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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
Unter einem grünen Baum
Hatt' ich einen schönen Traum
Wohl bei einem rauschenden Brunnen.
Der Brunnenquell, bei dem ich schlief,
Läuft noch so schnell als einst er lief
Und plaudert viel mit mir.
Am Brunnen.
Wann, o süßes Mägdelein,
Werd' ich wieder bei dir sein
Wohl bei einem rauschenden Brunnen?
Bei diesem hier, bei jenem dort,
Zu jeder Stund', an jedem Ort,
Nur einmal noch bei dir!
In dem Naturlied, das sich seinem Inhalt nach ja natürlich weit besser für
die Schüler eignet, als das erotische Lied, bringt der Dichter allerdings auch
Stimmungen zum Ausdruck, die bei der Jugend noch kein tieferes Nachempfinden
zu erwecken vermögen. Er träumt von verlornem Glück, von verschwundener
Seligkeit, und selbst da, wo ihm im Frühlingshauch das Herz in froher Hoffnung
schwillt, läßt ihn die Erinnerung an entschwundene Jugendlust nicht los.
Frühlingswunsch.
O Sonnenstrahl in blauer Luft, Die abgestorbnen Sträucher blühn,
Was schaffest du für Leben? Verzagte Knospen springen;
Zur Wiege wandelst du die Gruft O, könnte mit dem ersten Grün
In deinem Wunderweben. Sich auch das Herz verjüngen!
Die Sehnsucht nach der Heimat und dem Suchen nach dem Verlorenen in
derselben weiß er ergreifenden Ausdruck zu geben.
Fremd in der Heimat.
In der Heimat war ich wieder, Nur im Friedhof fern alleine
Alles hab' ich mir beseh'n, Hab' ich manchen Freund erkannt,
Als ein Fremder auf und nieder Und bei einem Leichensteine
Mußt ich in den Straßen geh'n, Fühlt' ich eine leise Hand.
Sein Auge ruht auch auf der Stille des Grabes. — Und von da blickt
er gern hinauf in die ewige Heimat.
Wunsch am Abend.
Sturm gestillt zu leisem Hauch,
Welch ein Abendfrieden —
Wär einst meinem Leben auch
Solch ein End' beschieden!
Ein inniges Gottvertrauen spricht sich in folgenden Zeilen aus:
Sternentrost.
Es gäb noch mehr der Zähren Wenn sie nicht niederschauten
In dieser trüben Welt, In jeder klaren Nacht
Wenn nicht die Sterne wären Und uns dabei vertrauten.
Dort an dem Himmelszelt: Daß einer droben wacht.
Unter den Balladen Greifs ist in erster Linie das aus sechs Zeilen bestehende
klagende Lied bemerkenswert. Hier kann nur mit ein paar Worten auf den Inhalt
hingewiesen werden.
Ein Königshof. Der alte Herrscher ist gestorben, und seine Kinder,
ein jüngerer Knabe und ein älteres Mädchen, streiten sich um das Recht, die Krone
tragen zu dürfen. Da tritt die Königin zwischen sie und zeigt ihnen eine
Wunderblume:
Ein Zepter schien zu enden
In eine Lilienflamm'.
Und sie bedeutet ihnen:
Wer eine solche pflückte,
Der gewänne des Vaters Reich.

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