94
III. Abteilung. Literarischer Wegweiser.
151 Seiten. Auch dieses Büchlein unterstützt seine Ausführungen durch eine Anzahl
(24) von Abbildungen. Man sieht, daß auch dieses Büchlein zur Verbreitung der
Kenntnisie über die kulturelle Entwickelung in Deutschland beitragen kann.
Elberfeld. Döpp.
Hertz, Paul: Unser Elternhaus. Hamburgische Hausbibliothek. Herausgegeben im
Aufträge der Gesellschaft Hamburger Kunstfreunde usw. Hamburg 1902, A. Janßen.
i. bis 5. Tausend. 98 S.
Der Verfasier malt in leichten, frischen Zügen sein Elternhaus am holländischen
Brook in Hamburg, indem er gleichzeitig von seiner glücklich verlebten Jugend plaudert
und einen Blick tun läßt in das Leben eines ehrbaren, soliden Hamburger Großkauf
manns. Es ist ein erquickendes Buch, das weit über das Weichbild Hamburgs hinaus
dankbare Leser finden wird. Dem Alter und der reiferen Jugend sei es aufs beste
empfohlen.
v. Nathustus, E.: Alte Märchen. Den Kindern neu erzählt. Halle a. S., Gebauer-
Schwetschke, o. I. 90 S- 1.20 M.
Das Buch enthält folgende Märchen: Der Edelstein, Die Geschichte vom schlauen
Michel, Die Königin im Turm, Goldseelchen, Die Gänse, Die Löwin, Die beiden Brüder.
Sie sind inhaltlich nicht übel. Die Sprache ist einfach, aber nicht überall echt volks
tümlich. Prächtig sind die vielen Silhouetten von Fikentscher.
Eschenbach, Hans: Die beiden Merks. Eine Schulgeschichte. Cöln, Albert Ahn, o. I.
90 S. i M.
Die Cölnische Volkszeitung hat in ihrem Feuilleton mit dem Abdruck dieser Schul
geschichte begonnen, aber die Veröffentlichung plötzlich mit der Begründung eingestellt,
daß für zahlreiche darin auftretende Personen eine Menge von Zügen verwendet worden
sei, die auf lebende Personen bezogen werden müßten. Das Buch wird folglich Leser
finden. Es werden übrigens keine „Enthüllungen" gebracht; es ist eine ganz harmlose
Erzählung von einem jungen Lehrer, der ein Herz für die sozialen Nöte der Großstadt
hat und in seinem bescheidenen Wirkungskreise dementsprechend arbeitet. Die Erzählung
zeugt von Wärme des Gefühls und guter Beobachtungsgabe, zeigt aber zu viel Ab
sichtlichkeit und zu wenig ursprüngliche Gestaltungskraft. H. Möhn.
Dichtungen.
Rheno, Amilius : Epische Dichtungen. 1. Cäsar an der Rheingrenze. 2. Armin der
Retter des Vaterlandes. Odenürchen 1904, W. Breitenbach. 194 S.
Die erste Dichtung bildet, wie's im Vorwort heißt, die Einleitung für die zweite.
Sie sind beide in sechsfüßigen Jamben geschrieben. Der Inhalt ist durch die Überschriften
genügend gekennzeichnet. Der Dichter geht leider psychologischen Problemen ängstlich
aus dem Wege und wagt sich nicht an die Lösung seelischer Konstikte heran, weshalb
die Personen, bei sonst oft ganz gelungenen Schilderungen durchweg etwas Marionetten
haftes an sich haben. Was Hebbel in seinen Nibelungen erreicht hat, uns modernen
Menschen nämlich die Reckengestalten aus der germanischen Urzeit seelisch nahe zu
rücken, ist allerdings eine schwierige Aufgabe; hier ist die Lösung nicht gelungen.
Mülheim a. d. R. Möhn.
Greif, Martin: Neue Lieder und Mären. Leipzig, C. F- Amelangs Verlag. 300 S.
Geb. 4M.
Vor kurzem hat Greif sein 65. Lebensjahr vollendet. Seine „Gedichte" liegen in
7. Auflage vor. Berufene Kritiker haben in ihm längst einen unsrer besten Lyriker
erkannt: die landläufige Kritik reicht nicht an ihn heran, für sie ist seine Poesie zu
tiefgründig, zu fein, für sie steht Greif zu hoch. Den Schulblattlesern ist er kein Un
bekannter; auch wer seine Gedichte nicht besitzt, kennt ihn aus einzelnen Proben seiner
Dichtung.
Hier liegen nun seine neuen Lieder und Mären vor. Es ist ein herzerquickendes
Buch, das einem so unendlich viel zu sagen hat. Und wieder sind es, wie in den
„Gedichten", die kleinen Naturbilder, die Lieder und die schlichten lyrisch-epischen Er
zählungen, worin er uns das Beste gibt, was er zu geben hat. Hier spricht ein Mann
von überquellendem Gemütsreichtum, von stark bewegtem und doch völlig abgeklärtem
Seelenleben. Das Buch ist in seinen besten Teilen etwas für stille Stunden, für
Augenblicke der Einkehr. Mag der Dichter nun in solchen Stunden unsere Blicke hin
auslenken in die Natur, mag er ihn hinlenken auf ein Stück Menschenleben, oder auch

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.