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II. Abteiluug. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
gogischen Vorzüge der Konfessionsschule nicht verborgen bleiben könnten, denn
nach seiner recht umfangreichen Darlegung und tiefuegründeten Überzeugung steht
die Simultanschule unter den obwaltenden Verhältnissen in jedem Betracht hinter
der Konfessionsschule an erziehlichem und unterrichtlichem Werte bedeutend zurück.
Es ist daher sehr zu bedauern und muß als eine schwere Beeinträchtigung der
Konfessionsschulfreunde bezeichnet werden, daß Herr Pretzel bei der Behandlung
der Simultanschulfrage nach pädagogischen Gesichtspunkten Dörpfelds Aus
führungen völlig unbeachtet gelassen hat. Und doch bieten sie sowohl in ihrer
logischen Gliederung im zweiten Gutachten wie auch in ihrer sehr eindringenden
psychologischen Begründung in der Theorie des Lehrplans und im Fundamentstück
wohl das Ausführlichste und Gründlichste dar, was bis jetzt darüber geschrieben
worden ist, und das nach meinem Bedünken die Schriften aller bei diesem Punkte
angeführten Autoren an innerem Gehalte weit übertrifft.
Fassen wir zum Schluß das Resultat unserer Untersuchung noch einmal zu
sammen, so ergibt sich folgendes:
Zunächst bleibt den nicht genügend Orientierten zweierlei verborgen, das
sicherlich nicht verfehlen würde, die Mitglieder des deutschen Lehrervereins zu
gunsten Dörpfelds zu beeinflussen, nämlich die Kenntnis,
daß er 1. in einem Zeitraum von mehr als , 30 Jahren außer der freien
Schulgemeinde noch eine stattliche Reihe anderer Schriften zur Theorie der Schul
einrichtung und Schulverwaltung veröffentlicht und also diese Frage länger und
ausgiebiger bearbeitet hat als irgend einer der andern Autoren,
daß er 2. stets auch für die berechtigten Forderungen der Pädagogik und
des Lehrerstandes mit aller Entschiedenheit und ohne irgend welchen Rückhalt ein
getreten ist und darin sicherlich hinter keinem zurücksteht.
Sodann muß alles von Dörpfeld Erwähnte dazu dienen, die Leser gegen
ihn möglichst einzunehmen, denn es wird das Entstehen der Meinung begünstigt,
als stehe Dörpfeld 1. auf dem Standpunkte der konservativ-hierarchischen Richtung
der sechziger Jahre oder der Regulativzeit, und als habe er 2. über die Simultan
schulfrage nur ein paar recht allgemeine Bemerkungen zu machen gewußt.
Und endlich wird als wirksamstes Abschreckungsmittel ein wahres Zerrbild
von Dörpfelds Schulverfassungsanschauungen entworfen, das aller Objektivität
geradezu Hohn spricht; denn es ist
1. falsch, daß Dörpfeld bei seinen diesbezüglichen Bestrebungen darauf aus
gegangen wäre, „im wesentlichen die Interessen der evangelischen Kirche zu för
dern," sondern aus die Hebung und Förderung der Schule war all sein Sinnen
und Trachten gerichtet.
2. Es ist falsch, daß Dörpfeld die Familienverbände um der Schulunter
haltung willen fordert, sondern er fordert sie aus dem Grunde, weil er allein
in ihrer Bildung die Möglichkeit, die Gewissensfreiheit der Familie auch auf
dem Gebiete des öffentlichen Schulwesens prinzipiell zu sichern und die Schule
in einen wahrhaften Mutterboden einzusenken.
3. Es ist falsch, daß Dörpfeld vornehmlich die Familienverbände für be
rufen hält, die äußere und innere Gestaltung der Schule zu bestimmen, sondern
er hat die Lösung dieser Aufgabe einer möglichst freiheitlich eingerichteten, korpo
rativen Vertretung aller eigentümlichen und am Schulwesen interessierten Lebens
oder Kulturkreise vorbehalten, weil er das Schulwesen nicht lediglich als eine

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