5
, ] LU 1
p
i 1 i | i
Lvm
igelisches Schul
lblatt.
Sc
Februar.
J
II. Abteilung.
Martin Greifs Lyrik
nach ihrer pädagogischen Bedeutung.
Von Heinrich Mohn.
Daß in diesen Blättern zum zweitenmal von Martin Greif die Rede ist/)
hat seinen guten Grund. Greif hat in pädagogischen Kreisen noch nicht die
Beachtung gefunden, die ihm im Hinblick auf seine reine, einfach-schöne Kunst
unbedingt zukommt. Und wir haben doch wahrlich auf dem Gebiet der modernen
Literatur nicht so viel einwandfreie Erzeugnisse/) daß sich eine nur flüchtige Be
kanntschaft mit Greifs Dichtungen irgendwie rechtfertigen ließe. Bor kurzem ist
die 7. Auflage seiner Gedichte erschienen, ein herrliches Buch, das es einem wieder
aufs neue vor Augen führt, wieviel Schätze hier der praktisch-pädagogischen Ver
wertung noch harren.
Greif läßt sich bei keiner modernen Dichtergruppe unterbringen, er hat nichts
gemein mit den bekannten literarischen Tagesgrößen, die, wenigstens solange sie
in Mode sind, von jedermann gepriesen und vielleicht auch — gelesen werden;
er steht allein auf freier Höhe, im hellen, lichten Sonnenschein und singt in den
natürlichsten, schlichtesten Tönen von dem, was in seiner Seele lebt. Auf dem
Gebiet der Lyrik hat er Dichtungen geschaffen, die zu dem Besten gehören, was
deutsche Lyriker je gesungen haben, und unter allen neueren Dichtern kommen ihm
nur ganz wenige gleich in Natürlichkeit und Innigkeit der Empfindung, sowie an
Schlichtheit des Ausdrucks: man muß eigentlich schon zu Goethe und Uhland zurück
greifen, um Gedichte von gleicher Tiefe des poetischen Gehaltes bei gleicher Ein
fachheit zu finden. Was das aber in pädagogischer Hinsicht zu bedeuten hat, ist
unschwer zu ermessen.
Wunderbar tiefe Töne schlägt er an, wo er die Größe und Erhabenheit
der Natur besingt, in die er sich zu vertiefen vermag, wie es nur dem gott
begnadeten Dichter möglich ist. Eine der schönsten hierher gehörigen Dichtungen
Vergl. Ev. Schulblatt 1903 Nr. 6: Schulgemäße Betrachtung einiger Gedichte
von Martin Greif.
2 ) Hart führte auf dem Kunsterziehungstag in Weimar aus (nach dem Gedächtnis
zitiert): „Was die Modernen Gutes sagen, das haben die Alten auch schon gesagt, und
sie haben es meist besser gesagt: was sie aber wirklich Originelles bringen, das ist in
den meisten Fällen — Gift." Ich möchte diese Ansicht nicht gerade bis in die letzten
Konsequenzen vertreten, aber es liegt doch zweifellos viel Wahres darin.

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.