Nr. 80
Pädagogische Post.
Seite 1187
Wieviel Lebcnsgebiete zu bearbeiten sind, kann nicht von vorn
herein festgelegt werden, auch diese Frage findet ihre Lösung m der
Praxis. Verlangt die Schule weitere Heftchen, so werden diese eben
beschafft. So bekommen wir Vogen, die dem Bauer, den: Bürger,
dem Handwerker, dem Kaufmann, dem Arbeiter, dem Bergmann,
dem Metallarbeiter gewidmet sind. Andere führen hin zum Dorf, zu
Moor und Heide, zum Wald und ins Gebirge. Andere begleiten den
Seemann und den Kolonisten. Wieder andere führen in die Rhein-
lande und andere nach Ostpreußen, diese verweilen auf der Wartburg
und im Thüringerlande, und jene führen uns nach Schwaben und
Bayern. Diese Bogen sind der Kleinstadt, andere der Großstadt und
der sozialen Not gewidmet. Bald verweilen wir mit unserm Bogen in
der Märchen- und in der Sagenwelt, bald führen uns andere Bogen
hinein ins moderne Verkehrsleben. So kann und wird jedes Gebiet
zwischen Himmel und Erde. von Sonne, Mond und Sternen an
gefangen. bis zu dem Bergmann tief unten im Schacht im Laufe der
Lahre seine Behandlung finden.
Wir ist dieses Werk zu schaffen?
Es liegt auf der Hand, daß nicht einer und nicht eine einzelne
dieses Werk schaffen können. Auch darf nicht ein Verband, wie die
Bereinigung der Stadtschulräte sich die Kraft zutrauen, ein solch
weitgreisendes Werk durchzuführen. Es darf und soll nicht ein ein
zelner, nicht eine einzelne Körperschaft Träger dieses Unternehmens
sein. Hier handelt es sich um das deutsche Kulturgut, das allen
Schülern ausnahmslos zugänglich gemacht werden soll. Dann ist
es eine selbstverständliche Forderung unserer Zeit. daß auch allen
Lehrern aller Schulgattungen die Möglichckeit zur Mitarbeit geboten
wird. Es müßte eine Zentrale gefunden werden, die allerseits als
neutral und objektiv angesehen wird; sie müßte sich hinter dieses
Unternehmen stellen, und nur so würde die volle Gewähr dafür
geboten, daß hier ein Werk zustande kommt, getragen von der Mit
arbeit der gesamten deutschen Lehrerküiaft. Diese Zentrale ist bereits
vorhanden, es ist das Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht
in Berlin. In dem Zentralinstitut, das als Reichsinstitut frei von
jeder behördlichen Einengung und Beeinflussung ebenso nahe dem
Süddeutschen, wie dem Norddeutschen, ebenso objektiv den Prote-
ftcmten wie den Katholiken, dem Volksschullehrer wie dem Philo
logen, den Vertretern der verschiedenen Weltanschauungsschulen
gegenübersteht, ist diese Stelle zu finden.
Das Zentralinstitut hat die MögliclLeit. an die gesamte deutsche
Lehrerschaft, an die Verbände der Philologen, der VolkLschuUchrer,
der Mittelschullehrer und der Fortbildungsschullehrer heranzu-
Lormnen und sie zur Mitarbeit zu gewinnen. Es gibt nur eine
ehrenamtliche Mitwirkung, denn von vornherein mnß auch der letzte
Schein vermieden werden, als könnte es sich hier um ein geschäft
liches Unternehmen handeln, um Gewinn und Ehre einzelnen Per
sonell zu bringen.
DaS Werk ist also so zu schaffen, daß Träger deS Unternehmens
die neutrale Stelle deS ZentralinstiiutS mit seiner pädagogischen
Abteilung wird; dieses müßte die gesamte Oberleitung übernehmen.
Das Zentralinftitut ruft, nachdem der ganze Plan in knapper Form
dargelegt ist, zur Mitarbeit die gesamte deutsche Lehrerschaft auf.
