512 II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
tümlich berühren, daß in dem ganzen Literaturnachweis nur eine einzige
Schrift von Dörpfeld erwähnt ist, nämlich die „freie Schulgemeinde", obwohl
doch Dörpfeld diese Frage noch in einer ganzen Reihe andeier Schriften behan
delt hat. so 1869 in den 3 Grundgebrechen, 1872 bezw. 1875 in der Theorie
des Lehrplans nebst dem Ergänzungöaufsatze, 1878 in dem 2. Gutachten.
1881 in der Leidensgeschichte und 1892 in dem Fundamentstück. Die Tatsache,
daß also Dörpfeld über die Theorie der Schulverfassung im allgemeinen und
über die Frage nach dem religiös-sittlichen Charakter der Schule im speziellen
weit mehr geschrieben und daß er mit feinen hierher gehörigen Schriften die
Entwickelung des Schulwesens weit länger begleitet hat, als irgend ein anderer
Autor, bleibt auf diese Weise den Lesern der „Pädagogischen Zeitung" völlig
verhüllt. Sollte dem Manne, der die Führung von über 100000 Lehrern in
dieser Frage zu übernehmen sich getraut, das Borhandensein dieser Schriften des
so allgemein bekannten und weithin verehrten Schulmannes, die zum Teil sogar
eine ungewöhnliche Beachtung gefunden haben, bis dahin unbekannt geblieben sein?
Es will uns doch schier unmöglich erscheinen, denn nur eine einzige kurze Durch
sicht der mehrfach vorhandenen Literaturverzeichnisse über die Schulverfasiung
genügte, um ihm diese Kenntnis zu verschaffen.
Noch auffallender aber muß diese gänzliche Nichtberücksichtigung der oben
bezeichneten andern Schriften von Dörpfeld erscheinen, wenn man sie daraufhin
prüft, welche Ausbeute sie denn für die in Frage stehende Angelegenheit gewähren.
Dann enthüllt sich nämlich die höchst überraschende Tatsache, daß in der vom
„Geschäftsführenden Ausschüsse" angeführten „freien Schulgemeinde" nur auf
‘2 Seilen und noch dazu mehr im Vorbeigehen von der Simultanschule die
Rede ist, während gerade in den unerwähnt gelassenen Schriften Dörpfelds dieser
Schulart eine weit ausgedehntere und zwar eine so vielseitige und eingehende
Würdigung zu teil geworden ist. wie sie wahrscheinlich sonst nirgend in dem
Maße vorhanden sein dürfte. So findet sich diese Frage besprochen: in den
3 Grundgebrechen, 1. Auflage, auf den Seiten 40—70; in der Theorie des
Lehrplans besonders in dem rund 60 Seiten langen Ergänzungsaufsatze über
„die unterrichtliche Verbindung der Wissensfächer"; im ganzen 2. Gutachten, das
lediglich einer Vergleichung zwischen der Konfessionsschule und der Simultanschule
gewidmet ist; in der Leidensgeschichte, I. Auflage, auf den Seiten 255—258
und 288—291; und am umfassendsten und weitsichtigsten in dem Fundament
stück, I. Auflage, auf den Seilen 84—152, 199—206 und 218—220. Aber
von all diesen Seiten sind seitens des Herrn Pretzel nur 2 Seiten und zwar
gerade die unverfänglichsten für die Simultanschulfreunde durch die Anführung
der freien Schulgemeinde vermerkt. Wie soll man sich diese so sehr zurücksetzende
Behandlung der diesbezüglichen Dörpfeld'schen Anschauungen erklären! Anzunehmen,
das in den unerwähnt gelassenen Schriften vorliegende reiche Gedankenmaterial
sei von dem Bearbeiter als so minderwertig erachtet worden, daß es seiner Er
wähnung und Charakterisierung nicht bedurfte, geht doch wohl nicht gut an.
Denn loenn der auf diesem Gebiete wohl bewanderte Pädagoge Diesterweg 1865
schon über die Erstlingsschrift des damals noch ziemlich jungen Dörpfeld urteilte,
es habe hinfort niemand das Recht, in Schulverfassungsfragen mitzusprechen, der
nicht zuvor dies Buch, die freie Schulgemeinde, studiert habe, so läßt sich doch
erwarten, daß die nachfolgenden Veröffentlichungen Dörpfelds nicht nur denselben
Gehalt, sondern sogar einen noch reicheren aufweisen, weil die Anschauungen infolge

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