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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
vor 1870. (Aus dem Schatze deutscher Dichtung — von den Herausgebern des
„Deutschen Lesebuchs); Rhätischer Grenzlauf (Engelien u. Fechner).
Wir dürfen uns dieser schönen Gaben von Herzen freuen; aber bedeutsamer
als sie sind zweifellos jene herrlichen Naturbilder und Lieder, von denen oben
die Rede war?) Wer sich in sie versenkt hat, und wer je den Herzschlag des
Dichters in ihnen verspürte, für den ist es keine Frage mehr: Greif muß auf
dem Gebiete der Schule mehr Boden gewinnen. Es muß ein Stück Land frei
gelegt werden für das Beste aus seiner Lyrik, soweit sie für die Schule in Be
tracht kommt. Greif ist zwar nicht der einzige lebende Dichter, der in pädagogi
schen Kreisen (und erst recht in weiteren Kreisen) größere Berücksichtigung verdient,
als ihm bisher zu teil geworden ist; aber er ist sicherlich — wie eingangs bereits
angedeutet — unter allen Neueren, die der Jugend nahe stehen, einer der Besten.
Und an uns ist es nun, das Gold, das er geprägt hat, bei der Jugend in
Umlauf zu setzen.
Sprachliche Plaudereien.
Von Seminaroberlehrer a. D. Hollenberg in Rheydt.
(Fortsetzung.)
Niedlich.
Es ist ein Irrtum, wenn man zur Erklärung dieses Wortes glaubt seine
Zuflucht zu nieder, nieden, hienieden, niedrig nehmen zu dürfen und dabei
an die Bedeutung unten, unter usw. denkt, auch etwa den Sinn von niedlich
als klein angibt.
Das Wort gehört zu ahd. niot „lebhaftes Verlangen, eifriges Streben".
Das ahd. Adverb nietliebs heißt mit Eifer, mit Fleiß. Das spätere nietsam
ist, was mit Eifer und Fleiß erstrebt wird, was also wünschenswert oder an
genehm und als Speise wohlschmeckend erscheint. Da befremdet es wohl kaum,
wenn eine Sächsin von einem niedlichen Essen berichtet, oder wenn es in einem
Liede heißt, daß sich ein Landmann ein niedliches Weibchen zur Frau erkoren
habe. Bei uns wird das Wort in der Unterhaltung nur selten angewendet und
dann in der Regel in der Bedeutung klein und zierlich, was doch den eigent
lichen Sinn nicht deckt. Von einem niedlichen Kaffeekränzchen oder Rauch-
klübchen würde man bei uns nicht zu sprechen wagen, vielleicht aber geschähe es
anderswo.
Schräg, Schrägen, Schrank, Schranke.
Das Wort kommt im 16. Jahrhundert vor, es bezeichnet in schiefer Linie
laufend. Man spricht auch von schrägen Flächen, einem schrägen Dache. Etwas
steht oder liegt schräg. Er wohnt dem Rathaus schräg gegenüber.
Schrägen oder schräg machen. Einen Graben, ein Bett abschrägen. Von
schräg abgeleitet ist das Dingwort Schrägen. Man versteht darunter schräg oder
kreuzweis stehendes Holzwerk. Der Schrägen, auf den der Holzarbeiter das
Y Eine Auswahl derselben für die Schule habe ich eigentlich nur in dem schon
erwähnten Lesebuch von Karl Hessel gefunden.

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