Nr. 10
Pädagogische Post
Seite 151
schneller. Ta nun aber der Schwerpunkt eines solchen, nach Kut-
sa-enart gebauten Autos sehr hoch lag. kippte er. auch in flachen
Kurven, leicht uni, wenn man es nicht vorzog, vor denselben zu
bremsen und langsam zu fahren. Dem Uebel l>alf man dadurch ab.
daß man den Schwerpunkt des Autos tiefer legte, besonders bei
den sehr rasch fahrenden Personenautos. Dadurch aber kam das
Gehäuse des Wagens zwischen die Räder zu liegen. Beim Drehen
der Vorderachse konnte sich das innere Rad nicht mehr unter den
Wagen schieben wie bei dem Kutschwagen. Das aber nahm wieder
die Möglichkeit, scharfe, enge Kurven zu nehmen, wollte man nicht
jedesmal den Wagen durch Vor- und Rückziehen (..stechen") herum
bringen, wie es die Fuhrleute mit ihren Wagen mit hohen Vorder
rädern, wie man sie gewöhnlich auf dem Lande fährt, tun müssen.
Eine Möglichkeit, diesem Uebel abzuhelfen, wäre eine Verlängerung
der Vorderachse oder eine erhebliche Verkleinerung der Vorder
räder gewesen. Solche Wagen aber wären nicht nur unschön, son
dern ließen sich auch schwerer fahren. Da entschied man sich für
die knickbare Vorderachse, die außerdem an den Enden nach oben ge
bogen wurde, um größere Räder gebrauchen zu können. Bei ge
ringem Raum für die Räder ist nun doch die Möglichkeit gegeben,
scharfe Kurven zu nehmen, und da der Schwerpunkt des Autos nun
auch tief liegt, kann nwm sie auch rasch nehmen.
Ich halte es nicht nur für zweckmäßig, sondern sogar für not
wendig, solche Alltagsvorgänge und -erscheinungen in den oberen
Klassen unserer Volksschulen zu besprechen, lernen die Jungen dann
Doch, mit offenen Augen durchs Leben zu gehen. Dazu gehören für
die hier angegebenen Dinge natürlich mehrere Stunden. Selbstver
ständlich würde ick) auch bei dem einfachsten Vorgang, bei dem ge
wöhnlichen Wagen, beginnen, dann Auto und endlich den Eisen
bahnwagen folgen lasiert.
Streik.
k Von Heinrich Kaub. Hamborn.
Glitt ein Seufzen durch hohe Hallen ....
Frisches Morgenrot lugte durch die Ritzen der berußten Well
blechwände im Schlotenschatten rmd entfloh.
Mittagsglut wollte helle Wärme in den Maschinenräumen aus
breiten und erschrak.
Abendschein kam. die eisernen Kolosse mit Rosenhänden zu
beleben und verstarb.
Montsilber legte lange Leilaken aus wie bleiche Bahrtücher und
harrte des Unglücks.
Und Miriaden Schimmersterne schauten stumm nieder cuf da-
schwarze Land. —
*
Die letzte Seel- war eben gegangen, der Nachtwächter. Atmeten
die Hallen erlöst oder erbangt ob ihrer Einsamkeit auf?
Schatten und Schemen schivebtcn zu der Stätte toter Ruhe
herein.
Zuerst eine sehnige Hünengestalt, di- Arbeit. Die hammer-
schwieligen Hände tasteten ans Tor. Das tat sich auf, weit, weit.
wie für Heerscharen. Umsonst. Räder und Maschinen hockten trägt
in nachtschlafencr Starre.
Schwere Seufzer entwehten dem wallenden Schatten. Seufzer
wie Sck-auer und Schrecken. Einen rostigen Hammer griff die Ge
stalt und liebkoste das kalte Gerät. Auf leblosem Stein sank dann
die Seufzende nieder, nahm von der Stirn einen leuchtenden Stern
und schickte ihn aufwärts zum Himmel.
Beraubt war die Arbeit der Weihe. —
*
Aus Rädevgewirr und Aschendunkel hob sich das Streikgespenst.
Grinste zur Arbeit hinüber und hohnlachte in grausigem Wachsen.
Mit Tigeraugen, Hyänengebiß, mit Raubtierpranken und Löwen-
flanken, voll Schlangenklugheit und Natternlist. Dunkel kas
Antlitz wie Kratergebrodel. Mit glühender Machthand und alle-
beherschenden Füßen.
Schleichend wie Aufruhr und Brand ging es um. Wo dir
Machthand griff, da hoben Schatten sich auf wie Gorgonen, Wledusen
und Furien.
Und die Machthand schwenkte ein Füllhorn, draus regnete e-
Jrrlichtsterne .. .
*
Ein Ringen!
Bon ihrem Stein steht die Arbeit auf. Hell und stark. Die
Gespenster vergrauen. —
Wem tanzt ihr die Orgien? T
Den Menschen, den Menschen! wirbelt die luftige Antwort.
Und wer führt das Zepter im lichtscheuen Reigen?
Ein Schweigen. Dann grell und schrill der wilde Chor, käst
die Näderwelt ringsum erschauert:
Ter Streik!
