Evangelisches Zchulblatt.
k== März. =*
I. Abteilung. Abhandlungen. ^ .> .* .> .*
Ober darstellenden Unterricht.
Von Lehrer Pa de in Mülheim a. d. Ruhr, ff
M. H.! Der englische Philosoph Carlyle macht einmal irgendwo über seine
ehemaligen Lehrer eine wenig schmeichelhafte Bemerkung. „Meine Lehrer waren
kalbslederne Pedanten," so ungefähr läßt er sich da aus, „sie wußten nur, daß sich
im Innern des Menschen ein Ding befindet, das man Gedächtnis nennt und auf
das man durch die äußere Leibeshülle hindurch vermittelst eines Haselstöckchens einwirken
könne." Derartige Erinnerungen an die Schulzeit ließen sich mit Leichtigkeit aus
Vergangenheit und Gegenwart zu Dutzenden ausfindig machen, und man könnte
ein ganz interessantes und vielleicht auch nützliches Stammbuch des Lehrers aus
ihnen zusammenstellen. Ich will hier nur noch hinweisen auf ein Urteil Roseggers,
das sich in seinem „Waldschulmeister" findet. Da faßt der Dichter seine Vor
würfe gegen Schule und Lehrer schließlich zusammen in den vernichtenden Satz:
„Und wer das dürre Zeug nicht mag, der wird mißhandelt!" Dürres Zeug,
Gedächtniskram, einseitige Verstandeskultur, Schul- und Bücherwisfen — das ist
so einiges von dem, was nach der Meinung vieler auf unser Schuldkonto gehört. Und
von andrer Seite wieder wird uns dann und wann mit schlecht verhehlter Gering
schätzung vorgehalten, daß unsre Arbeit doch im wesentlichen nur eine mechanische
sei, eine Handwerksarbeit, die über A—B —C- und Einmaleins-Drill, über das
bißchen Lesen, Schreiben und Rechnen nicht weit hinauskomme. Run ist ja ohne
weiteres zuzugeben, einmal, daß in unserm Berufe wie in den meisten andern
auch mancherlei Kleinigkeiten und äußerliche Dinge beachtet sein wollen, die den
Lehrer freilich nicht selten zum Pedanten werden lassen, und zum andern, daß
allerdings auch heutzutage die letzten Spuren der alten Lese-, Schreib- und Rechen
schule noch nicht völlig beseitigt sind und daß namentlich in den untern Klaffen
noch viel unnötiger Mechanismus sein Wesen treibt. Aber es ist doch auch
das nicht zu verkennen, daß die Lehrerschaft aufs ernstlichste bestrebt ist, den
Forderungen eines erziehenden Unterrichts mehr und mehr auch in der Praxis
gerecht zu werden, neben Verstand und Gedächtnis auch das Gemüt des Kindes
J ) Votrag, gehalten auf der amtlichen Konferenz im Jahre 1904.
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