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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
von uns anerkannt wird, darum muß auch in jedem Fall ein hinreichendes
Können ihm entsprechen. Denn das Sollen bleibt bestehen, auch wo das Können
versagt. Das Sollen ist unbedingt, das Wollen und Können gar sehr bedingt.
Wohl aber gewinnt das Sollen einen motivierenden Einfluß auf den zum,
sittlichen Bewußtsein erwachten Willen. Las Sollen will das Können er
wecken. Ohne als zwingende Naturmacht aufzutreten, setzt diese Motivationskraft
des Sollens den Willen in Bewegung, zieht ihn, da er kraft des sittlichen Ur
teils die Verpflichtung als für ihn maßgebend anerkannt hat, in die Lebens-
richtung, in der er nach den sittlichen Zwecken sich richtet, den sittlichen Zielen
entgegenstrebt. Steht der Kausalzusammenhang der Bererbung und der um
gebenden Umstände, der persönlichen Charakteranlage, und der bisherigen Hand
lungen und Lebensschicksale als eine unentrinnbare Naturmacht hinter dem
Menschen, ihn in derselben Richtung weiterzutreiben und ihn ernten zu lassen
was er gesät, so stehen die Ideale vor ihm, lockend und emporziehend, auf
munternd und befreiend. Zwischen dieses Müssen, Dieses Unterworfensein
unter den Kausalnexus des physisch-psychischen Geschehens und das die sitt
lichen Ideale vorhaltende Sollen ist der Mensch mitten hineingestellt. Hinter
sich fühlt er den Zwang, vor ihm leuchtet die Freiheit. Auch das erkannte sitt
liche Gebot bewegt den Willen, wird zum Motiv. Das Du sollst hat deshalb
eine so stark imponierende Majestät, weil die Nichtübereinstimmung mit ihm nicht
nur äußere böse Folgen androht, als besonders die viel furchtbarere Strafe des
Selbstgerichts nach sich zieht. Aber darum ist das sittliche Gebot, wie D. Häring
sagt, doch „kein Tyrann, der blinden Gehorsam fordert, sondern ein König, dessen
Dienst Freiheit ist, unser wahres Leben, das allein lebenswerte." Frei sind wir
gegenüber dem Zwange des Naturgeschehens, indem wir Werte setzen. Damit
entziehen wir uns der Geltung des Kausalgesetzes durchaus nicht, denn ein
Motiviert- und Berursachtsein des Wollens wird ja auf keinem Punkte der Linie
verneint. Aber es ist eine andere Art von Verursachtsein, als das des un
bewußten Geschehens. Je deutlicher uns eine sittliche Handlung zum Bewußtsein
kommt, desto durchsichtiger wird uns als letzter Beweggrund die Achtung
vor dem unbedingten Gebot sein (Häring, Christi. Sittenlehre S. 88)_
,,Aber eben damit", fährt Häring fort, ,,mit diesem Bewußtsein eines verständ
lichen Beweggrundes, verbindet sich das Gefühl der Freiheit, das Gefühl, daß
wir ihn als Beweggrund haben gelten lassen, weil wir wollten ..ohne zu müssen."
Haben wir die sittlichen Ideale bejaht, das Sollen in unser Wollen aufgenommen,
so haben wir uns eben damit über die Welt des Naturzwanges oder Müssens
erhoben und an einer andern Welt, eben der Welt der Freiheit, Anteil
genommen.
Stellen wir so Müssen und Sollen in einen bestimmten Gegensatz zuein
ander. so wissen wir wohl, daß diese Worte als solche nicht völlig ausreichen,
um den angedeuteten Gegensatz unmißverständlich zu decken. Denn das Müssen
wird nicht eindeutig gebraucht. Es gibt auch ein höheres, ein sittliches Muß.
,.Warum man ihn schön bittet und er für gut erkennt, das muß ein Derwisch",
beantwortet der Derwisch die witzige Frage Nathans: „Kein Mensch muß.
müssen und ein Derwisch müßte?" Dies sittliche, heilige „Muß" ist die un
verrückbare Richtlinie für Jesu ganze Lebensführung. Aber es liegt darin doch
mehr als eine bloße Abwandlung des Sprachgebrauchs. Dies heilige ,Muß'
oder ,Jch kann nicht anders' ist nicht dem Sollen einfach gleich zu setzen, es

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