*
Wieder sank der Himmelsstern nieder auf die Stirne der Arbeit
Steh Rede, Streik, was begehrst du vom Menschen?
Die Leidenschaften!
Sreh Rede, Streik, wie bezauberst du Menschen?
Mit G'ückslicdern der Freiheit. Gleichheit rmd Macht.
Steh Rede, Streik, was bescherst du hex Menschheit?
Lastendes Schweigen ,,.
*
Zwei Welten, so weit getrennt wie Himnrel und Erde, maßen
sich im Kampf: die Arbeit — der Streit.
Wie eine Oriflamme der Wahrheit, leuchtete das Weihesternlein
auf, wild schüttelte der Streik scirre Flammengewande.
Draußen unter den Menschen aber begann ein Fieber zu rasen
voll Haß und Neid, Zank und Streit, Wahn und Wut ..,
*
Der Spuk war aus. Allein saß die Arbeit auf kaltem Stein,
Aus dem Menschenland kamen drei Wesen zu ihr. Sensengestalten.
Wankende Armut und bleiche Not. AIS dritter im Bunde der
Schnitter Tod ....
Urrd dann ein Lichtlein von oben, der Gedanke: Gott! —
I 3m 'Uoffcsffaaf j j
Die christliche Gemeinschaftsidee.
Von Chefredakteur Georg Wieder.
Der Weg der Revolution führt znm Zwang, zur Bindung und
Fesselung der Persönlichkeit und des Individuums. Nicht allein
zur Bindung unberechtigter Ansprüche durch das Individuum oder
einzelne Gesellscheftsschichten, sondern zur Ausschaltung aller indi
vidueller Kräfte, er zwingt beit Menschen in ein System, das eine
Maschine ist.
Ist das der Weg. den diMlssenschhcit zu gehen berufen ist? Ist
vas der letzte Schluß der Weltordnung, kann aus der Knechtung und
rvcnclung jenes neue. aufblühende Leben, jener Völkerfrühling er-
Ichemen. den wir alle ersehnen?
Der Weg der Revolution führt zum extreme» Ka^talismus.
^ -.^^ingsbruder, den soziastischen Gedanken, neben sich
aS C ? . ^ au5 erner gemeinsamen Wurzel. Frucht vom Baume
oes Lcateriallsmus. Der extreme Kapitalismus endete in unge-
Wirtschnrtsmöglichkeiten einerseits und anderseits in einer
«Mm.rS*"* 1 ? Mißachtung jedes sittlichen Prinzips. Ihm war der
♦pH* Menschen, den er nicht als gleichberechtigt ach-
06irft frinfr Wirtschaft, als Seil seiner
Ti ff i Mio cv{vJ r ^i tC / C ' * ur ö^iten Natur geworden. Die sozia-
UTt * cr Hintansetzung jeglicher ethischen
I S{” n i? M S ? frle ? önun ö der Gemeinschaftsidee, an deren
jp ,f 1 ; ^ e . ialur lebte, der Menschheit und vor allem dem
Proletariat einen neuen Weg zu weisen. Wohin ging die Straße?
Bolschewismus^"' 3M Smln mh Trotzky. Für das Ende sorgt der
Diese beiden Wege haben die Menschheit ins Verderben ge
rissen, sie sind im tiefsten Grunde die Schuldigen an der ungeheuren
Weltkatastrophe, die durch vier Jahre verheerend über alle Natio
nen zog.
Wohin soll nun die Menschheit gehen? Wo ist der Pfad. der
zum Ziele führen kann? Dornenvoll ist jeder Weg, steinig find alle
Straßen, auch wir können der Menschheit nicht das letzte Glück
geben. Das liegt über unö. Aber wir können der Menschheit den
Weg zeigen, der imstande ist, am ehesten den Völkern Glück und
Frieden zu bringen. Glück und Frieden den Ständen, den Natio
nen, dem Jndividülnn.
Das ist die christliche Gemeinschaftsidee, der SolldariSrnuS.
*
Die Gemeinschaftsidee verwirft den extremen individualistischen
Gedanken, wie ihn der Kapitalismus vertritt, der alles nur sich
selbst unterordnen will, der in sich. im Individuum, allein Maß und
Ziel aller Dinge erblickt, der die schrankenlose Freiheit verkündet,
welche sich an kein Gebot, weder gegenüber der höchsten Gerechtig
keit, noch gegenüber der Volksgesamtheit stört.
Sie verwirft den alles unter den Zwang, unter die Aushebung
aller individuellen Rechte der Persönlichkeit und der Stände stellen
den sozialistischen Gedanken, bei dem der Staat die Allhcil-
Maschine ist.
Sie will, daß dem Individuum de Rechte gegeben werden, die
rm Einklang stehen mit den sittlichen Motiven und mit den Rechten
der Gesamtheit.
Die Gemeinschafts dee will die unbedingte Wahrung der Rechte
der Allgemeinheit. Das oberste Gesetz im Staate, bedingt durch die
obersten Sittengesetze und von ihnen ausgehend, ist das Recht der

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