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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
Siech.
Das got. siukan bedeutet krank sein, schwach sein; ahd. sieh ist krank.
Dazu gehört unser siechen, krank sein, das Siechtum, die Krankheit, sowie
das Siech bett. Siech ist die alte deutsche Bezeichnung für krank; dies Wort
ist weit jünger. Darum ist auch das Wort Siechenhaus weit älter als
Krankenhaus. Ein Abstraktum zu siechen ist die Seuche; wir verbinden
mit einer so bezeichneten Krankheit die Vorstellung der Ansteckungs- oder Über
tragungsgefahr. Die Sucht ist auch eine Bildung aus siech zur Bezeichnung
einer Krankheit: Wassersucht, Schwindsucht. Mitunter wie in Sehnsucht
bezeichnet es ein krankhaftes Verlangen. Diese drei Zeitwörter haben mit dem
Worte suchen nichts zu schaffen. Es ist eine bloße Wortspielerei in dem Spruche:
die Eifersucht ist eine Leidenschaft, welche mit Eifer sucht, was Leiden schafft.
Im Niederdeutschen stndet sich von siechen die Form sückelen -- kränkeln
und das Dingwort Sückelei. Wir merken uns noch, daß man nicht nur von
einem Krankheitsfall spricht, sondern auch sagt: er fiel in eine Krankheit,
ndd. „he fiel in die Sückelei" und in Frankreich: II tomba malade. Das
Fallen deutet das nachfolgende Liegen an.
Steigen.
Die ahd. und mhd. Formen hatten neben der jetzigen Bedeutung früher
auch noch die Bedeutung „schreiten", die später im Deutschen verloren gegangen
ist. So durfte man ehemals statt das Bett besteigen auch sagen das Bett
„beschreiten". Jetzt ist das durchaus ungebräuchlich. Aber aus jener Zeit
schreibt es sich her, daß sogar ein Weg, der doch eben ist oder etwa eine schmale
Brücke, die zum steigen gar keine Gelegenheit bietet, aber allerdings wohl
beschritten werden kann, den Namen Steg oder Steig erhalten konnte. Man
spricht vom Fußsteg oder Fußsteig. Wohl aber tritt die heutige Bedeutung von
steigen hervor, wenn eine schmale Treppe die Bezeichnung Stege oder Stiege
erhält. Hühnerleiter oder Hühnerstiege. Der Stiegel (ahd. mhd.) ist eine
Vorrichtung zum Übersteigen eines Zaunes; er führt in ndd. Gegenden auch den
Namen Stapp von stapfen. Ein M a r t e r st e g oder Martersteig ist ein Prozessions
weg mit Halteplätzen zum Andenken an den Leidensgang Christi.
Der Stegreif ist ein Reif oder Ring zum bequemen Besteigen eines
Pferdes, ein Steigbügel. Wenn jemand sich nicht die Zeit nimmt, vom Pferde
zu steigen, sondern die Füße im Stegreif läßt und doch dabei ein Geschäft ver
richtet, so tut er es aus dem Stegreif. Ein eiliger Trunk aus dem Stegreif.
Es gibt Leute, die imstande sind, eine Rede aus dem Stegreif zu halten, d. h.
ohne alle Vorbereitung oder lange Überlegung. Früher gab es hier oder da
berittene Straßenräuber, sie wurden spöttisch Stegreifritter genannt.
Bei Bauten benutzt man Steigehölzer und bezeichnet das Baugerüst
auch wohl als Gesteiger. Von dem Steigen in den Schacht werden Vor
gesetzte der Bergleute Steiger oder Obersteiger genannt, und bei der
Feuerwehr gibt es eine Steigerabteilung. Es gibt Personen, die zum Ver
gnügen Berge besteigen, die Bergsteiger. Diese benutzen zuweilen Steig
eisen. Was sichersteigen oder besteigen läßt, ist ersteigbar oder besteigbar.
Die Hitze eines Ofens, der Preis einer Ware kann steigen. Man kann
aber auch bewirken, daß Hitze oder Preis steigen, man kann sie steigern.
Wenn Sachen nach gesteigertem Geldgebot zum höchsten Angebot verkauft werden,

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