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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
Unrichtigkeiten und Verdrehungen aller Wahrscheinlichkeit nach nicht von ungefähr
entstanden, sondern einer wohlberechneten, aber wenig gewissenhaften Taktik ent
sprungen sind. Und es unterliegt dann wohl kaum einem Zweifel, daß die Be
teurung des Herrn Pretzel, sich möglichster Objektivität befleißigt zu haben, mit
seinem tatsächlichen Verhalten in grellem Widersprüche steht und daher wohl nur
als ein wirkungsvolles Aushängeschild verwandt worden ist.
Remscheid. Range.
Ein Gedenktag.
Mehr als 200 ehemalige Schüler der Präparandenanstalt Orsoy mit einem
großen Teil ihrer früheren Lehrer hatten sich am 28. Oktober in Düsseldorf um
ihren verehrten und geliebten früheren Rektor versammelt, um diesem anläßlich
seines Rücktritts von seinem Amte eine festliche Huldigung darzubringen. Es
war eine Feier, stärkend und erhebend, sie wird gewiß allen Teilnehmern un
vergeßlich sein; in guter Kameradschaft, wie sie ehedem in der Anstalt mitein
ander gelebt — war es doch von jeher eine Eigentümlichkeit dieser Schülerschar,
daß sie in gutem Chorgeist treu zusammenhielt, und daß sich alle mit Stolz als
Glieder dieser einen großen Familie betrachteten — fanden sie sich, viele zum
ersten Male nach langer Zeit, hier wieder zusammen. Und ob auch die Jahre
in manches Gesicht ihre Furchen gegraben und manchen Kopf grau gemacht, die
Erinnerung an die alte schöne Zeit war doch in allen gleich lebendig; ja dieser
Gegensatz von heute und ehemals vertiefte gewiß bei manchem den freudigen und
herzlichen Gruß und Gegengruß zu nachdenksamem Ernst.
Aber man wollte ja nicht, wenigstens nicht in erster Linie, die früheren
Kameraden noch einmal sehen und mit ihnen sich alter Erinnerungen, die nun
in dem warmen Abendlichte vergangener Tage in der Seele heraufstiegen, freuen;
man wollte noch einmal dem teuren Lehrer, dem der ernste Kamps um rechte,
gewissensfreudige Amtsführung frühzeitig den Schnee aufs Haupt gelegt, in die
lieben Augen sehen, die unter den finster umbuschten Brauen doch so freundlich
und gütig leuchten konnten.
Was im einzelnen von Schülern und Lehrern der Anstalt zu Ehren des
Gefeierten geredet wurde, das wiederzugeben will sich an dieser Stelle nicht
recht schicken. Aber sicherlich war es nicht nötig gewesen, in mühevoller Pein
zusammenzusuchen, was hier zu sagen sei; das volle Herz fand leicht die
rechten Worte und bahnte sich den Weg zu den Herzen der Hörer. Es ging
recht bewegt zu in dieser Versammlung, und wie sehr die Redner verstanden,
den Kern der Sache zu treffen, das wiederzugeben, was aller Herzen fühlten,
das bewies der immer wieder hervorbrechende jubelnde Beifall. — Man dankte
zuerst und zumeist dem tüchtigen Lehrer, der seinen Schülern die beste, und
jedenfalls für seine Zeit eine über das sonst übliche Maß weit hinausgehende
berufliche Ausrüstung für das Seminar und die spätere Amtsführung gegeben
hatte, aber am herzlichsten doch dem väterlichen Berater, dem liebevollen Führer
durch die Klippen und Wirrnisie der Jugendjahre. — Eine Ehrengabe wurde
als Zeichen der Dankbarkeit überreicht.

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