In gemeinsamen Besprechungen mit den Spitzen sämtlicher Lehrer-
verbände rverden die besonderen Mitarbeiter ausfindig gemacht und
gewonnen. Da die Städte ein besonderes Interesse an dem Zu
sammenkommen des Planes haben, da ihnen die Verwirklichung
Millionenersparnisse bringen wird, muß es gelingen, mit Hilfe der
Stadtverbände, wenigstens zunächst für ein Jahr Lehrer der ver
schiedenen Schulgattungen für die Verwirklichung völlig frei zu
bekommen. ES würden in Preußen vielleicht drei Lehrer, ein Volks,
schullehrer, ein Fortbildungsschullehrer und ein Philologe iür ein
Jahr vom Unterrichte völlig frei gemacht, damit sie sich ganz der
Sammelarbeit widmen können. Ebenso würden in Bayern und in
Sachsen vielleicht je zwei. in anderen Gebieten je einer für die Mit
arbeit gewonnen. Dabei kann es sich nur um Personen Handels
die auf diesem Gebiete seit Jahren tätig gewesen sind und große
Erfahrungen gesammelt haben. Auf eine Gruppe von Mitarbeitern
sei besonders hingewiesen, die heute in den Lesebüchern viel zu wenig
zu Worte gekommen sind, die Nichtpädagogen, die Leute des prak
tischen Lebens. ES ist ganz selbstverständlich, daß über den Bau
eines Ozeandampfers der Schiffsingenieur, über das Leben des
Bergmannes in der Grube der Steiger od.er Bergrat schreiben sollte.
Ueber volkswirtschaftliche Fragen sollte der Volkswirtschaftler schrei
ben, und die Aufsätze über Klosterwesen müßte der Abt von Maria-
Laach oder von Beuron übernehmen. So werden wir jedenfalls
lebensvolle Aufsätze erhalten, die mitten aus dem Leben heraus
gewachsen sind, die unsern Kindern die Augen öffnen für das bume,
mannigfaltige Leben da draußen. Ausgabe der pädagogischen Mit
arbeiter ist es dann, diese Aufsätze in die Sprache der Kinder um
zusetzen.
Dem Zentralinstitut muß eine Kommission von Pädagogen zur
Seite stehen, die die zusammengetragenen Stoffe auf ihre Brauch
barkeit hin nochmals prüfen. So wird alles weniger Gute aus
geschaltet. Die Papiernot und die Papierpreise zwingen uns. höchst
sparsam mit dem Druckpapier umzugehen und nur wertvolle Stoffe,
nur das Allerbeste aufzunehmen.
Dem Zentvalinstitut steht eine eigene Zeitschrift zur Verfügung.
In dieser könnte der Plan für einzelne Bogen und Serien ausein
andergesetzt werden, und gleichzeitig könnten Mitarbeiter für be
stimmte Gebiete gesucht und gewonnen werden.
Druck und Vertrieb der Bogen.
Wurden wir bisher bet unseren Ausführungen geleitet von dem
Bestreben, nur das Allerbeste, nur lebensvolle Aufsätze in die .Hefte
zu bringen, so erhebt sich nunmehr die Frage, wie diese Hefte am
billigsten im Druck herzustellen sind, und wie die Auslieferung am
bcguemsten durchzuführen ist, ohne daß an einer Stelle Stockungen
zu befürchten sind. Man könnte den Weg tvählen, daß Regierungen
oder Städte oder Verbände die Drucklegung in die Hand nähmen.
Hier ist zu befürchten, daß bei Ausschaltung des Privatunternehmen
leicht eine gewisse Schwerfälligkeit und Bürokratie einzieht. Jeden
falls liegt diese Gefahr sehr nahe. Das wirb vermieden, wenn di«
Drucklegung und die Auslieferung in die Hände eine- oder mehrerer
leistungsfähiger Verlage gelegt wird. Es braucht nicht besonder-
betont werden, daß hier nicht ein neue- Monopol gesüiaffen werde«
soll, das dem Verleger auf Kosten der Allgemeinheit mühelo-
Gewinne abwirft. ES ist heute bereits gelungen, einen Verleger zu
gewinnen, der bereit ist, auf jeden Verdienst bei der Fertigstellung
dieser Lesestoffe zu verzichten, der nicht zuletzt im Interesse unsere-
deutschen Volkes seinen Verlag, seine Einrichtungen und sein Per
sonal für dieses Unternehmen hochherzig zur Verfügung stellen will.
