III. Abteilung. Literarischer Wegweiser.
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Ähnliche Resultate ergab auch eine holländische Rundfrage. Je regelmäßiger also
und je häufiger alkoholische Getränke von Schülern genossen werden, um so schlechter
die Leistungen, während die Schüler, die nie trinken, die besten Fähigkeiten und Lei
stungen aufwiesen.
Den Simultanschulfreunden ins Stammbuch. Daß bei der gegenwärtig herrschen
den Spannung zwischen den Konfessionen „schiedlich-sriedlich" die beste Losung sei,
wurde kürzlich durch einen Vorgang auf der amtlichen Kreislehrerkonferenz in Lennep,
die unter dem Vorsitz des Kreisschulinspekiors Or. Schwarzhaupt tagte, aufs neue be
wiesen. Der „Gen.-Anz. f. E.-B." berichtet darüber: „Es ist vom Vorsitzenden seit
sechs Jahren so gehalten worden, daß die Konferenz mit dem Vater-Unser begonnen
wird. Hiergegen erhob nun namens der katholischen Lehrer der Pfarrer Schönen
aus Lennep Protest, weil dieses Gebet in dem Satze: „Denn dein ist das
Reich usw.", welcher Zusatz nach der Auffassung seiner Kirche nicht vom Herrn herrühre,
eine gegen die Katholiken gerichtete Spitze enthalte. Pfarrer Suderow-
Hückeswägen trat dem (entgegen und gab seinem tiefen Bedauern darüber Ausdruck,
daß ein solches Gebet von dem Interpellanten als ein Mittel bezeichnet werde, durch
das die Evangelischen die heiligsten Gefühle der Katholiken verletzen
könnten, wie der katholische Geistliche behauptet habe, und er beklagte es tief, daß
nun auch in diese amtliche Konferenz trotz der größten Toleranz ein solch konfessioneller
Riß hineingetragen wurde. Ebenfalls abwehrend sprach Pfarrer Jsenbürger-Rons-
dorf. Der Interpellant wies unter Hinweis auf seine zwölfjährige Tätigkeit in Lennep
den Vorwurf zurück, als beschwöre er konfessionellen Hader herauf. Auf Verlangen
vieler Anwesenden mußte von einer weiteren Besprechung der Angelegenheit abgesehen
werden. Der Vorsitzende schloß die Erörterungen mit dem Vorbehalt, auf die Ent
gegnungen des Pfarrers Schönen noch gelegentlich zurückkommen zu wollen. Der
Konferenz folgte ein gemeinsames Mittagessen."
Man sieht, ein wie gefährlicher Boden solche konfessionell gemischten Konferenzen
sind. Einen Hinweis auf die Beseitigung dieser Schwierigkeiten scheint uns der Schlußsatz
des vorstehenden Berichts zu enthalten: Man beschränke die Tätigkeit der Konferenz
auf das gemeinsame Mittagessen!
Die Lage der Religionsstunde. „Man glaubt", sagt Or. Felsch in einem neu
erschienenen Werke („Die Hauptpunkte der Psychologie rc."), „dem Religions-Unterricht. .
dadurch einen besonderen Dienst zu erweisen, daß man ihm die erste Arbeitsstunde
des Schultages einräumt. Das ist ein alter Brauch und gilt als pädagogisch unan
tastbar. Gleichwohl wird dieser Brauch durch die Psychologie nicht gerechtfertigt; denn
das Allgemeingefühl, das die Kinder in die erste Unterrichtsstunde des Tages mit
bringen, läßt die ruhige, klare und deutliche Anschauung religiöser und sittlicher Ver
hältnisse nur schwer gelingen. Gerade wer da wünscht, daß der Religions-Unterricht
in der Schule fruchtbringender gestaltet werde, der sollte für ihn eine geeignetere Stunde
aussuchen. Welche eine solche ist, läßt sich nicht allzu schwer finden. Durch die ge
ordnete Tätigkeit in der Schule, durch die Zucht, welcher die ganze Klaffe, die ganze
Schule untersteht, kommt auch das aufgeregte Kindergemüt nach und nach zur Ruhe.
Gesellt sich dazu in der Hauptpause der Genuß frischer Luft auf dem Schulhofe, der
Genuß eines wohlschmeckenden Frühstücksbrotes, so ist das Gemüt des Kindes — und
auch sehr oft das des Lehrers, der Lehrerin — in der verhältnismäßig günstigsten
Verfassung. Das Allgemeingefühl enthält jetzt keine Spitzen und Spalten, keine Ecken
und Riffe' es gleicht dem Spiegel einer ruhigen See. Es ist empfänglich für religiöse
und sittliche Anschauungen." (Aus der Katech. Zschr.)
-Ä- III. Abteilung. Literarischer Wegweiser.
Religion.
Die Schriften des Reuen Testaments neu übersetzt und für die Gegenwart erklärt.
Göttingen 1905, Vandenhoeck u. Ruprecht. 1. Liefg. Pr. 1 M. 128 S. Gr. 8.
Das neue, moderne Bibelwerk erwähnte ich schon in meiner flüchtigen Weihnachts
übersicht im vorigen .Heft. Ich halte es für meine Pflicht ausführlich heute darauf
zurückzukommen. Es ist, wie.schon betont, eine moderne Schristerklärung, erzwingt
sich aber durch seinen Gehalt auch seitens der „Altmodischen", um mit Prof. Kaftan
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