60
II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
Winternacht,
Winterpracht!
Alles hell und schimmernd,
Rein, wie Demant flimmernd.
Winterpracht,
Winternacht!
Trotz der weiten Ferne
Scheinen noch die Sterne.
Wie einfach ist dies Bild, aber in seiner Einfachheit wie wirkungsvoll! —
Dasselbe gilt auch von dem Gedicht „Winteranfang".
Kommt ihr wieder,
Spinnende Nebel,
Füllend mit trübem
Wehen die Luft?
Wo sich geöffnet
Blume an Blume,
Liegt nun, ertötend,
Schauernder Duft.
Von den Seeliedern sei nur
wird aber von der Jugend kaum ii
Abendnebel zieh'n und wallen
Um der stillen Berge Schnee,
Ferne Glocken überm See
Klingen sehnlich und verhallen.
Ach, und ihm wehret
Kaum mehr die Sonne,
Wie es noch gestern
Sichtbar geschah.
Abend und Morgen
Scheinen im Dämmer
Nahe verwoben —
Winter ist da.
eins hier angeführt. Seine Grundstimmung
ihrer ganzen Tiefe erfaßt werden können.
Was ich floh, das faßt mich wieder.
Ach, ich fühl mich so allein! —
immel, gieß den goldnen Schein
einer Sterne auf mich nieder!
Wer den Dichter hier verstehen will, muß das Leben kennen gelernt haben,
der muß erfahren haben, daß auch seine Freuden dem Menschenherzen den reinen
Frieden nicht zu geben vermögen; er muß etwas von dem empfinden können, was
Goethe empfand, als er in dem bekannten Nachtlied den himmlischen Frieden in
sein unruhig schlagendes Herz herbeisehnte. — Doch der reiferen Jugend mag
es immerhin geboten werden.
In der Stinimung zwar einfacher, in der Gesamtauffassung der Bilder aber
noch schwieriger ist das schöne Gedicht
Hoher Mittag am Meer.
Alles, Meer und Gestade ruht in Stille,
Nur die Sonne allein am Himmel wandert;
Fern, dem Auge verborgen, rückt sie tiefer
In das einsame Blau des hohen Äthers.
Rings unendliches Licht ergießt sie strahlend,
Und die weite Natur bezwingt Ermüdung.
Alles, Meer und Gestade ruht in Stille,
Nur die Sonne allein am Himmel wandert.
Feine Kunstwerke finden sich auch unter den Gedichten, die Greif „Stimmen
und Gestalten" überschrieben hat. Er nähert sich darin, wenigstens soweit die
Gestalten in Frage kommen, den erzählenden Gedichten, denn er benutzt die Natur
eigentlich nur als Hintergrund, um uns in erster Linie für menschliche Gestalten
zu interessieren, die er in sie hineinstellt. Zu den besten gehören „Der Hirten
knabe" und „Das Hüterkind"?)'
») Siehe a. a. O. (Ev. Schulbl. 1903 N. 6 S. 253 u. 254.)

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.