Zum neuen Jahre.
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sammenwirken von Haus, Schule und Kirche zur Hälfte ein Gerede bleiben und
dem vereinzelten Bauen auf jedem dieser Gebiete der beste Teil des Segens
verloren gehen: es fehlt das Fundament des Zusammenschlusses. Leider will es den
Anschein gewinnen, als ob in dem Maße, wie die große Zeit der kirchlichen und
pädagogischen Belebung in den Hintergrund tritt, auch in demselben Maße in
Schulen und Seminarien das Interesse an großen Fragen und Zielen am Ab
nehmen sei. Was Wunder also, wenn dem nachgeborenen Geschlechte für das,
was Männer wie Harnisch, Stern, Zahn u. a. gewirkt und gewollt haben, der
Maßstab verloren geht."
Zahn zeichnet ein Ideal, und es ist gewiß, daß es nach dem Stand der
Dinge sich auch in unserer Zeit nicht verwirklichen läßt. Aber wenn dies auch
so ist, so ist doch auch jetzt wie immer wahr, daß Ideale Leitsterne sind, die die
Richtung geben und denen freudig zugestrebt werden muß, unbekümmert um den
noch so geringen Erfolg. Gott wird der ernsten, selbstlosen Arbeit seinen Segen
nicht vorenthalten, und nichts Gutes geschieht vergeblich, wie unser alter Freund
Hülsmann so gern betonte.
Statt nun das Ideal fest im Auge zu behalten, arbeitet man hier an
einem möglichst pädagogisch richtigen Religionsunterricht in der isolierten Schule,
dort sucht man wenigstens ein leidliches Verhältnis zwischen dem religiösen Unter
richt in Kirche und Schule herzustellen. Nirgends aber bemüht man sich, in
rechter Weise die entscheidenden Faktoren Familie und Gemeinde ins Interesse zu
ziehen. Es ist gewiß von nicht geringer Bedeutung, daß der Schul-Religions-
unterricht recht pädagogisch gestaltet werde; mehr ist es, wenn Pfarrer und
Lehrer sich in der religiösen Jugendunterweisung in rechter Weise fördern. Ob
und wie weit aber ihr Bemühen Erfolg haben wird, das hängt wesentlich von
dem Verhalten der Eltern und der Gemeinde ab, und darum dürfen diese be
deutsamsten Erziehungsfaktoren weder bei dieser, noch bei einer andern Erziehungs
frage übersehen oder außer Rechnung gelassen werden.
Dörpfeld ist dem Zahnschen Ideal treu geblieben. Als ich im Jahre 1891
nach Zahns Tode in einem Nachruf auch Zahns Gedanken über den Religions
unterricht näher dargelegt hatte, sagte mir Dörpfeld bei der nächsten Begegnung:
„Ich habe mir noch eine Reihe Exemplare von diesem Heft kommen lassen und
sie an bestimmende Persönlichkeiten geschickt. Hoffentlich wirkt's, und kommen
wir einen Schritt vorwärts."
Wie er nie an die pädagogische Berechtigung der isolierten Schule geglaubt
hat, so hat er auch nie von dem besten in ihr erteilten Religionsunterricht rechte
Früchte erwartet, und wenn er ermüdet auch nicht immer wieder auf sein Ideal
verwies, so hat er es doch immer im Auge gehabt, und seine Arbeiten für den
Schul-Religionsunterricht verdanken ihre Bedeutung vor andern eben dem Um
stande, daß er den rechten Zielpunkt nicht aus dem Auge verlor.

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