70
II. Abteilung. Zur^Geschichte des Schulwesens rc.
Ansprache. Das Zeitwort wackeln, eine verstärkende Bildung und das dazu
gehörige wackelig.
Eine weitere Gruppe gehört näher zu dem Worte Weg. Der Weg, ahd.
wec (Gen. weges) bezeichnet daö, worauf man sich fortbewegt, eine eingeschlagene
Richtung und zwar auch im übertragenen Sinne. So spricht man vom Wege
der Forschung, der Untersuchung, wie man ja auch von den Pfaden der Wisten-
schaft redet. Aber Fahrweg, Fußweg, Heerweg sind Dinge der aller
gewöhnlichsten Welt. Unser Wort weg! hinweg! bedeutet: aus dem Wege!
Dahin pasien wegnehmen, die Wegnahme. Das Verhältniswort wegen
erklärt man gewöhnlich als „auf Anlaß", „mit Rücksicht auf". So erklärt sich
die Wendung „von Rechts wegen". Meinetwegen, deinetwegen, seinetwegen haben
ein überflüssiges t aufgenommen und ein n eingebüßt (man vergleiche die ndd.
Formen). Allewege = in jedem Betracht; allerwegen - überall. Der
Wegerich, Wegebreit, Plantago ist der Wegebeherrscher, der auch den Sohlen
der Wandeier widersteht und sein Reich auf dem Wege behauptet.
Das Werkzeug, das durch sein Bewegen, seine wiegende Bewegung zum
Wägen und Wiegen, zur Ermittelung des Gewichts dient, ist die Wage.
Früher wurde sie auch wohl Seiger genannt, weil sie abwechselnd nach ver
schiedenen Seiten sich neigte oder sank; ihr Name war also von sinken gebildet.
Die Wage hat Wagschalen, ihr Balken steht bei Gleichgewicht wage-
recht. Die Stücke, mit denen man das Gewicht ermittelt, heißen selbst
Gewichte. Muß man viel Gewicht auflegen, um Gleichgewicht herzustellen, so
ist die Ware sehr gewichtig. Ist Gleichgewicht vorhanden, so legt der Krämer
noch etwas der Ware zu, damit die Zunge der Wage deutlich zu gunsten des
Käufers ausschlägt, er gibt den Ausschlag. Das hat zu der bildlichen Redens
art geführt: dieser Umstand hat bei der Sache den Ausschlag gegeben, hat die
Entscheidung herbeigeführt. Ähnlich erklärt sich die Wendung: dieser Umstand
fiel bei der Entscheidung schwer in die Wagschale. Wenn zwei Personen sich
auf die Wagschalen stellen und alsdann Gleichgewicht eintritt, so hält der eine
dem andern die Wage, ist ihm an Gewicht gleich. Diese Redensart wird auch
auf geistige und leibliche Kräfte angewandt und bezeichnet ein Gleichstehen. Fast
ganz gleiche Bedeutung als einem die Wage halten hat die Wendung „einem
gewogen sein", also mit ihm gleich hoch schweben, aber daneben auch den
Sinn ihm zugetan sein, es mit ihm halten. Gewogenheit.
Die Sache ist noch auf der Wage heißt, es ist noch ungewiß, wofür man
sich entscheiden wird; man sagt auch wohl, sie steht auf der Kippe, auf der
Wippe, die Entscheidung steht nahe bevor. Wir wollen es auf die Wage legen
meint wohl, wir wollen es dem Zufall überlasten. Etwas wagen, etwas auf
die Wage setzen oder aufs Spiel setzen, es in die Schanze schlagen, es dem
Glücksfall überlasten. Im Mittelalter verstand man dabei, daß der Ausgang
ungewiß sei. Das denkt man heutzutage nicht immer hinzu. Denn man befolgt
recht oft den Spruch Moltkes: Erst wägen und dann wagen. Folgende Wörter
finden hier schicklichen Anschluß: Wagnis, Wagestück, Wagpals, waghalsig. Hals
gilt hier als Person wie bei dem Ausdruck „ein guter Hals", ein „Lügenhals".
Verwegen oder vermögen ist ursprünglich wer alles vermögen hat,
d. h. als wertlos hat fahren lasten. Erwägen ist ein übertragenes Wort.
Es heißt eine Sache von allen Seiten nach Gründen und Folgen überlegen, um
sich in richtiger Art für oder gegen sie entscheiden zu können.

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.