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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
über auch für geistige Dinge, wenn man von einem sagt: er setzte sich dadurch
dem Verdacht der Beschränktheit aus.
Unter Beschränkung versteht man die Handlung des Beschränkens und etwas
Beschränkendes. Die Beschränkung der Forderungen auf das Notwendigste. Vor
Errichtung des Zollvereins litt der Handel in Deutschland an vielen Beschrän
kungen. In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister. Goethe.
Verschränken heißt kreuzweise zusammenlegen, verflechten. Die Hände,
Finger, Füße verschränken. Man kann auch die Stellung der Wörter verschränken
und dadurch das Verständnis erschweren. Auch heißt verschränken, etwas mit
Schranken umgeben, so daß der Zugang oder Gebrauch gehindert wird. „Ich
werde fortfahren, mir die Freiheit des Wortes in keiner Weise verschränken zu
lasten." Bismarck. Man spricht von einem unumschränkten Herrscher.
Einschränken sagt in Schranken bringen oder wie in Schranken bringen.
Einem die Freiheit einschränken. Eine eingeschränkte Wohnung. In Bezug auf
Leben und Auskommen muß mancher sich einschränken. Er lebt gar zu ein
geschränkt, d. h. die Mittel sind zu knapp. Das Wort uneingeschränkt wird
benutzt zur Bezeichnung des vollen Eigentums. Das Wort Einschränkung
bezeichnet das Einschränken in der angegebenen Bedeutung. Einen nur mit
Einschränkung loben. Er muß in großer Einschränkung leben und sich manche
Einschränkungen auferlegen.
Zuletzt muß ich noch eines sehr alten Wortes gedenken, das nach meiner
Meinung nicht mehr in der Schrift verwandt wird, sondern nur noch mundartlich
vorkommt, es heißt schrankelen. Ahd. skranchelön heißt mit sich verschränkenden
Beinen, mit schräg stehenden Beinen gehen, wanken, schwanken, taumeln. So
ist der Gebrauch noch heute. Von einem etwas angetrunkenen Menschen sagt
man: er schrankelt, er schrankelt über die Straße. Aber man sagt es auch von
denen, die wegen ihrer X- oder O-Beine nicht fähig sind, ein Schwanken im
Gehen zu vermeiden, die nur schrankelig zu gehen vermögen.
Horch, die Glocken hallen dumpf zusammen,
Und der Seiger hat vollbracht den Lauf. Schiller.
In jungen Jahren dachte ich, hier sei ein Druckfehler und das Wort müsie
Zeiger heißen; aber ich hatte mich geirrt.
Sihan heißt seihen, ein Wort, von dem seicht herrührt. Zu den Ab
kömmlingen von sihan gehört auch sigan sich niederwärts bewegen, sich senken,
sinken, tröpfelnd fallen, sickern. Dies Wort hat dem Gerät den Namen gegeben,
das unter wechselndem Steigen und Sinken dazu bestimmt ist, das Gewicht einer
Sache anzugeben; die Wage hieß früher Seiger. Später wurde der Name auf
die Sanduhr übertragen, die ja durch Sinken des Sandes den Verlauf der
Zeit anzeigte. War dann der Sand abgelaufen, so kehrte man den Seiger um
und stellte dadurch die Uhr wieder richtig. Auch heutzutage noch sagt man: die
Uhr ist abgelaufen, sie wird richtig gestellt, aber diese Ausdrücke gebraucht man
von ganz anderen Vorgängen als bei der Sanduhr. Als nachher die Uhren
mit Gewichten in Häusern und Türmen aufkamen, sah man am Perpendikel
Steigen und Sinken und übertrug auf das neue Gerät den alten Namen
Seiger. Der Seiger hat vollbracht den Lauf steht also dem alten Ausdruck
von der Sanduhr gleich: sie ist abgelaufen. Die Zeit für das Wort Seiger
ist nun wohl selbst abgelaufen, da man es nicht mehr hört.

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