sie stehen im Leben und wollen aus dem
Zusammenhang der Dinge verstanden sein. Dies wird uns schon davor behüten,
ein ungerechtes Gericht über sie zu halten. Man sollte ihre ehrliche Überzeugung
achten und sie nicht zwingen zu lehren, was sie nach bester Einsicht mit gutem
Gewissen nicht lehren können. Tut man dies doch, so müssen sie sich entwürdigt
vorkommen; ihre Abneigung gegen die ihnen oktroyierte Lehre muß mehr und
mehr zu bitterer Feindschaft werden; begierig werden sie jedes Mittel ergreifen,
was von der verhaßten Last frei zu machen verspricht. Das darf man aber
von ihnen verlangen, daß sie nur eingehend behandeln, was sie mit der Ge
meinde gemein haben, und daß sie taktvoll das nicht Geteilte unberührt lassen.
Bon der Entbindung eines Lehrers vom Religionsunterricht würde ich nicht viel
halten. Besitzt er nicht den Takt, bei der Behandlung der religiösen Stoffe sich
in rechter Weise zu beschränken, so wird ihm dieser Takt auch bei der Erteilung
des weiteren humanistischen Unterrichts fehlen. Vor 50 Jahren wurden in einer
bergischrn Stadt bittere Klagen darüber geführt, daß ein Lehrer der Natur
wissenschaften durch seine Spaziergänge, d:r er immer wieder geflissentlich in das
religiöse Gebiet unternahm, mehr verdarb, als der tüchtige Religionslehrer wieder
gut machen konnte. Vor 30 Jahren hatten die holländischen christlichen Schulen

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