Sprachliche Plaudereien.
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das, was zu irgend einem Zwecke als Vorbereitung und Zurüstung nötig ist,
bedeutete also auch sich vorsehen, sich versehen mit etwas. Auch in dieser
Bedeutung ist das Wort zu den Franzosen gekommen und von ihnen in garnir
umgestaltet worden. So wird nun auch. da Frankreich das Land ist, aus dem
die Moden zu uns kommen, bei unsern Frauen ein Hut oder ein Kleid garniert,
d. h. mit dem nötigen Besatz und Putz versehen und versorgt. Und wenn auch
viele darauf bereitwillig verzichten, ihren Frauen etwa eine Perlengarnitur zu
schenken, so bringt es doch hier und da einer bis zur Pelzgarnitur. Und wenn
auch das nicht gelingt, so sehen wir es doch gern, wenn am Teeabend die
Schüssel für die Schinken- und Wurstschnitten hübsch mit Grün versorgt oder
garniert auf dem Tische erscheint.
Schurigeln.
Man versteht darunter einen zwecklos plagen oder quälen. Es ist ein
Wort der niedrigen Rede. Man behauptet, daß es aus einem md. sollurgslrr
entstanden sei und führt dieses als Häufigkeitswort auf schurgen, schürgen,
ahd. scurgan stoßen, schieben zurück. Am Rhein heißt der Karrenschieber
Schürger, er schürgt die Schürgeskarre.
In Zusammenhang steht Schurke, ein schlechter, nichtswürdiger Mensch.
Früher hatte dies ahd. Wort milderen Sinn. Es bezeichnete einen armen Kerl,
der sich mußte hin und her stoßen lassen. Was mache ich dann, wenn mir die
Schurken nicht gehorsam sind? Erst später kam die scharfe Bedeutung auf.
Schurke von einem Wirte. Minna v. Barnhelm. — Dazu: Schurkenstreich,
Schurkerei, schurkisch.
Nach anderer Meinung kommt es von scheren in dem Sinne von quälen.
Jemand etwas „zum Schure", zur Plage tun. Laß mich ungeschoren! quäle
mich nicht.
Zeihen, verzeihen, verzichten, zeigen.
Ahd. und mhd. galten die Formen zihan und zihen, as. tihan. Der
Sinn des Wortes ist, etwas aussagen von, beschuldigen, anschuldigen. Oft steht
der Genetiv dabei. Wer unter euch kann mich einer Sünde zeihen? Jemand
eines Fehlers zeihen. Die Zicht, Jnzicht ist Beschuldigung, Anklage, und
das dazu gehörige Zeitwort ist bezichtigen, was irrtümlich auch wohl
bezüchtigen geschrieben wird. Diese Verwirrung stammt aus Thüringen, wo
beide Wörter gleiche Aussprache haben.
Zeihen wird mit der Vorsilbe vsr verbunden. Solche Zusammensetzungen
haben die Bedeutung des Entgegengesetzten, Verschlechterten, des Veränderns.
So hat verzeihen gar nicht mehr den Sinn der Aussage, der Beschuldigung,
der Anklage. Man nimmt diese Dinge zurück, macht keinen Anspruch auf die
gebührende Strafe, rechnet Verschuldetes nicht an. Ebenso ist es mit Verzicht
und verzichten, die den Sinn von Entsagung und entsagen haben. Diesen
Wörtern entsprechen die ndd. Formen Verticht, verteihen, die denn auch der ndd.
Sprache gemäß auf den Genetiv verzichten. Vögel verzichten auf ihr gestörtes
Nest, sagen sich von ihm los, leisten darauf Verzicht, geben es auf, ver
teihen es.
Zu der Angabe, daß verzeihen soviel als versagen, abschlagen bedeuten
kann, finde ich einen Satz Luthers: (der Mensch sollte) gerne alles, was auf
Erden ist, sich verzeihen.

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