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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
gogik Herbarts zugrunde legt/) wurde nicht immer beachtet, so daß die begrün-
deten Ausführungen des Herrn Ufer, insbesondere seine positiven Befserungs-
vorschläge, nicht zur vollen Würdigung gelangten.
Am Nachmittage hielt Herr Rektor Foltz aus Barmen, nachdem der
Antrag, die Verhandlungen über die Ufersche Arbeit fortzusetzen, von der Ver
sammlung abgelehnt worden war, einen einleitenden Vortrag über die Willens
bildung. Seine Arbeit, die ebenfalls gedruckt vorlag, gliedert sich in einen
psychologischen und pädagogischen Teil. Nach der Ansicht des Verfassers unter
scheidet sich das Wollen von dem Empfinden. Vorstellen und Fühlen durch eine
spezifische Aktivität, die diesen Seelenzuständen fremd ist. Die Grenze zwischen
Gefühl und Willen sei freilich oft schwer festzustellen. Es gäbe Zustände, die
man sowohl zu der einen, als auch zu der andern Kategorie zählen könne. Liebe,
Haß, Ekel, Widerwille, Sehnsucht seien Gefühle, denen ein Wollen unmittelbar
innewohne. Alles Geschehen in der leblosen Natur wie in den organischen Wesen
müsse auf Triebe zurückgeführt werden. Ebenso lasse sich alles Begehren,
Wünschen und Wollen nur aus Trieben erklären. Unsere Seele sei darauf an
gelegt, daraus abgestimmt, dazu disponiert, darauf innerlich vorbereitet, so oder
anders zu wirken. Sie habe Kräfte, die sich entwickeln, Gaben, die sich ent
falten, Fähigkeiten, die sich auswirken wollten. Wie sich jedoch ein ruhender
Körper nicht von selbst in Bewegung setze, so gehe auch der Trieb nicht von
selbst in ein Begehren über, dazu bedürfe er eines Reizes, der ihn auslöse. Als
solche kämen nicht nur Gefühle, sondern auch Vorstellungen, Gedanken und ver
nünftige Überlegungen in Betracht. Wenn sich der eine für Geschichte, der andere
für Philosophie, der dritte für Mathematik interessiere, so rühre das daher, daß
diese Fächer seinen Fähigkeiten und Anlagen entsprächen und darum die Be
schäftigung mit ihnen für sie lustbringend und angenehm sei. Der Zweck des
Begehrens sei also ursprünglich nicht die mit seiner Befriedigung verbundene Lust,
sondern die Anlagen und Triebe seien vor aller Lust vorhanden, und diese stelle
sich ungesucht ein, wenn jene sich auswirken könnten. Die Bedeutung der Lust
für den Willen liege darin, daß sie für uns als Ansporn wirke, unserer Be
stimmung gemäß zu leben, unsere Kräfte zu gebrauchen, in unserm Streben nicht
zu erlahmen, sondern rüstig weiterzuarbeiten. Der Schmerz dagegen diene der
Lebenserhaltung, indem er zur Flucht und Abwehr antreibe, ehe die den Schmerz
verursachende Störung zur Vernichtung führe. Nicht weniger bedeutsam sei der
Einfluß, den das Denken auf den Willen ausüben könne. Durch Vorstellungen
und Gedanken könne der Wille gehemmt und gefördert werden; sie könnten ihn
vom Bösen abhalten und zum Guten antreiben. Die moralische Anstrengung
dabei bestehe darin, die richtige Auffassung von seinem Vorhaben nicht aus dem
Bewußtsein zu verlieren, sondern auf sie fortdauernd die Aufmerksamkeit zu lenken.
Durch stete Arbeit an sich selber könne der Mensch dahin kommen, daß er nicht
mehr blinden Trieben folge, sondern sich wie Kant in seiner ganzen Lebensführung
von vernünftigen Überlegungen bestimmen lasse. Aus diesen Ausführungen leitet
Herr Foltz folgende Mahnungen ab: Suche das unmittelbare Interesse zu wecken.
Sorge dafür, daß sich das Wissen der Kinder in Handlung umsetzt. Erziehe sie
i) Selbstverständlich nicht, als ob die Herbartische Pädagogik dogmatisiert werden
sollte, sondern in dem Sinn, daß sie den gemeinsamen Beziehungspunkt für die Be
sprechung bildet, indem man sie entweder fester zu begründen, zu erweitern und aus
zubauen oder zu widerlegen und zu berichtigen sucht.

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