514 n. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
handelt es sich um ein doppeltes: Einmal darum, daß alle korporativen Schul-
intereffenten zu ihrem Recht kommen, und zum andern, daß das Schulwesen
seiner Natur gemäß leben kann und behandelt wird. . . . Der 2. Reformgedanke
(drei Grundgebrechen) hat die technisch-pädagogische Seite des Schulregiments
im Auge. Er fordert, daß die Schulaufsicht nicht bloß als Zensur und Dis
ziplin (negativ), sondern auch als Pflege (positiv) sich betätige. . . . Der 3. Reform
gedanke (Leidensgeschichte) ist wesentlich moralischer Art. Er vertritt die
StandeSwünsche der Lehrer, oder mit andern Worten: Er richtet den Blick auf
das vielgestaltige Unrechtleiden des Lehrerstandes. . . . Die Grundvoraussetzung
jener schulregimentlichen Reform auf dem staatsrechtlichen Gebiete (freie Schul
gemeinde) ist die Anerkennung des Familiemechts in der Erziehung." ■—
Gerade das so überaus entschiedene und energische Eintreten Dörpfelds auch für
die berechtigten Forderungen des Lehrerstandes und die Anliegen der Pädagogik,
wofür ihm die Lehrerschaft aller Schattierungen naturgemäß ihre Sympathien
zuwenden würde, bleibt den Lesern der vom Geschäftsführenden Ausschuß ausge
gangenen Arbeit demnach leider verborgen. Warum doch wohl?
Die gleiche oder wohl gar noch schlimmere Unbilligkeit widerfährt Dörpfeld
durch die Art und Weise, wie die diesbezüglichen Anschauungen Dörpfelds den
Lesern vorgeführt werden. Es heißt nämlich darüber: „Die Nummern 6—9
(Dörpfeld und Zillessens Schriften) verlangen die Konfessionsschule auf Grund
des Familienprinzips und vertreten dabei im wesentlichen die Interessen der
evangelischen Kirche." Die Erziehung ist (nach Dörpfeld) in erster Linie weder
Sache des Staates noch der Kirche, sondern gebührt der Familie. Da die ein
zelne Familie indes keine Schule unterhalten kann, so treten die Familien zu
einem Zweckverbande zusammen, der Schulgemeinde, die vornehmlich berufen ist,
die äußere und innere Gestaltung der Schule zu bestimmen. Da jedoch Staat
und Kirche nicht ganz beiseite geschoben werden können, so wird in den leitenden
Körperschaften auch ihren Organen das Recht der Mitwirknng eingeräumt. Bei
denen, die bislang als Verfechter dieses Familiem bezw. Schulgemeindeprinzips
aufgetreten sind, führt die Schlußkette ebenfalls zur Forderung der konfessionellen
Schule, indem sie es als selbstverständlich voraussetzen, daß, da die Eltern alle
einer bestimmten Konfession angehören, sie auch den Wunsch haben müßen, ihre
Kinder in dieser Konfession erzogen zu sehen, und daß sich deshalb auch nur
Familien derselben Konfession zu einer Schulgemeinde zusammenschließen werden.
Es ist indes leicht ersichtlich, daß diesem letzten Schlüsse eine zwingende Logik
nicht innewohnt, daß vielmehr neben den konfessionell getrennten sich recht wohl
auch Schulgemeinden aus Angehörigen verschiedener Bekenntnisse bilden können,
die darin folgerichtig auch konfessionell gemischte Schulen errichten würden."
So viele Sätze, so viel Irrtümer und Ungcnauigkeiten! Zunächst
ist es ein Unrecht gegen Dörpfeld, daß seine Bestrebungen auf diesem Gebiete
den von vorwiegend kirchlichem Interesse diktierten Zillessenschen gleichgestellt wer
den; denn zwischen beiden klafft doch, wofür ich an dieser Stelle einen eingehenden
Nachweis erbracht habe, ein recht tiefer, ein grundlegender Unterschied. — Wie
will sodann der Bearbeiter weiter die Behauptung rechtfertigen, Dörpfeld vertrete
„im wesentlichen die Interessen der evangelischen Kirche?" Das ist ja richtig,
Dörpfeld würde sich sicherlich nicht dazu verstanden haben, der Kirche mit Wissen
und Willen eine Schädigung zuzufügen, sondern er war stets mit allem Ernst
darauf bedacht, auch das Wohl der Kirche nach besten Kräften zu fördern, wie

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