Aus der beiliegenden Anlage ist ersichtlich daß Verleger Hirt in
Leipzig und Breslau:
„in Anbetracht der Notlage, in tvelcher sich da- deutsche Volk
allenthalben befindet, erbötig ist. die Herllellnng der Lesestoff
bogen auf einer die allgemeinen Interessen in weitgehendem!
Maße berücksichtigenden Basis in die Hand zu nehmen. E-
follen nicht mehr verlcgerische Grundsätze für die Preisberech
nung dieses Lesestoffs in Bogenform maßgebend fein. Die
Preisbildung soll einer Kommission anvertraut werden, die
auS etwa drei Mitgliedern zusammengesetzt wirb. In dieser
Kon mission müßte vertreten sein da- Zentralinstitut für Er
ziehung und Unterricht, ein Mitglied des engeren Redaktions
stabes, ein Mitglied des Verlages. Für die Liefernngspreisi
der Bogen kommen nur in Betracht
1. die Deckung der Rohkosten für Papier und Drrrck,
2 die Deckung der Verwaltung-spesen.
Aut jeden geschäftsmäßigen Gewinn soll bei der in el«.
facher Ausführung herzustellenden Rsrmalauflage verzichtet
werden."
Auf dickem Wege wird bester und billigster Lesestoff beschafft,
so baö auch in Zeiten größter Not unsere Jugend geistig nicht
Hunger zu leiden braucht. »
Die Bogen werden gemlzt, ohne gebunden und geheftet z«
werden. Sie werden zu Backen von 10, 25 und 50 Exemplaren
gebündelt Für die Ausnahme des BogenS wird dem Kinde besonderer Umschlag and glattem, abwaschbarem Karton gegeben,
in welchem der einzelne Bogen durch eine Klemmvorrichtung befestigt
wird (vgl. SoenneckenS Schnellhefter). Dieser Umschlagbogen
braucht nur einmal von den Eltern gekauft werden und wird dann
im großen und ganzen die Schulzeit des Kindes aushalten. Die
Auslieferung der Bogen bürste nicht direkt vom Verlage unter
Uebergehuufl des Sortimenters an die Schulen erfolgen. Wir
dürfen den Buchhändlerstand nicht ausschalten, der heute schwer mit
der Not zu kämpfen hat. Andererseits aber niüßte der Buchhändler
sich dazu verstelln, mit einem niedrigeren Rabatt sich zu begnügen,
da die Bogen nur ln größeren Partien unmittelbar an die Schule
abgegeben werden. Lagerung und Auslieferung werd.'n dadurch
für den Sortimenter wesentlich erleichtert.
Die Kommission weiß wohl. daß dieser groß angelegte Plan auf
starke Bedenken stoßen wird. Trotzdem aber bittet sie im Interesse
der Jugend das Zentralinstitut anfS herzlichste, sich der Mütze zu
unterziehen und Trägerin deS Unternehmens zu werden. Sollte
jedoch das Zentralinstitut Wider Erwarten der Ansicht sein. dies«
Aufgaben nicht übernehmen zu können, so bittet sie für diesen letzten
Fall, das Protektorat üfcfr die Arbeit zu übernehmen. Dann wird
die Vereinigung der in der Schulaufsicht und Schulverwaltung
tätigen Vertreter der großen Städte des Deutsckicn Reiches die Her
ausgabe und die Drucklegung des Lehrstoffes unter dem Protekto
rate deS Zentralinstituts in die Wege leiten.
Stadtschulrat
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Unsere Verlragsgesellschasr
die
(Schlitz auf Seite 119a)
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