Die Schulverfassungsanschauungen Dörpfelds. 51s)
fr denn ja auch eine noch innigere Berbindung zwischen Schule und Kirche
wünschte, als sie zur Zeit rechtsständig ist." (Indes hat die von ihm gewünschte
Regelung bisher keine sonderliche Gegenliebe bei den kirchlichen Behörden gesundend
Aber nun zu behaupten, die Triebfeder seines Wirkens auf dem Gebiete der
Schulverfassung sei sein konfessionelles kirchliches Interesse gewesen, obwohl er doch
auf Seite 5 der freien Schulgemeinde ausdrücklich ablehnt, für den kirchlichen
Einfluß auf den Unterricht, die innere Einrichtung und die äußere Berfassung
der Schule einzutreten, das ist doch eine ziemlich starke Verdrehung. Legt Dörp-
feld doch gleich im 1. Kapitel der freien Schulgemeinde unmißverständlich dar,
daß seine Schrift wesentlich darauf abzweckt, das Recht der Eltern oder der Familie
im Schulwesen zur Anerkennung zu bringen, weil die Schule nach seiner ein
gehenden Untersuchung über ihr Wesen, ihre Aufgabe und ihr inneres Pflicht
verhältnis nicht zur Kirche und nicht zum Staate und nicht zu den sozial-bürger
lichen Genosienschaften, sondern zur Familie in der nächsten, innigsten und
stärksten Verwandtschaft steht. Dörpfeld stellt also seine Erwägungen auf diesem
Gebiete rein und ohne dü-* konfessionelle Nebengedanken vom Standpunkte der
Schule und der Pädagogik aus an. wie er sich ja auch stets mit ganzer
Seele als Volksschullehrer fühlte und durch seine Schulverfaffung gerade der
Schule die zur gedeihlichen Ausführung ihrer 'Arbeit nötige Unabhängigkeit von
staatlicher und kirchlicher Bevormundung, ein eigenes Gedinge, einen pädagogi
schen Rechtsboden verschaffen wollte, aus dem sie, geschützt wider den Wellenschlag
des politischen, kirchlichen oder religiösen und sozialen Parteitreibens, ihrer
Natur gemäß leben könne. Und diese Stellungnahme Dörpfelds findet sich
nicht nur einige Male, sondern recht viele >> und deutlich bekundet, aber trotzdem ist in den Ausführungen des Herrn Pretzel
nicht einmal die geringste Andeutung darüber enthalten. Warum wohl nicht?
Weil zum andern Dörpfeld d>e ethisch religiöse Seite der Schularbeit ent
schieden höher wertet als die intellektuelle, die Erziehung in seinen Äugen ungleich
höheren Wert besitzt als die Übermittelung von Kulturgütern, so war es sein
wichtigstes Anliegen, die Gewissensfreiheit im Erziehungswesen und die erziehliche
Tätigkeit der Schule möglichst sicher zu stellen. Darum eben basierte er seine
Schulverfassung auf die behufs Errichiung von Schulen durch völlig freie Ge-
wissensentscheidung gebildeten Verbände von Familien, die sich zu demselben
Erziehungsideale oder zu denselben Erziehungsgrundsätzen bekennen, die Lokal
schulgemeinden. In diesen so entstandenen Verbänden erblickt er geradezu das
Fundamentstück einer wahrhaft allseitig gerechten, gesunden, freien und friedlichen
Schulverfassung. Indes ist es Dörpfeld niemals eingefallen, dafür hatte er
einen zu klaren Blick für die Bedürfnisse des gesellschaftlichen Lebens, lediglich
diese Verbände der Familien für berufen zu halten. . die äußere und innere
Gestaltung dxr Schule zu bestimmen, wie es der Geschästsführende Ausschuß
seinen Lesern auftischt; diese Behaupiung ist weit übertrieben. Das Recht,
welches Dörpfeld aus moralischen Gründen ausschließlich der Familie zuerkannt
wissen will, ist allein dies, daß ihr auch hinsichtlich der Schulerziehung ihrer
Kinder eine völlig freie Gewissensenischeidung zugebilligt werde, daß also
einzig und allein ihr die Entscheidung darüber zustehen soll, in welchen! Geiste
sie ihre Kinder behandelt wissen und welcher Schul irt hinsichtlich des sittlich-
religiösen Charakters sie ihre Kinder zuweisen will, weil die Kinder eben
persönliches Eigentum ausschließlich der Familie sind. Um diese Gewissens-
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