III. Abteilung. Literarischer Wegweiser.
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und Schmierigkeiten. Das Buch bedarf einer gründlichen Umarbeitung und Ver
besserung, bevor es mit seinesgleichen erfolgreich konkurrieren kann. —
Hollenwegers Buch ist in erster Linie für Taubstummenanstalten bestimmt, weiterhin
aber auch für solche Volksschulen, die mit besonderen sprachlichen oder geistigen
Schwierigkeiten bei ihren Schülern zu rechnen haben. Es erscheint für diesen Zweck
recht geeignet wegen der kurzen, schlichten Form des Textes, der geschickten Anknüpfung
der Katechismusstücke und besonders auch wegen der Bilder (von Schnorr), die in dieser
zweiten Auflage fast jeder Geschichte beigegeben sind.
Mülheim a. d. Ruhr. Pade.
Geschichtsunterricht.
Böe: Kulturbilder aus Deutschlands Vergangenheit. 3. Aufl., Leipzig bei Gräbner.
Preis etwa 3,50 M.
Die Forderung, daß der Geschichtsunterricht die Kulturentwicklung unseres Volkes
in weitgehender Weise berücksichtigen müsie, hat sich allmählich wohl überall als be
rechtigt durchgesetzt. So erscheint denn auch kaum noch ein Geschichtsbuch, das ihr
nicht gerecht zu werden suchte. Manche wollen gar diese Seite des Geschichtsunterrichts
besonders fördern. Zu ihnen gehört das oben genannte Werk. Es bietet auf 327
Seiten 41 Kulturbilder, die durch <5 Illustrationen verdeutlicht werden. Der Verfasier
hat es meist verstanden, den Ton der trockenen Beschreibung der kulturellen Zu
stände zu vermeiden. Das zeigt sich schon im ersten Abschnitte und tritt besonders her
vor in dem Bilde „Aus dem Leben einer deutschen Stadt im Mittelalter", der nach
Gust. Freitag verfaßt ist. Auf diese Weise gewinnt und erhält man das Interesse
jugendlicher Zuhörer und Leser, die ja immer nach einer „Geschichte" dürsten. Nicht
immer ist es freilich möglich, so plastisch zu gestalten, daß man die Zustände gleichsam
vor sich abrollen sieht.
Alle 41 Bilder hier zu besprechen und auf ihre historische Treue oder auf ihre
schriftstellerische Bedeutung zu prüfen ist natürlich nicht möglich, auch nicht nötig.
Denn der Verfasser tritt nicht als Historiker, sondern als Pädagoge auf, er sucht seine
Verdienste nicht auf dem Gebiete der Geschichtsforschung, ja nicht einmal der Geschichts
schreibung, er legt uns nicht neue Quellen vor, sondern stellt Stoffe bereit zur Ver
wendung in der Schule. Man kann sich mit der Auswahl einverstanden erklären. Auch
die Begrenzung des Stoffes in den einzelnen Darstellungen darf als richtig bezeichnet
werden. Nicht zum mindesten ist die einfache und klare Sprache zu loben.
Die Verwendung des Buches ist nicht so zu denken, als sollten die Abschnitte der
Reihe nach durchgearbeitet werden: sie müssen vielmehr an den passenden Stellen ihre
Einfügung erfahren. Auch die Art der Benutzung kann nicht so sein, daß man eins
der gebotenen Bilder etwa durch den mündlichen Vortrag entstehen läßt, sondern es
muß stückweise im Unterrichte erarbeitet und kann dann an einer passenden Stelle zu
sammengefügt und ergänzt werden. Vom Bauernstand im Mittelalter wird geredet bei
Karl d. Gr. — Meier Helmbrecht wird der Schülerbibliothek eingefügt — und bei den
Bauernkriegen; auch wohl beim Raubrittertum. Dann wird das Bild zusammengestellt
und etwa nach Nr. 17 ergänzt. So geschieht es meistens. Unter den mir bekannten
Büchern eignet sich kaum eines bester als dieses dazu, den durch die amtlichen Lehr
pläne noch meist festgelegten Gang im Geschichtsunterrichte paffend zu ergänzen. Zu
dem Zwecke ist es wünschenswert, daß es in größerer Zahl in der Schülerbiblivthek
oder gar in den Händen einzelner Schüler sei. Ja auch in mancher Hausbücherei dürfte
dem Buche eine Stelle eingeräumt werden können.
Heil, vr. Bernh.: Die deutschen Städte und Bürger im Mittelalter. Leipzig 1903,
Teubner. 151 S.
Wir reihen hier an die Besprechung eines Bändchens aus der Sammlung „Natur
und Geisteswelt" betitelt, „Die deutschen Städte und Bürger im Mittelalter." Das
Merkchen ist nicht direkt für die Schule bestimmt, sondern sucht seine Leser unter den
Gebildeten aller Stände und will ihnen die großartige Kulturarbeit des Mittelalter--
lichen Bürgertums zum Bewußtsein bringen. Zu dem Zwecke erzählt es von den An
fängen des Bürgertums in Süd- und Westdeutschland, von der Gründung der ostdeut
schen Kolonialstädte und ihrer Entwicklung bis zum 13. Jahrhundert, von der wirt
schaftlichen, sozialen und politischen Entwicklung der größeren deutschen Städte während
des 14. und 15. Jahrhunderts und von der äußeren Erscheinung und dem inneren
Leben der deutschen Städte am Ende des Mittelalters. Diese Ausführungen umfassen

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