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-Ä- III. Abteilung. Literarischer Wegweiser.
Religionsunterricht.
a) Allgemeines.
Brammer (Seminarlehrer in Lüneburg): Neue Bahnen für den Religionsunterricht.
II. Teil: Lehrpläne und Lehrproben. Braunschweig und Leipzig 1903, Hellmuth
Wollermann. 162 S. 2 M.
Brammer gibt im ersten Bande seiner „Neuen Bahnen" eine Darstellung und Be
urteilung der verschiedenen Reformbestrebungen im Religionsunterrichts) Der vorliegende
zweite Teil bringt Lehrpläne und Lehrproben.
Die Grundlinien für die Lehrpläne stellen das Resultat der kritischen Erörterungen
des ersten Bandes dar: wo sie Abweichungen von der bisherigen Praxis aufweisen, da
sind diese — wie der Versager ausdrücklich hervorhebt — lediglich pädagogisch begründet,
nicht aber durch die negative Kritik der modernen Theologie bestimmt.
Was vom Verf. vorgeschlagen wird, ist im wesentlichen folgendes: 1. Sichtung und
Einschränkung der Stoffmenge, namentlich auch aus dem Alten Testament, damit für
Prophetismus, Neues Testament und Kirchengeschichte Zeit gewonnen wird. 2. Zweck
mäßige Verteilung der Arbeit zwischen Kirche und Schule zur Entlastung bezüglich des
Katechismus-Unterrichts und der Penkopen-Erklärung. 3. Grundsätzliche Änderung des
Unterrichts der Kleinen. 4. Vermittlung zwischen den beiden Extremen der konzentri
schen Kreise und der kulturhistorischen Stufen. 5. Einheitlicher Religionsunterricht durch
Zusammenschluß der verschiedenen Lehrstoffe nur auf der Unterstufe und zum Teil aus
der Mittelstufe; auf der Oberstufe dagegen gesonderte Lehrgänge für Katechismus, bib
lische Geschichte und Kirchenlied.
Den größten Teil des Buches — reichlich 120 Seiten — nehmen dann die Lehr
pläne selbst in Anspruch. Der Verfaffer hielt es nämlich „für ersprießlich, jedes ein
zelne Schulsystem der Volksschule in den Kreis seiner Erörterungen zu ziehen." Dabei
gehen alle weiteren Pläne zurück auf den grundlegenden Plan, der für die einklassige
Schule aufgestellt ist. Für das erste Schuljahr wird hier unter Hinweis auf Ranke,
Poninska, Wangemann und Gieseler biblischer Anschauungsunterricht vorgeschlagen,
„verbunden mit einer Pflege des Gebetslebens."
Den Lehrplänen folgen vier Lehrproben (die erste Religionsstunde, Jesus der
Äinderfreund, Perpetua und Felicitas, Mit Ernst, o Menschenkinder) und schließlich im
Anhang ein Verzeichnis von „Hilfsbüchern für den Religionsunterricht der Volksschulen
evangelisch - lutherischer Konfession." Die „moderne Theologie" bekommt bei dieser
Gelegenheit abermals eins ab.
Im ganzen haben wir es hier mit einem Buche zu tun. an das viel Fleiß und
Sorgfalt gewandt ist, wie das namentlich in der mühevollen Kleinarbeit der Lehrpläne
zutage tritt. Auch wer den hier vertretenen theologischen Standpunkt nicht teilt, wird
doch für die Praxis mancherlei Anregung aus dem Buche schöpfen können.
b) Präparationen zur biblischen Geschichte.
Reling (Kgl. Präparanden-Anstaltsvorsteher in Wandersleben): Vorbereitungen zu den
biblischen Geschichten des Alten und Reuen Testaments. 2. Aufl., nach den Lehr
plänen vom 1. Juli 1901 ergänzt und erweitert. Gotha 1903, Thienemann. 465 S.,
geb. 4,80 M.
Westphal (Seminar-Oberlehrer): Religionsbuch für evangelische Präparanden-Anstalten.
II. Teil: Das Leben Jesu. Leipzig 1903, Dürr'sche Buchhandlung. 176 S., geb.
2,20 M.
Reling bietet eine gute Handreichung für den gesamten Religionsunterricht in der
Präparanden-Anstalt. Jeder Einzelgeschichte stellt er eine Gliederung voran, darauf
werden die nötigen Wort- und Sacherklärungen gegeben, und endlich schreitet die Be
handlung fort zur religiös-ethischen Vertiefung und Anwendung der Geschichte. Auf
*) Vgl. Jahrg. 1902, S. 98 f.

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