Die Schulverfassungsanschauungen Dörpfelds. 517
der Kirche und des Staates unter den Gesichtspunkt einer gemeinsamen Aus
gabe bringt, und alle diese Kräfte zu dieser gemeinsamen Arbeit zu Verbinden
versteht."
Sodann ist es völlig verdreht, wenn es im 3. Satze so hingestellt wird,
als fordere Dörpfeld um der Schulunterhaltung willen den Zusammenschluß der
Familien zu einem Verbände. Dörpfeld hat doch mehrfach mit aller Entschieden
heit die Meinung abgewiesen, die mit dem Anspruch auftritt, es muffe für die
Regelung der Schuleinrichtung und Schulverwaltung die Art der Schulunter
haltung maßgebend sein. Er erkennt vielmehr nur eine solche Regelung als
gerecht an, die ihre moralische Zuständigkeit aus der Natur oder dem Wesen der
Dinge sowohl der Schularbeit als auch ihrer Beziehungen zu den verschiedenen
menschlichen Gemeinschaften herzuleiten vermag. Daher hielt er den Verband
der Familien aus dem Grunde für erforderlich, weil sich nach seinem Dafür
halten nur auf dieser Grundlage eine Verfaffung des Schulwesens errichten ließ,
die einerseits allen Jntereffenten oder Beteiligten an der Schultätigkeit zu dem
ihnen gebührenden Rechte verhilft, und die andererseits als ihre wesentliche und
einzige direkte Aufgabe sich die stellt, die Schularbeit nach Kräften zu fördern,
und in der daher jedes Anliegen und Wirken der Schule den besten Resonanz
boden findet. „Die wahre Schulgemeinde muß die gesamte Schulaufgabe
ohne Abzug umfassen können; sie darf nur um der Schule willen da sein und
wird von ihr den Namen haben. Sie hat nur für Schulangelegenheiten zu
sorgen."
Weiter bedeutet es eine schlimme Unterstellung. wenn im 5. Satze von
Dörpfeld gesagt wird, er verlange oder fordere „auf Grund des Familien- bezw.
Schulgemeindeprinzips die konfessionelle Schule." Denn indem er vom morali
schen Standpunkte aus das Erziehungsrecht der Eltern verfochten hat, ist er über
haupt nicht für irgend eine bestimmte Schulart eingetreten, weder für die kon
fessionelle noch gegen die simultane Schule, sondern lediglich dafür, daß den
Eltern in gleicher Weise wie in politischer und kirchlicher Beziehung so auch in
der Erledigung ihrer Erziehungsangelegenheiten die volle Mündigkeit zuerkannt
werde. Er will ihnen also das prinzipielle Recht gewahrt wissen, sich lediglich
nach ihrer eigenen Überzeugung so oder so, für die konfessionelle oder die simul
tane Schule zu entscheiden. Sofern also das Recht der Familie in Erziehungs
sachen in Betracht kommt, kann keine der beiden Parteien ihn ausschließlich für
sich in Beschlag nehmen, denn er tritt für das moralische Recht beider Parteien
in ganz genau gleicher Weise ein. Hieraus ergibt sich dann auch, daß der Vor
wurf, Dörpfeld bekunde dadurch, daß er als eine Konsequenz des Familien
prinzips allgemein die Konfessionsschule fordere, einen leicht ersichtlichen Mangel
an zwingender Logik, völlig grundlos gemacht wird. Mit wirklichem Recht da
gegen dürfte man wohl Zweifel an der Logik des Mannes erheben, der einmal
von Dörpfeld behauptet, dieser vertrete im wesentlichen die Interessen der evan
gelischen Kirche, aber ihn doch nur widerwillig derselben ein Mitwirkungsrecht
im Schulwesen einräumen läßt, und der zweitens ihm unterschiebt, er betone
ausschließlich das Recht der Konfessionsschule, und dann doch wiederum die An
hänger der Konfessionsschule als der Dörpfeldschen Schulgemeinde abgeneigt hin
stellt; in diesen beiden Punkten liegen doch tatsächliche Inkonsequenzen vor.
Nun war freilich Dörpfeld der Meinung, daß die meisten Familien sich
zu konfessionellen Schulgemeinden zusammenschließen würden, weil ihnen die päda

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