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Die Schulverfassungsanschauungen Dörpfelds. 513
der fortgesetzten Beschäftigung mit ihnen und der immer vielseitigeren Betrachtungs
weise zu größerer Klarheit und immer schärferer Ausprägung gelangen. Und
beispielsweise ist von der „Leidensgeschichte" doch von Freund und Feind gleicher
weise anerkannt worden, daß in keinem der vielen Abwehrartikel, die aus Anlaß
der bekannten Aschermittwochsrede erschienen sind, das Puttkamersche Schulver-
fasiungsideal, die bureaukratisch-hierarchische Bormundschaftsschulverwaltung, mit
einer solch vernichtenden Klarheit und Schärfe verurteilt worden ist, als gerade
in ihr. — Und wie ließe sich damit die Tatsache in Einklang bringen, daß sich
auch „Der Deutsche Lehrerverein" in erheblichem Maße an' der so einzigartigen
Ehrung Dörpfelds beteiligt hat, die in der vor zwei Jahren erfolgten Setzung
eines öffentlichen Dörpfeld Denkmals ihren Ausdruck fand? Die darin ausge
sprochene Anerkennung seines Wirkens wird sich doch aller Wahrscheinlichkeit nach
auch auf seine Arbeiten zur Schulverfassung erstrecken sollen, denn die Tätigkeit
des Deutschen Lehrervereins zielt doch in erster Linie aus eine gerechte und
gesunde Regelung der äußeren Berhältn sie der Schule und des Lehrerstandes,
also auf dieselbe Sache, um die eben auch Dörpfeld in diesen Schriften gekämpft
hat. — Sofern aber der Bearbeiter aus irgend einem Grunde nur eine
Schrift von Dörpfeld glaubte anmerken zu dürfen, so hätte es doch sicherlich
im Jntereffe der Sache am nächsten gelegen, seine letzte Schrift namhaft zu
nmchen, die reifste und gedankenreichste Frucht seines Sinnens über die Gestaltung
einer allseitig gerechten, gesunden, freien und friedlichen Schulverfasiung, sein
Fundamentstück, in dem zugleich auch die Simultanschulfrage am umfassendsten
erörtert worden ist. Doch nein, von dieser reichen Fülle sehr gewichtigen
Materials, das allerdings, soweit es die pädagogische Seite dieser Frage behandelt,
recht kräftig gegen die Simultanschulfrage zeugt, erfahren die Leser rein gar nichts,
sondern nur auf 2 Seiten, die noch dazu im Vergleiche mit den anderweitig
vorgebrachten Gedanken geradezu nichtssagend sind, werden sie mit Dörpfelds
Stellung zur Simultanschulsrage bekannt gemacht. — Doch noch ein anderes
Unrecht wird Dörpfeld dadurch zugefügt, daß gerade nur die freie Schulgemeinde
verzeichnet worden ist. Keine einzige seiner anderen Schriften ist nämlich in
gleichem Grade geeignet, eine einseitige, unzulängliche und ihm nicht gerecht wer
dende Auffassung von Dörpfelds Stellungnahme zur Schulverfasiungsfrage herbei
zuführen und dadurch die Mitglieder des Deutschen Lehrervereins gegen ihn ein
zunehmen, wie gerade die freie Schulgemeinde. Denn, wollte diese sich nicht gleich
von vornherein aller Aussicht auf Erfolg begeben, so mußte auf die hochkirchliche
Richtung und das konservative Regiment der 60er Jahre Rücksicht genommen,
den Zeitverhältnissen manches unliebsame Zugeständnis gemacht und mancher
längst gehegte Wunsch für eine günstigere Zeit zurückgestellt werden; sie ist eben
im Zeug und Zuschnitt der damaligen Zeit angepaßt, was indes nicht immer
beachtet wird. Dazu behandelt sie nur einen seiner 3 hauptsächlichsten Reform
gedanken. Wer daher den ganzen Umfang seiner Reformgedanken kennen lernen
will, der muß notwendigerweise auch noch seine drei Grundgebrechen und seine
Leidensgeschichte lesen oder an Stelle dieser 3 Schriften sein Fundamentstück, das
seine sämtlichen Resormg-danken noch einmal von einem anderen Gesichtspunkte
aus zur Behandlung bringt. Er selbst äußert sich darüber in einem Briefe an
Professor Bogt in Wien folgendermaßen: „Die schulregimentlichen Reformen,
welche ich zur Sprache bringen wollte, sind dreifacher Art. Der erste Reform
gedanke (freie Schulgemeinde) liegt auf dem staatsrechtlichen Gebiete. Hier
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